Medien 28.05.2004, 18:30 Uhr

Goldrausch mit käuflichen Silberlingen

VDI nachrichten, Berlin, 28. 5. 04 – Der Schaden, den „Raubkopierer“ in Tauschbörsen anrichten sollen, wird durch die Verlängerung der medialen Verwertungsketten kompensiert – z. B. über DVDs. Internet- Videotheken und Videos-on- Demand sind die Geschäftsmodelle der Medienzukunft.

Längst wird das Filmgeschäft nicht mehr an der Kinokasse entschieden. Die Besucherzahlen sind seit Jahren rückläufig. Die Filmförderungsanstalt (FFA) beziffert den Umsatz in den deutschen Kinos für das Jahr 2003 mit 850 Mio. €. Dagegen kann der Bundesverband Audiovisuelle Medien (BVV) für den gleichen Zeitraum auf satte 1,55 Mrd. € Umsatz durch den Verleih und Verkauf von Videos und DVDs verweisen. Knapp das Doppelte.
Besonders DVDs haben sich, parallel zu ihrem Preisverfall, als lukratives Geschäft entwickelt. Mit mehr als 1 Mrd. € Umsatz, bei einem Anstieg um mehr als 30 % gegenüber dem Vorjahr, haben Kauf-DVDs alle anderen Medienträger abgehängt. Die Videokassette ist ein sinkender Stern.
Der ersten Quartalserhebung für 2004 zu Folge haben die Verleihvorgänge von DVDs gegenüber dem ersten Quartal 2003 nochmal um 27,8 % zugenommen. In diesem Segment tut sich ein ganz neuer Markt auf: Internet-Videotheken. „Heute bestellt und morgen im Briefkasten“ – so preisen Netzvideotheken wie Amango, Dividi, Netleih oder inVDeo ihre Dienste an.
Für eine von der Anzahl an Leihdisks abhängigen Monatspauschale, zwischen 5 € und 40 € je nach Anzahl gleichzeitig bestellter DVDs, können Wunschlisten angelegt oder aktuelle Titel vorbestellt werden. Sie treffen dann auf dem Postweg beim Kunden ein, schnell und zuverlässig.
„Das Onlinegeschäft“, verrät Nicolas Lissner von Dividi Entertainment, „wächst explosionsartig.“ Über 10 000 Titel hat der Münchner Anbieter, teils auch als Filmtrailer in der Voransicht, verfügbar. Bei anderen Online-Videotheken sieht es ähnlich aus. Genaue Absatzzahlen weist der in Deutschland erst sechs Monate alte Markt indessen noch nicht aus.
Dagegen liegen vom börsennotierten, größten amerikanischen Verleih Netflix aktuelle Werte für das erste Quartal 2004 vor: Der Reinerlös von 100,4 Mio. $ überstieg um 80 % das Ergebnis des ersten Vorjahresquartals und um 24 % das vierte Quartal 2003. Schlechte Zeiten fürs Kino.
Inzwischen haben amerikanische Filmstudios ihr Marketing auf die neue lukrative Einnahmequelle abgestimmt und geben für DVD-Werbekampagnen vergleichbar viel Geld aus wie für Kinowerbung. Die Disney Studios steckten z. B. beim DVD-Start von „Findet Nemo“ 50 Mio. $ in Werbemaßnahmen. Mit Erfolg: Allein auf dem Binnenmarkt spielte die DVD bislang 431 Mio. $ ein 100 Mio. $ mehr als der Kinofilm. „Im Grunde“, wird Filmagent John Lesher in der New York Times zitiert, „fungieren Kinofilmen mittlerweile als Werbung für DVDs.“
Attackiert wird das seit Jahren rückläufige Kinogeschäft zusätzlich durch Video-on-Demand. Hiesige Anbieter wie Arcor, T-Online-Vision und oder der Hamburger Lokalbetreiber HanseNet sind noch nicht lange im Streaming-Geschäft vertreten. Für Preise zwischen 1 € für Kinderfilme (bei Arcor) und 5 € für zwei Spielfilme (bei T-Vision) können die Videos heruntergeladen und angeschaut werden.
Beim ältesten, Ende 2001 gestarteten Dienst von Arcor sind derzeit 1300 Titel im Programm, fünfzig neue Filme kommen im Juli dazu. HanseNet hat 700 Titel im Angebot, und T-Online-Vision hinkt mit gerade einmal 84 Titeln hinterher. Bis Jahresfrist, hat man sich vorgenommen, sollen es 300 werden. Aufgrund höherer DSL-Bandbreiten können neuerdings auch mit 2 Mbit komprimierte Videos heruntergeladen werden, die qualitativ mit einer DVD vergleichbar sind und Surround-Sound aufweisen.
Dass die Zukunft des Home-Entertainment keine Medienträger wie die DVD mehr vorsieht, sondern nur noch Datenströme, ist absehbar. Hierfür ausschlaggebend wird jedoch der so genannte „Sprung ins Wohnzimmer“ sein, die Verbindung von PC und Fernsehgerät. An dieser technischen Konvergenz basteln beide Seiten. Die TV-Industrie präsentierte bereits auf der letzten Funkausstellung Settop-Boxen mit Internetzugang und Festplattenspeicher.
Ein solches System vertreibt T-Online gegenwärtig mit dem „Activy Media Center“ zum stolzen Preis von 1300 €. „Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung“, versichert T-Online Sprecher Martin Frommhold, „wenngleich ein Massenmarkt wohl nur mit Geräten deutlich unter 1000 € zu erreichen ist.“ Entsprechende Boxen gibt es jetzt z. B. von Samsung.
Konkurrent Arcor setzt in puncto Couch-Affinität ab Mitte Juni auf den mit dem Fernseher verbundenen PC und das „Windows XP Media Center“. Per Fernbedienung lässt sich eine einheitliche komfortable Benutzeroberfläche für alle digitalen Medien – Videos, Musik und Fotos – ansteuern. Vorausgesetzt, der PC steht nicht sehr weit vom Wohnzimmer entfernt.
HELMUT MERSCHMANN

Von Helmut Merschmann

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