Medien 24.04.2009, 19:40 Uhr

HDTV-Archive: Kulturgüter für die nächsten 100 Jahre  

Noch ist das Thema HDTV bei öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern eher die Ausnahme als die Regel. Selbst die zunehmende HDTV-Produktion reicht nicht für ein hochauflösendes Vollprogramm – erst müssen Archive hierfür aufgebaut werden. Wie das gehen kann, war Thema eines Symposiums, das kürzlich in Bregenz veranstaltet wurde. VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 4. 09, jdb

Auch wenn bei ARD und ZDF der Regelbetrieb mit HDTV noch nicht begonnen hat, wird schon im HD-Standard produziert. Aber schon bei der Archivierung „macht jede Rundfunkanstalt mehr oder weniger, was sie will“, so Hans Hoffmann von der EBU, der Europäischen Rundfunkunion. Und das Angebot der Industrie an unterschiedlichen Formaten und Techniken lässt das zu.

Noch sind die wenigsten Rundfunkarchive HD-ready – von den auf dem Symposium in Bregenz versammelten Vertretern von 15 Rundfunkanstalten meldeten sich erst zwei. Hoffmanns Resümee: „Es gibt noch einiges zu tun.“ Und dazu gibt es jetzt die Projektgruppe P/Data, in der auch „Nicht-EBU-Members“ mitmachen können.

Um in die HDTV-Welt zu kommen, müssen die Rundfunkanstalten ihre Aufzeichnungen vom jetzigen Standardformat (SD) nach HD konvertieren. Die BBC habe dafür schon den Begriff „Remastered for HDTV“ geprägt, so Reinhard Knör vom Institut für Rundfunktechnik, IRT.

Mit Beginn der Olympischen Winterspiele in Vancouver am 12. Februar 2010 beginnen ARD und ZDF mit ihren regulären HDTV-Diensten, ab dann müssen sie die gleichen Inhalte sowohl in SDTV als auch in HDTV ausstrahlen. Zudem werde im Vorfeld jede Menge SD-Material aus dem Sportbereich nach HD hochkonvertiert, um es während der Spiele zur Verfügung zu haben.

In der Schweiz und Österreich senden SRG und ORF bereits in HD. „Im ORF-Archiv lagern wir rund 400 000 h bis 500 000 h Archivmaterial, davon sind 6000 h 35-mm-Film, davon wiederum 90 % in Schwarz-Weiß. Von den 14 000 h 16-mm-Film sind 80 % in Schwarz-Weiß und ein großer Teil ist Umkehrfilm“, so Gerhard Stanz aus dem Archivbereich des Senders. Die Umsetzung für HD kann da nur bei Bedarf erfolgen.

Beim niederländischen Projekt „Images for the Future“ soll ein Großteil der Bestände an Video- und Fotomaterial digitalisiert werden, um sie als Kulturgüter zu erhalten. „Ziel ist es, das Material nicht nur Einrichtungen wie Museen, sondern auch Broadcastern, Produktionsanstalten und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen“, so Markus Hübner von Silex Media. Die Umsetzung des Materials in eine möglichst hohe Qualität hat Vorteile – es lässt sich besser vermarkten. Ein weiteres Ziel ist laut Hübner der Erhalt von wertvollem Produktionsmaterial und der Schutz der Kulturgüter.

Ein probates Ausgangsmaterial für viele HD-Produktionen ist der Film. Holger Schwärzel von Kodak nennt das Filmformat „einen ganz entscheidenden Faktor hinsichtlich des Archivierens und des Nutzbarmachens alter Inhalte.“ Video- kontra Filmformate – numerisch hat da die Elektronik die Nase vorn, was für die Kurzlebigkeit spricht. Etwa 60 Videoformate hat Schwärzel zusammengetragen – aber nur vier für den Film, nämlich Super8, 16 mm, 35 mm und 65 mm. Und für TV werde in den USA vor allem 35 mm, hierzulande 16 mm eingesetzt, auch für HDTV.

„Film hat den Vorteil, dass man Sensor und Speicher in einem hat, in einem Standard, der weltweit verfügbar, erkennbar und lesbar ist“, so Schwärzel. Filmmaterial von vor 20 Jahren könne noch heute bequem in HD abgetastet werden. Kodak bietet zudem viele Möglichkeiten, farbveränderte Bilder durch digitale Techniken wieder zu rekonstruieren. Auch Kratzer und Schmutz können auf Wunsch beseitigt werden.

Die höchste Archivstabilität wird über den Weg des Schwarz-Weiß-Separation-Films erreicht, weil sich da keine Farbstoffe verändern können. Aus dem Master werden drei Schwarz-Weiß-Filme, die jederzeit wieder gescannt oder ausbelichtet werden können. Laut Henning Rädlein, Leiter von ARRI Digital Film, müssen in den USA alle relevanten Filme so gesichert werden – die Lagerzeit wird mit mindestens 100 Jahren angegeben.

Doch nicht nur der Zahn der Zeit kann altes Quellmaterial zerstören, manchmal ist es auch der Faktor Mensch. Da werden schon mal viele Laborrollen auf den Müll gebracht, nur um Lagerkosten zu sparen. Selbst nach Ende des Eureka95-Projekts 1993 wurden so viele Aufnahmen der ersten HD-Generation mit der 1250i/25-HD-MAC-Technik „entsorgt“.

Für die Langzeitarchivierung digitaler Inhalte auf Band setzt IBM seit 1952 die sog. Enterprise-Serie ein. „Die Bandeinheit IBM 726 schrieb damals 7500 Byte pro Sekunde bei einer Dichte von 100 bit pro Inch – beim Bandlaufwerk TS1130 des Jahres 2008 sind es bis zu 160 MByte/s und eine Kassette fasst 1 TByte, umgerechnet rund 18 h bis 20 h HD-Content“, so Götz Mensel von IBM. Der Impulserhalt – und damit die Speicherdauer – soll über 30 Jahre betragen.

Jürgen Heitmann hat als Moderator der Abschluss-Session weit in die Zukunft geblickt und spekuliert, dass in 2000 oder gar 4000 Jahren ein Archäologe ein Stück Film findet. „Allein aufgrund der visuellen Analyse könnte ein Reproduktionsgerät nachgebaut werden – was bei anderen Medien kaum möglich sein dürfte.“ RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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