Medien 20.05.2011, 19:53 Uhr

Geliebt und gehasst: Social Media

Social-Media-Dienste wie Facebook, Twitter, Youtube und Flickr werden von PR-Leuten und Journalisten als „notwendiges Übel“ noch nicht wirklich akzeptiert, so zeigt eine Umfrage. Die Zahl der Skeptiker nimmt zu, dabei sind viele immer noch mit „großem Spaß“ dabei.

Am 11. März, dem Tag des schweren Erdbebens in Japan, twitterte ein Journalist nach einigen Stunden intensiver Arbeit: „Twitter ist das beste Journalisten-Tool, das ich kenne. Man bekommt Infos sofort, sieht Entwicklung der Geschichte.“ Und erhielt sofort Zuspruch von Kollegen anderer Onlineredaktionen.

Doch diese Begeisterung teilen offenbar nur wenige: Eine Umfrage der dpa-Tochter News aktuell und Faktenkontor unter 5120 Personen aus PR-Agenturen, Pressestellen und Redaktionen im Februar diesen Jahres ergab: Theoretisch wissen zwar Journalisten und PR-Fachleute, dass Social-Media-Tools „wertvolle Arbeitswerkzeuge“ sind, doch in ihrem Arbeitsalltag nehmen viele sie noch als „notwendiges Übel“ wahr. Und die Zahl der Skeptiker wächst.

Nur ein Drittel der Redaktionen und ein Viertel der Pressestellen glauben, „gut“ oder „sehr gut“ für den Umgang mit Social Media gerüstet zu sein. Positiver äußerten sich diejenigen, die täglich mit sehr hohem Nachrichtendurchsatz zu tun haben: Fast die Hälfte der Onlineredaktionen sowie ein Drittel der Nachrichtenagenturen äußerten sich positiv, während sich nur ein Fünftel der Zeitschriften- und Tageszeitungsredaktionen fit für den Umgang mit Web 2.0 fühlt.

Klare Unterschiede zeigen sich auch in den Unternehmen. Ein knappes Drittel der Sprecher aus den Branchen Handel und Dienstleistung sah sich gut aufgestellt, bei den Sprechern aus Verbänden und Verwaltungen ist dies nur knapp ein Fünftel. Eine persönliche Unsicherheit im Umgang mit dem Social Web gab rund ein Drittel der Befragten aus Redaktionen und PR-Agenturen zu. Als „Profi“ bezeichnet sich nur ein Sechstel. Die Hälfte gab jedoch an, bereits „einige Erfahrung“ gesammelt zu haben.

Gleichwohl ist Social Media in Redaktionen und Unternehmen nichts Exotisches mehr. Etwa die Hälfte der Journalisten sieht darin ein „wertvolles Arbeitswerkzeug“. Bei den Onlineredakteuren zeigen sich bereits zwei Drittel derart aufgeschlossen, bei Nachrichtenagenturen und Rundfunksendern etwa die Hälfte der Befragten. In Pressestellen und PR-Agenturen setzt sogar mehr als die Hälfte der Befragten Social-Media-Dienste im Arbeitsalltag ein.

Journalisten arbeiten am intensivsten mit Facebook, gefolgt von Youtube, Xing und Twitter. Pressesprecher setzen ebenfalls vor allem auf Facebook, nach Xing auf Platz zwei steht jedoch Twitter bereits auf Platz drei und Youtube an vierter Stelle. Die Meisten der Befragten twittern, bloggen oder kommentieren dreimal pro Woche.

Die freie Journalistin und Bloggerin Vera Bunse, die für diesen Artikel spontan über Facebook angesprochen wurde, sagt: „Viele Informationen würde ich ohne Twitter erst sehr viel später bekommen, Hintergründe oft gar nicht.“ Facebook nutzt sie zur Selbstdarstellung und Kontaktpflege, aber auch zur Informationsgewinnung: Man sieht interessante Links und hat die Möglichkeit, direkt Rückfragen zu stellen.“ Mit der Zeit ergebe sich ein persönliches, internationales Netzwerk mit Ansprechpartnern zu allen möglichen Themenbereichen. Sie meint: „Auch man selbst ist stets ansprechbar, was beruflich durchaus vorteilhaft sein kann. Beides ist den Aufwand wert und wird belohnt mit Aktualität, interessanten Hintergrundinformationen und Kontakten.“

Die Hälfte der Befragten will in solchen Dienste hingegen nur eine „geringe“ bis „gar keine Relevanz“ erkennen. Damit nehmen die Skeptiker überraschenderweise zu, denn die Umfrage hatte im Herbst 2010 nur ein Drittel der Befragten derart skeptisch gefunden. Jeder sechste Journalist verzichtet sogar komplett auf die Dienste in seinem Arbeitsalltag. Unter den Pressesprechern finden sich 15 %, die komplett auf Social Media verzichten.

Die Meinungen unter den Befragten sind stark geteilt: Noch immer ist Social Media für jeden dritten Journalisten und Pressesprecher nur ein „notwendiges Übel“, das sieht auch jeder vierte Mitarbeiter einer Pressestelle so. Sie glauben, dass die Arbeit schwieriger werde. Umgekehrt hat aber auch jeder vierte Journalist und PR-Profi damit „großen Spaß“ und glaubt, dass die Arbeit effektiver werde.

Um die weitere Entwicklung kümmern sich vor Ort in den Redaktionen vor allem die Onlineredakteure, während es in Unternehmen die Presseabteilungen oder das Marketing sind. Obwohl die große Mehrheit sich sicher ist, dass Social Media künftig noch intensiver eingesetzt wird, plant die Hälfte der Befragten keine weiteren Investitionen. Über die Hälfte der Journalisten und Pressestellen glaubt, dass Social Media die Kommunikationsarbeit von Unternehmen revolutioniert. Ein Viertel der PR-Agenturen erwartet neue Arbeitsplätze. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

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