Medien 04.05.2007, 19:27 Uhr

HDTV-Standards im Wettbewerb  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 4. 5. 07, jdb – Seit Jahren diskutiert die Fernsehbranche das beste HDTV-Format. US-amerikanische Standardisierungsgremien haben seit Mai 1993 verschiedene Formate entwickelt, die – mit gewissen Varianten – inzwischen auch hierzulande gelten. Etabliert hat sich vor allem das HDTV-Bild mit 1080 Zeilen im Zeilensprungverfahren.

Hochauflösende Fernsehbilder können – wie bei der bisherigen Standardauflösung – aus zwei Halbbildern zusammengesetzt mit 1080 Zeilen oder als Vollbild mit 720 Zeilen daherkommen. Beide Verfahren haben ihre eigenen Vor- und Nachteile, die kürzlich Hans Hoffmann, Senior Engineer bei der Europäischen Rundfunkunion (EBU) in Genf beim Münchner Institut für Rundfunktechnik, während einer Veranstaltung der Fernseh- und Kinotechnischen Gesellschaft erläuterte.

Eher „historisch bedingt“ sei das Format 1920 Pixel x 1080 Zeilen, das mit 50 bzw. 60 Halbbildern pro Sekunde aus jeweils 540 Zeilen zu Hause ankommt. Vor allem für ruhige Aufnahmen mit hohem Detailanteil wird diese 1080i genannte Technik (s. Kasten) empfohlen, die weltweit von nahezu allen großen Broadcastern genutzt wird.

Die EBU hat indes anderes vor, will eben die progressive, also zeilensprungfreie Aufnahme und Wiedergabe des Formats 1280 Pixel x 720 Zeilen mit 50 Vollbildern in der Sekunde forcieren. Dieses Verfahren ist vor allem bei Sportaufnahmen vorteilhaft. „Jetzt steht Produktionsequipment für beide Techniken zur Verfügung, der Broadcaster kann entscheiden“, so der EBU-Experte. „Und die Empfänger und Displays können beides wiedergeben.“ Das Schweizer Fernsehen SRG startet am 1. Dezember 2007 mit HD und wird – ebenso wie ARD und ZDF ab 2009/2010 – EBU-konform senden. „Eine Konvertierung von und nach 1080i ist problemlos möglich“, verspricht Wolfram Klemmer, Chefingenieur beim RBB.

In sehr aufwändigen Testreihen wurden anhand vieler Beispiele die Vorteile von 720p/50 bewiesen, mit der sich durchaus Bildschirme bis 50 Zoll, also 1274 cm, bespielen lassen. Dave Graveline, Produzent einer Consumer-Electronics- und Technologie-Radio-Show in Florida, hält diese Argumente für nicht stichhaltig, „Auch bei uns in den USA wurden umfangreiche Tests der beiden Techniken durchgeführt – die höhere Auflösung durch 1080i kam dabei für 60-Zoll-Displays besser weg und wird seitdem forciert eingesetzt“, erklärte der Experte am Rande einer Veranstaltung der Messe Berlin zur diesjährigen IFA (31. August bis 5. September).

Auch die Privaten haben sich bei uns auf 1080i/25 eingeschossen. „Wir haben auch Tests gemacht, und da schnitt dieses Format besser ab“, so Klaus Hofmann, Leiter Distribution bei der ProSiebenSat.1 Media AG. Sowohl ProSieben als auch Sat.1 senden seit dem 26. Oktober 2005 ihre Programme parallel und meistens hochkonvertiert. „Über 300 Stunden haben wir bislang nativen HD-Content ausgestrahlt und machen das mit einem kaum nennenswerten Mehrinvest“, erläutert Martin Emele, Geschäftsführer Technologie der Senderfamilie. „Auch gab es bereits die ersten Werbespots in echtem HDTV.“ Die Entscheidung für 1080i fiel „wegen der höheren Eignung für Spielfilminhalte und dem geringeren zu erwartenden Programmanteil Sport“, so Emele.

Premiere begann am 3. Dezember 2005 mit HDTV-Ausstrahlung, seit November vergangenen Jahres werden nur noch zwei HDTV-Kanäle übertragen. „Alle Produktionen – einschließlich Sport – liegen in 1080i vor, und wir werden wegen der EBU nicht umkonvertieren“, so Premiere-Sprecher Michael Jachan. Gleiches gilt auch für den Sender Anixe HD, der seit dem 17. Mai 2006 vor allem Spielfilme und Serien ausstrahlt. Der Industrie freilich ist es egal, wie gesendet wird. „Unsere HDTV-Geräte der Compose-Reihe können sowohl 1080i/25 als auch 720p/50 wiedergeben – und auch 1080p/60 von Blu-ray und HD DVD“, erklärte beispielsweise Roland Raithel von Loewe. Zudem sei ein Satelliten-HDTV-Tuner bereits eingebaut.

In etwa fünf bis zehn Jahren dürften freilich Vollbildsysteme mit 1080 Zeilen auf der Tagesordnung stehen – und wegen der höheren Bandbreiten entsprechend höhere Kosten verursachen. Schon sind viele Studiokameras für 1080p/50- bzw. 60 vorgesehen und die Flachdisplays bzw. Projektoren meistens auch. Für eine Kompression gibt es hier aber noch keinen Standard. „Bei DVB ist da nichts vorgesehen, wir müssten ein Update für ein MPEG-2 AVC Level 4.2 haben“, so Hoffmann. „Auch gibt es kein HD-Logo für 1080p/50 oder 60.“ Allerdings – viele Displays könnten das schon, sofern die Anschlüsse dafür vorhanden sind. Vor allem für die Wiedergabe von Blu-ray- oder HD-DVD-Titeln ist die progressive Wiedergabe sinnvoll, und auch mit filmtypischen 24 Bildern pro Sekunde.

Für wenig überzeugend hält Hoffmann das HD-ready-Label. „Es ist nichts anderes als eine Interface-Spezifikation. Sie gibt an, welche Schnittstellen an dem Display sein sollen, also DVI oder HDMI. Zudem geht es um Kopierschutz über HDCP. Festgeschrieben ist das Bildformat 16:9 und die minimale vertikale Auflösung von 720 Pixel“, so die Zusammenfassung. „Es gibt keine Garantie für die Bildqualität. Manchmal schaut das Bild fürchterlich aus, selbst wenn es ein HDTV-Signal ist“, meint Hoffmann. „Hier müssen wir unbedingt noch etwas nachziehen.“

Japan ist seit 1985 mit HDTV unterwegs. „Wir haben seit damals nie aufgehört, HDTV zu übertragen“, so Yoshihiro Fujita, Direktor der NHK-Science & Technical Research Laboratories während des kürzlich zu Ende gegangenen 12. German-Japanese Symposiums des Münchner Kreises in Berlin. Mittlerweile sind über 19 Mio. der insgesamt 48 Mio. Haushalte mit meist integrierten HDTV-Empfängern ausgerüstet, 40 % haben sich also für die bessere Bildqualität entschieden. Und die kommt mit 1080i/30 daher. „720p/60 ist für uns keine Alternative.“ Terrestrik ist die Regelversorgung, gefolgt von Satellit und Kabel. Daher haben auch alle Fernseher einen Tuner für Antennensignale integriert. Nur für Kabel wird häufig eine HD-Kabelbox benötigt.

Das analoge Standardfernsehen soll am 24. Juli 2011 abgeschaltet werden. Schon jetzt klebt auf analogen Geräten in den Geschäften ein Hinweis, dass sie ohne Zusatzgerät danach nicht mehr zu verwenden sind. Die USA wollen sich übrigens bereits am 17. Februar 2009 von der Analogtechnik trennen.

Während HDTV in Japan schon zur Standardtechnik wird, haben Wissenschaftler schon die nächsten Etappe im Visier. So zeigte NHK bereits Ultra-HDTV. Da hat das Bild eine Auflösung von 7680 x 4320, insgesamt also 16fache HDTV-Information. Und das bei 60 Vollbildern pro Sekunde. 2016 stehen wieder Olympische Sommerspiele vor der Tür und dafür hat sich auch Tokio beworben. „Wir hoffen, die Spiele austragen zu können. Dann werden wir die Zukunft des Fernsehens demonstrieren – mit Ultra-HDTV. Es werden die atemberaubendsten Bilder werden, die die Welt bislang gesehen hat“, schwärmte Fujita. RAINER BÜCKEN

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