Medien 26.02.1999, 17:20 Uhr

Geschäft mit Vision

Worldspace-Gründer Noah Samara hat eine Vision. Satelliten-Radio soll den Ländern der Dritten Welt neben Unterhaltung und Information auch Entwicklungshilfe bringen – und Demokratie, China ausgenommen. Dort kommt Markt vor Moral.

Zunächst wurde das Projekt von vielen gar nicht ernst genommen, jetzt ist der erste Satellit schon seit mehreren Monaten im All, und am 1. Mai soll der Regelbetrieb beginnen. Worldspace ist ein ehrgeiziges Vorhaben, das die bisherigen Verbreitungsmedien in der Dritten Welt, namentlich die Kurzwelle, langfristig nicht nur ergänzen, sondern überflüssig machen will.
Am 28. Oktober vergangenen Jahres wurde Afristar gestartet, der erste von drei Satelliten der Worldspace-Reihe. Zwei weitere, Asiastar und Ameristar, sollen in der zweiten Hälfte 1999 folgen. Damit soll ein umfassendes digitales Hörfunkangebot für 4,6 Mrd. Menschen in der Dritten Welt aufgebaut werden.
Das Unternehmen Worldspace wurde 1990 mit dem Ziel gegründet, „radiotechnisch unterversorgten Märkten wie Afrika und Lateinamerika digitale Radiodienste zur Verfügung zu stellen“. Gründer und Manager ist Noah A. Samara. Er stammt aus Äthiopien und war zuvor unter anderem für die ITU tätig.
Die ersten Jahre waren vornehmlich der Akquisition von Geldern gewidmet. Mehr als 1 Mrd. Dollar wurden bereits gesammelt. Dem Vernehmen nach kommt ein nicht unbeträchtlicher Teil davon aus Saudi-Arabien. Generalunternehmer für das komplette Satellitensystem ist Alcatel. Matra Marconi bauen die Satelliten, Arianespace übernimmt den Transport ins All. Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen in Erlangen hat den Audio-Encoder entwickelt, Rohde & Schwarz stellt ein Meßsystem zur Verfügung. Vier japanische Firmen (Panasonic, JVC, Sanyo und Hitachi) bauen die Empfänger.
Worldspace will seinen Hörern eine Mischung aus lokalen, regionalen und globalen Programmen, aus Information, Bildung und Unterhaltung bieten. Der Wortanteil soll mindestens 25 % betragen. Dazu hat die Gesellschaft bisher Verträge mit 17 Anbietern (Stand Ende Januar) abgeschlossen, die z. T. mit mehreren Programmen vertreten sein werden. In früheren Pressemitteilungen war häufig auch von einer Beteiligung der großen Auslandsrundfunkdienste die Rede. Namentlich genannt wurden vor allem die Voice of America und Radio Nederland. Bisher fehlen diese aber auf der Liste. Auch die Deutsche Welle wartet noch ab. Ihr Chefingenieur Peter Senger will eine spätere Beteiligung jedoch nicht ausschließen.
Langfristig ist vorgesehen, neben der kommerziellen Verbreitung mindestens 5 % der Kapazität für humanitäre Zwecke zur Verfügung zu stellen. Zu diesem Zweck wurde die gemeinnützige „Worldspace Foundation“ gegründet. Sie ist rechtlich selbständig, aber dem Unternehmen eng verbunden. Eines ihrer Projekte ist ein „African Peace Channel“, der in Zusammenarbeit mit Organisationen wie OAU und Unesco dazu beitragen soll, auf dem von so vielen Konflikten zerrissenen Kontinent Frieden zu schaffen und zu sichern.
Dazu der Worldspace-Gründer Noah Samara: „Natürlich ist Worldspace in erster Linie ein Geschäft. Wir sind aber stolz darauf, ein Geschäft mit einer Vision zu sein. Und weil wir diese Vision haben, haben wir 5 % unserer Kapazität reserviert, um sicherzustellen, daß, unabhängig von finanziellen Belangen, auf unseren Satelliten kreative, spannende und entwicklungsorientierte Programme zu hören sind.“
Die Signale werden in den Zielgebieten mit kleinen flachen Antennen zu empfangen sein, die an portable Empfänger angeschlossen werden. Die ersten vier Empfängertypen wurden im vergangenen Dezember vorgestellt. Zwei von ihnen sind ausschließlich für den Empfang der World-space-Programme konzipiert. Die beiden anderen können zusätzlich UKW, Mittel- und Kurzwelle empfangen. Die Massenproduktion der Empfänger ist angelaufen.
Die Preise für die Geräte werden sich je nach Land unterscheiden, da unterschiedlich hohe Vertriebskosten und Einfuhrzölle einzukalkulieren sind. Das anvisierte Preisniveau von 200 Dollar bis 300 Dollar erscheint allerdings recht hoch für die Zielgruppe in den Entwicklungsländern. Doch Noah Samara erwartet, daß mit steigender Verbreitung auch die Preise fallen werden. Auch sei es denkbar, daß im Rahmen von Aktionen der Foundation Empfänger zu extrem niedrigen Preisen oder sogar kostenlos verteilt werden. In Deutschland werden die Empfänger übrigens vorerst nicht aktiv vermarktet. Es könnte sogar schwierig werden, sie im Inland zu bekommen.
Worldspace sol zuerst in der afrikanischen, dann in der weltweiten Medienlandschaft etabliert werden. Doch schon im Vorfeld bereiten die Märkte in Asien Sorge. Für China ist man anscheinend sogar bereit, einen nicht ungefährlichen Kompromiß einzugehen. Da die Geräte einzeln adressierbar sind, besteht die Möglichkeit, Programme so auszustrahlen, daß sie, wenn sie einer Regierung nicht genehm sind, in dem betreffenden Land nicht gehört werden können. Damit wäre das so oft beschworene Ideal des freien Informationsflusses schon wieder korrumpiert.
HANS WEBER
Drei Satelliten für weltweiten Radioempfang: Worldspace wird Lateinamerika, Afrika und Asien mit Radioprogrammen versorgen. Technische Voraussetzung ist ein spezieller Empfänger.

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