Medien 21.01.2000, 17:24 Uhr

Große Fische zappeln ums Netz

Bücher, Musik, Spielfilme – im Internetzeitalter ist alles digital. Doch um die Medien an die Kunden zu bringen, braucht es breitbandige Netze – und die hat in Deutschland immer noch Telekom.

Die größte Unternehmensfusion in der Geschichte der Medien läßt T-Online kalt. Eine Verschiebung der aktuellen Positionen im deutschen Markt sei durch AOL Time Warner nicht zu erwarten, betont Telekom-Sprecher Stephan Broszio. Mit insgesamt 4 Mio. Teilnehmern in Deutschland sei T-Online schließlich nach AOL weltweit der zweitgrößte Anbieter im Internetgeschäft. AOL hingegen sei mit rund 1,3 Mio. Kunden in Deutschland nur die Nummer zwei.
Auch bei der Frage nach Inhalten sieht sich T-Online aktuell „auf keinen Fall schlechter gestellt als die Konkurrenz von AOL. Wir arbeiten mit dem ZDF und der ARD eng zusammen und können unseren Kunden ein breites Spektrum an Inhalten bieten“. In der Bindung an einen spezifischen Lieferanten von „Content“ sieht der Telekom-Sprecher eine Einschränkung, die gar nicht nötig sei. „Bei der wachsenden Vielzahl der Anbieter von Inhalten haben wir eine große Auswahl, die wir unseren Kunden weitergeben können.“ Das gelte auch noch dann, wenn T-Online über High-Speed-Infrastrukturen wie dem eines Kabelnetzes verbreitet würde. Analysten verweisen beispielsweise jetzt wieder auf die börsennotierte EM.TV in München, die bei der Expo 2000 in Hannover mit der Vermarktung des Maskottchens Twigsy mit im Geschäft ist und auch über zahlreiche Filmrechte verfügt.
Oliver Hergesell, Pressesprecher von Bertelsmann in Gütersloh, sieht in der Fusion von AOL und Time Warner (T/W) hingegen „einen deutlichen Zugewinn für die Kunden in Europa“. Das „inhaltliche Angebot der beiden Medienriesen Bertelsmann und AOL/T/W ergänzt sich doch hervorragend“.
Der Sprecher des Gütersloher Medienkonzern wischt alle Gerüchte vom Tisch, die Vages über einen Ausstieg von Bertelsmann bei der AOL-Muttergesellschaft in den USA verbreiten wollen und propagiert das Komplementärmodell: Bertelsmann habe – wie Bertelsmann Online (BOL) zeige – seine Stärken im Bereich E-Commerce AOL-T/W verfüge dank seiner Verbindung zu Hollywood über ein gutes Reservoir an Unterhaltungsprodukten in den Archiven.
So viel vorangetragenes Selbstbewusstsein auf Seiten von Bertelsmann kann jedoch auch als Versuch verstanden werden, die eigenen Schwächen zu kaschieren. Bertelsmann ist zwar eine AG, sie wird jedoch durch eine Bertelsmann-Stiftung sowie die Familie Mohn kontrolliert. Diese Eigentümerstruktur macht die Gütersloher praktisch zum Familienunternehmen. An einen Aktientausch, der es einem wie bei AOL-T/W erspart, für einen Einkauf wirklich Geld auf den Tisch zu legen, ist mit diesem traditionellen Konstrukt nicht zu denken. Und am Beispiel Kirch kann man ablesen, zu welchem Spagat man in solch einer Situation gezwungen sein kann: Die Münchner Gruppe hat zwar mit SAT 1, Kabel 1, Pro Sieben, DSF und Premiere World ein TV-Imperium, aber der Medientycoon Rupert Murdoch musste zur Hilfe eilen, weil es schließlich doch finanzielle Probleme gab.
Hinzu kommt, dass Bertelsmann – wenn die Gütersloher denn die Antipoden zu AOL-T/W werden wollen – Netzkapazitäten braucht. Egal, ob Sprache, Texte, Musik oder Bilder übertragen werden sollen – alles erreicht den Kunden als digitalen Cocktail über ein und dasselbe Kabel. Der Frage, welcher Breitbandstandard beim Transport von Bits und Bytes gewählt wird, kommt die entscheidende Bedeutung zu. Time Warmer bringt in die junge Ehe als Mitgift ein riesiges Kabelnetz ein. In Deutschland hingegen müssen die Netze erst einmal ausgebaut werden. Zwar ist die Deutsche Telekom durch die EU bereits dazu aufgefordert worden, sich von diesem Teil des Unternehmens zu trennen, aber so richtig kommt der Verkauf nicht in Schwung.
Und auch wenn Bieter wie Microsoft endlich zum Zuge gekommen sein sollten, ist das Problem immer noch nicht zufrieden stellend gelöst. Wie kommt man zum Endkunden? lautet die Frage. Die Mehrheit der örtlichen Anschlüsse liegt in den Händen örtlicher Kabelbetreiber oder von Wohnungsbaugesellschaften. Auch sie müssen in die Modernisierung des Kabels investieren, sie befürchten aber, nach der Verbesserung nicht mehr angemessen am Geschäft beteiligt zu werden.
Ist irgendwann einmal auch dieses Problem gelöst, stellt sich noch die Frage nach der Rückkanalfähigkeit der Netze sowie nach den Senderechten. An der Rückkanalfähigkeit wird gearbeitet, sie existiert jedoch noch nicht und stellt damit ein weiteres Hindernis für Wachstumschancen dar. Und was die Senderechte betrifft, ist AOL-Time Warner sehr gut gerüstet bei dieser Angebotspalette kann im internationalen Geschäft eigentlich nur Disney mithalten. Immerhin gestehen Analysten Bertelsmann hierbei eine gewisse Marktpräsenz auch schon zu. Um aber tatsächlich ins Netz zu kommen, wird man einen der Bieter für das Telekom-Netz unterstützen müssen. Gibt es also demnächst über eine Kooperation zwischen Bertelsmann und Microsoft zu berichten? Immerhin ist das Ballmer/Gates-Unternehmen zweitgrößter Internet-Anbieter nach AOL und hat sich bereits an zahlreichen US-Kabelfernsehfirmen beteiligt. DOROTHEA WENDELN-MÜNCHOW
Die neue Medienmacht: AOL-Chef Steve Case und Time Warner-Chef Gerald Levin wollen die Menschheit multimedial versorgen – über Internet und breitbandige Kabelnetze.

Von Dorothea Wendeln-Münchow

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