Medien 11.06.1999, 17:21 Uhr

Gesucht: Das größte TV-Publikum der Welt

In den USA werden in wenigen Wochen erste interaktive TV-Programme auf Sendung gehen, die zeigen, wie Zusatzinformationen aus dem Internet das Medium Fernsehen bereichern können. In Europa wird man allerdings noch auf das sogenannte „erweiterte Fernsehen“ warten müssen.

Über 62 Medienkonzerne und Computerfirmen wollen durch gemeinsame Standards möglichst rasch Fernsehprogramme mit dem Internet verknüpfen. Dazu haben sie sich im „Advanced Television Enhancement Forum (ATVEF)“ zusammengeschlossen und technologische Grundlagen für das „Fernsehen der Zukunft“ erarbeitet. Mit ersten Protokollen für das „Enhanced Television (ETV)“, an denen die Gründungsväter dieser Initiative bereits getüftelt haben, lassen sich Programme mit weiteren Daten zu einem interaktiven TV-Paket schnüren (siehe Kasten).
„Das ist das Fernsehen von morgen“, schwärmte die zuständige Intel- und ATVEF-Direktorin, Cathie Fredricksen, kürzlich in München. Erste Programme dieser Art des interaktiven Fernsehens sollen bereits in wenigen Wochen auf Sendung gehen. Das haben zumindest Veranstalter von Walt Disney, CBS und Judge Judy in den USA zugesagt. In Europa gibt es nur von der BBC und Pro7 erste Absichtserklärungen – ohne eine Terminzusage. Thomson will entsprechende Geräte und Settop-Boxen herstellen.
Mit der „erweiterten Fernsehtechnik“ könnten während einer Koch-Sendung Rezepte und Menüvorschläge am Bildschirmrand angeklickt werden, erklärte Fredricksen. Damit kann jeder sein Menü entsprechend der zu erwartenden Zahl der Gäste variieren. Möglich sind auch Einkaufshinweise der verwendeten Lebensmittel oder Bezugsadressen für die genutzten Haushaltsgeräte. Mit einem Klick ist man im Internet auf der richtigen Seite und bekommt die Zusatzinformationen. Selbst Online-Shopping wird dann direkt möglich werden.
Bei einem Wetter-Kanal soll sich jeder Zuschauer durch die Internet- Verbindung seine spezielle regionale Vorschau neben den Sprecher auf die Bildfläche holen können. Oder beim Golfturnier könnte es Hinweise auf weitere Turniere, Golfplätze oder bisherige Spielerkarrieren geben. Bei Nachrichten ist an Zusatzinformationen gedacht, die mitgeschickt oder aus dem Internet gefischt werden können. Ein besonderer Rückkanal ist nicht unbedingt erforderlich, kann aber auch nicht schaden, schließlich werden die Daten – und seien es nur Web-Adressen – im Fernsehsignal mit übertragen, ähnlich wie beim technischen PC-Vorreitersystem Intercast, das noch immer vom ZDF und DSF genutzt wird.
Allerdings müssen die ETV-Empfänger für die Wiedergabe besonders ausgestattet sein – oder zumindest die auf oder neben ihnen plazierten Settop-Boxen. Die sollen nämlich die Zusatzdaten zur Sendung decodieren und bei Bedarf anzeigen. Wer dann mächtig Appetit bekommt und gleich selbst die Gerichte nachkochen möchte, kann sich auf Knopfdruck via E-Commerce alle Zutaten oder lieber gleich das komplette Menü ins Haus liefern lassen. Oder er kann im Internet nachlesen, was die Größen hinter der Mattscheibe noch so alles drauf haben, sei es koch- oder sportmäßig.
Auch an interaktive Werbung ist gedacht. Agenturen wie Dentsu USA und Colby Effler & Partners haben bereits erste „enhanced Commercials“ vorgestellt – direkte Bestellmöglichkeit inklusive. Werbung als Business-Modell wird zu einer tragenden Säule von Enhanced TV. 1997 wurden in den USA für 298 Mio. Dollar per Online Bestellungen aufgegeben, im Jahr 2001 dürften es 2,7 Mrd. Dollar werden, nicht zuletzt durch Enhanced TV.
William E. Kennard, Vorsitzender der Federal Communications Commission (FCC) sah vor einigen Wochen anläßlich der International Radio and Television Society in New York im Advanced TV Enhancement Forum bereits so etwas wie die Inkarnation der Konvergenz-Idee von Fernseh- und Informationstechnik.
Dabei ist die Technik vor allem eines – speicherintensiv. Und das ist wohl der Hauptgrund für ein Unternehmen wie Intel, eine so zentrale Rolle beim ATVEF zu spielen. Intel ist weltweit größter Chip- und Prozessorlieferant, und möchte durch die neue Technik zum allergrößten aufsteigen. Noch ist diese Technik recht harmlos, verlangt weder höherauflösende Bildröhren im breiten 16:9-Format, noch werden an die Übertragungstechnik besondere Anforderungen gestellt. Nein, die Zusatzinformationen sollen für alle Arten der Programmverbreitung taugen, also analog und digital, Kabel, Satellit oder Terrestrik.
„Wir definieren die Zukunft des Fernsehens neu“, so Cathie Fredricksen auf die Frage nach dem Stellenwert von ATVEF und hochauflösendem Fernsehen (HDTV). „Wenn die Zuschauer HDTV haben wollen, werden wir auch dafür die erweiterten Programmangebote liefern.“ Und weiter: „Besseres Fernsehen hat aber nach unserer Ansicht nicht unbedingt etwas mit der technischen Qualität zu tun, es kommt auf die Inhalte an!“ HDTV ist nach Ansicht der Intel-Managerin vor allem teuer. Der Übergang zu den hochauflösenden Bildern könnte mit den erweiterten Programmen erleichtert werden, zumal die kleinen Zusatzkästchen recht preiswert werden sollen. Vor allem in Japan und den USA ist zu sehen, daß Internet-Seiten erst auf hochauflösenden Bildschirmen so richtig zur Geltung kommen, ohne erst mühsam umgesetzt zu werden. „Das beobachten wir sehr intensiv und werden bei einer entsprechenden Nachfrage darauf reagieren“, so die ATVEF-Chefin.
Nur in Europa wird sie das nicht zu tun brauchen. Dort dürfte es auch in zehn Jahren noch kein HDTV geben, nimmt man die Ressentiments der meisten Industrie- und Medienvertreter gegen eine solche Technik ernst. Vielleicht sehen gerade deshalb die potentiellen PAL-Nutzer im erweiterten Programmformat eine große Chance. So rechnet die Allianz mit Walt Disney, Microsoft, Hitachi, BBC, Thomson und Pro7 in den nächsten drei bis vier Jahren mit mehreren zehn Mio. Nutzern der neuen Angebote. Die für Enhanced TV verwendeten Standards sollen offen für jedermann sein, was aber nicht kostenlos bedeutet. 2500 Dollar Lizenzgebühren sind bei Interesse fällig, nicht gerade viel, bedenkt man die potentiellen Geschäftsfelder, die damit abgedeckt werden können.
RAINER BÜCKEN
Cathie Fredrickson, Intel- und ATVEF-Direktorin: „Wir definieren die Zukunft des Fernsehens neu.“
Zusatzinfos rund ums Kochen: „Enhanced TV“ wird Plattform für Rezepte und Werbung sein.
Intel und viele andere wollen neben dem Fernsehprogramm jede Menge Hintergrundinformationen via Internet bieten.

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