Medien 16.02.2001, 17:28 Uhr

Glitzer, Glamour und viele Zukunftsfragen

Immer mehr Menschen gehen ins Kino. Die Branchenumsätze stiegen und Filmgesellschaften gehörten daher zu den Börsenstars. Seit Monaten jedoch stürzen die Aktienkurse deutscher Produzenten und Filmhändler ab. Verkehrte Welt?

Berlin im Februar: Für zehn Tage liegt die Stadt im Glanz. Zur 51. Berlinale versammelt sich wieder der internationale Film-Jet-Set. Kirk Douglas, Sean Connery, Kate Winslet, Anthony Hopkins kommen. Unzählige weitere Stars geben sich die Ehre. Etwa 400 000 Fans besuchen die 350 Filme der Festspiele. 14 000 Schauspieler, Produzenten, Regisseure, Studiobosse sind akkreditiert – und feiern. Ein Grund: Kino boomt.
Allein in Deutschland, dem nach den USA wichtigsten Markt weltweit, stieg die Zahl der Besucher von 124 Mio. 1995 auf 152 Mio. im vergangenen Jahr an. Bei 1,6 Mrd. DM lag der Branchenumsatz. Doch auf der heimischen Glamourindustrie lastet ein Schatten: Die am Kapitalmarkt notierten Werte erleben ein Börsendrama
Besonders deutlich zeigt sich die Differenz zwischen hohem Unterhaltungsanspruch und miserabler Aktienperformance am Nemax Index Media & Entertainment: Die 40 Titel verloren von Februar bis Dezember 2000 mehr als 80 %. Nur Sunburst Merchandising schaffte nach Angaben der Direktbank Consors ein Plus von 2 % gegenüber dem Jahresanfang. Die anderen Unternehmen büßten bis zu 90 % ihres Wertes ein. Auch 2001 setzt sich bisher keine Erholung durch.
Vor allem den „EM.TV-Schock“, macht Bernard Tubeileh, Medienanalyst bei Merrill Lynch, für die enormen Kursverluste verantwortlich. Liquiditätsprobleme, Gewinnwarnung und der Einstieg des Mediengiganten Kirch beim Münchener Filmhändler zogen das ganze Segment abwärts.
Im Sog der EM.TV-Querelen und gebeutelt von einer insgesamt trüben Börsenstimmung purzelten auch die deutschen Kinotitel in den Keller. Lizenzhändler und Produktionsgesellschaften, wie Constantin, Highlight Communications, Internationalmedia, Kinowelt oder Senator Entertainment, enttäuschten ihre Fangemeinde. „Dabei ist das mit den Verhältnissen in den einzelnen Unternehmen kaum zu begründen“, sagt Bernard Tubeileh. Unternehmen, wie Constantin oder Senator, hätten die Erwartungen der Analysten jederzeit erfüllt.
Beispiel Constantin: Das Unternehmen um Vorstandschef und Starproduzent Bernd Eichinger („Die unendliche Geschichte“) legte 2000 das beste Jahr der fast 20-jährigen Geschichte hin. Mit 19 Mio. Kinobesuchern sei Constantin laut Sprecherin Phoebe Rocchi der zweiterfolgreichste Verleiher auf dem deutschen Kinomarkt gewesen. Der Konzernumsatz schnellte von 51,5 Mio. Euro auf 116 Mio. Euro hoch, die Umsatzerlöse lagen bei 41,7 Mio. Euro.
Commerzbank, ABN Amro und DG Bank empfehlen das Unternehmen daher als „Kauf“. Als „Outperformer“ stuft SES Research Konkurrent Senator Entertainment ein. Die Analysten begründen das mit der internationalen Ausrichtung sowie der Ausweitung der Eigen- und Koproduktionen.
Diese Einschätzung teilt auch Bernard Tubeileh. Sein Argument: „Nachdem finanzschwache Filmverleiher keine weiteren Produktionen mehr bezahlen können, erwarten wir, dass liquide Firmen wie Senator diese Verträge zu Discountpreisen übernehmen können“, sagt der Merrill Lynch-Experte, der 2001 mit einer starken Konsolidierungswelle rechnet: „Nur noch eine Hand voll deutsche Filmgesellschaften verfügt über genügend Geld. Diese Unternehmen werden um den Rest mitbieten können.“
Wer zu den Gewinnern der Branche zählen wird, entscheidet letztlich auch der Kinofan. Trotz steigender Besucherzahlen blieben echte Kassenschlager 2000 allerdings Mangelware. Lediglich das US-Movie „American Pie“ schaffte den Sprung über die 6-Mio.-Marke. Nummer zwei der Hitliste war mit 4,4 Mio. Zuschauern „Mission Impossible 2“. Deutsche Blockbuster hingegen flimmerten praktisch nicht über die Leinwände. „Anatomie“ sahen etwas über 2, „Harte Jungs“ nur 1,6 Mio. Menschen.
Entsprechend kläglich präsentiert sich auch der Markanteil der deutschen Filmproduktionen im letzten Jahr. Nach 14 % 1999 sackte der Anteil auf 12,4 % ab. Doch gerade die Kinotitel des Nemax Index leben auch vom Marketingerfolg ihrer heimischen Produktionen. Und garantieren lässt sich das Votum der Kinoenthusiasten natürlich nicht.
Kaum verwunderlich also, dass Experten die Chancen der Filmwerte auch 2001 zurückhaltend beurteilen. „Der Kinomarkt wird schwierig bleiben“, sagt etwa Christian Tilmann vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Für den an Medienwerten interessierten Anleger bedeutet dies, dass er neben der fundamentalen Situation eines Unternehmens auch auf die Stimmung der Branche achten sollte. Nimmt man die 51. Berlinale, die morgen zu Ende geht, als Barometer, wird das Jahr wieder turbulent. Aber so geht es beim Film ja immer zu. MATTHIAS KUTZSCHER

Von Matthias Kutzscher

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