Medien 22.10.2004, 18:34 Uhr

HDTV auf dem Weg nach Europa

VDI nachrichten, Berlin, 22. 10. 04 – Auf der IT-Messe Systems und den Münchner Medientagen spielte das Thema „HDTV“ in dieser Woche eine große Rolle, das hochauflösende Fernsehen findet immer mehr Anhänger. Doch ganz so schnell ist eine Umrüstung europäischer Systeme nicht zu schaffen.

Die kleine Löwin Suki und ihr Bruder Linus sollten in der vergangenen Woche eine große Aufgabe lösen: Sie sollen uns Deutschen im Film „Pride – Das Gesetz der Savanne“ einen Schubs in eine neue Fernsehtechnik verpassen. ProSieben zeigte die BBC-HD-Produktion von John Downer einmal in der bisher üblichen Bildqualität und zum anderen via Astra-Satellit in der hochauflösenden HDTV-Technik. Mit dem Einstieg von ProSiebenSat.1 in die HDTV-Ausstrahlung soll laut Martin Emele, Geschäftsleitung Technologies, gezeigt werden, „was trotz zahlreicher offener Fragen heute schon möglich ist.“ Allerdings ist die Zahl von hochauflösenden Displays und speziellen Settop-Boxen noch sehr klein – einige Hundert dürften bestenfalls in bundesdeutschen Haushalten stehen.
Trotzdem: Auch Premiere-Chef Georg Kofler hat sich vom Thema HDTV anstecken lassen. Noch vor einem Jahr sah er dafür „noch kein Zeitfenster“. Jetzt plant er gleich drei HDTV-Programme. Ab 1. November 2005 wird es angeblich losgehen mit Filmen, Sport und Dokumentationen, und zwar über Satellit und Kabel (wir berichteten). Zwischen 10 € und 15 € pro Monat soll das neue Bildvergnügen kosten – zusätzlich zum bisherigen Premiere-Abo. Kofler geht von 300 000 bis 500 000 HDTV-Nutzern aus – jetzt sind es drei Millionen, die seine Programme in Standard-Digital-Qualität sehen.
Dabei ist HDTV gar nicht so neu. In Japan ging es 1964 bei der japanischen Fernsehanstalt NHK mit der Entwicklung los, regelmäßige Hi-Vision-Versuchssendungen gibt es seit 1989. Mittlerweile sind im Land der aufgehenden Sonne sieben Programmveranstalter nahezu rund um die Uhr in HDTV aktiv, über 4 Mio. HDTV-Haushalte soll es geben. Auch in den USA entwickelt sich der Geräteabsatz, da das Programmangebot noch umfangreicher ist. Weitere HDTV-Länder sind Australien, Süd-Korea, China, Brasilien, Kanada. Selbst Südafrika bereitet sich vor.
Dass Europa bei HDTV abstinent blieb, liegt an den Erfahrungen, die mit einem eigenständigen europäischen Standard, Eureka EU 95, von 1986 bis 1992 gemacht wurden. Mit 1250 Zeilen und 50 Hertz Bildwechselfrequenz war in der übrigen Welt kein Blumentopf zu gewinnen, und zudem hatte das Übertragungssystem HD-MAC keine technische Basis, D2-MAC war schon vorher gescheitert.
Als es 1992 keine weiteren Fördermittel der Europäischen Union gab, zeigten selbst die beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen kein Interesse mehr an deutlich besseren Bildern. Der DVB-Standard für das digitale Fernsehen wurde entwickelt.
Alle bisherigen Geräte machen die neue Qualitätsstufe HDTV nicht mit. Wer das bessere Bild haben will, muss in ein hochauflösendes Display sowie eine Settop-Box oder einen digitalen HD-Videorecorder (HD-PVR) investieren. Damit können schon jetzt die Programme des belgischen Veranstalters Alfacam mit seinem Sender HD1 und des HDTV-Promotion-Kanals von SES Astra empfangen werden.
Doch es bleiben noch genügend Fragen, wie bei einer Fachveranstaltung des Instituts für Rundfunktechnik (IRT) und der Fernseh- und Kinotechnischen Gesellschaft auf der Photokina, deutlich wurde. Neben unterschiedlichen Übertragungs- und Kompressionsverfahren, nämlich den MPEG-2- und MPEG-4-Standards (H.264/AVC) oder Windows Media Player 9, genannt VC-1 (Video Codec 1), geht es vor allem um verschiedene HDTV-Formate. Während es in den USA noch sechs gibt, dreht sich hierzulande alles um zwei, nämlich um 1920 Bildpunkte mal 1080 Zeilen oder 1280 mal 720. Im ersten Fall wird die seit nahezu 70 Jahren genutzte Zeilensprungtechnik mit 50 Halbbildern pro Sekunde beibehalten, im zweiten Fall bleibt es bei weniger Bildpunkten und Zeilen, doch gibt es dafür 50 Vollbilder.
Während es weltweit deutlich mehr Systeme mit 1920 x 1080 gibt, favorisieren die europäischen Broadcaster die progressive, also zeilensprungfreie Technik und versprechen sich einen um 15 % bis 20 % höheren Kodiergewinn. Das andere Lager, vor allem die Internationale Fernmeldeunion ITU und Sony, favorisieren eine höhere Bildpunktzahl.
„Künftige HDTV-Displays werden ein Raster von 1920 x 1080 haben, und dafür ist das 1080er Format genau das richtige“, so John Ive, Direktor strategische Planung bei Sony Europe. In einigen Jahren wird auch die Studiotechnik dieses Format komplett abdecken können und dabei nur Vollbilder produzieren. So gesehen sind die beiden derzeitigen Formate nur technische Intermezzos, freilich hochwertige und voll kompatible.
Premiere hat sich zunächst für 1920 x 1080 und H.264 entschieden, doch müssen noch entsprechende Decoder entwickelt werden. Als Modulationsverfahren für den Satelliten ist DVB-S2 vorgesehen – erste Bilder gab es auf der International Broadcasting Convention in Amsterdam zu sehen. In Frankreich wollen TF1, Canal Plus und TPS, in England BSkyB in HDTV übertragen. Selbst in Spanien führten Telefonica Audiovisual Services und Sogecable Tests durch. Italien und skandinavische Länder verfolgen ebenfalls HD-Pläne. Die BBC wird in den nächsten Jahren die gesamte Produktionstechnik auf HDTV umrüsten. Nur ARD und ZDF zeigen sich bedeckt, wohl nicht zuletzt, weil solche Investitionen nicht in die derzeitige Diskussion um eine Gebührenerhöhung zu passen scheinen.
Zudem kommt jetzt Druck aus anderen Lagern. JVC und Sony bieten bereits die ersten HDV-Camcorder an. Auch wird es bald neue DVD-Systeme geben, heißen sie nun HD-DVD oder Blu-ray. Aus dem Internet holen sich HDTV-Freaks schon längst ihre eigenen HD-Programme, sind doch PC-Monitore allemal besser als klassische TV-Geräte. RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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