Fußball-WM 2010 18.06.2010, 19:47 Uhr

Fußball in 3-D ist noch lange kein Renner

Die Fußball-WM ist – wieder einmal – eine Premieren-WM: Erstmals werden alle Arten von Bildschirmen bespielt, von SD über HD bis 3-D, von Handys über Mobile TV bis online, und natürlich Public Viewing.

Das bundesdeutsche Einstiegsspiel in die WM gegen Australien am vergangenen Sonntag mit dem spektakulären 4:0 für Deutschland hat den Australiern dennoch etwas Einzigartiges beschert, konnten doch schätzungsweise 20 000 von ihnen das Spiel terrestrisch in 3-D sehen. Nicht flächendeckend, sondern in den sieben Städten Sydney, Perth, Adelaide, Brisbane, Melbourne, Newcastle und Wollongong.

Rund 5000 Haushalte dürften in Down Under mit 3-D-Fernsehern bestückt sein. „Wir haben Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um 15 Spiele in 3-D übertragen zu können“, erklärte SBSs Chief Operating Officer Richard Finlayson gegenüber den VDI nachrichten. Damit macht SBS seinem Namen alle Ehre – der Special Broadcasting Service wurde 1978 gegründet, um Programme für ethnische Gemeinschaften zu liefern.

Himmel und Erde wurden auch in Europa bewegt – und das wörtlich. 25 der 64 WM-Spiele lässt die FIFA in fünf Stadien durch den Hostbroadcaster HBS in 3-D produzieren, weshalb zwei Übertragungswagen dafür von Europa nach Südafrika gebracht werden mussten: Telegenic aus UK ließ den sonst für BSkyB genutzten Ü-Wagen verschiffen, während AMP Visual TV in Frankreich seinen 3-D-Wagen erst nach dem Ende der French Open am 6. Juni mit einer russischen Antonov nach Südafrika einfliegen lassen konnte.

Die 3-D-Teams aus insgesamt 100 Mitarbeitern hatten die Fahrzeuge schon erwartet, um fünf Stadien 3-D-mäßig für jeweils acht zusätzliche Sony-Kamerapaare vom Typ HDC-1500 vorzubereiten. Broadcaster wie ESPN in den USA, SkyPerfecTV in Japan oder Sogecable in Spanien nutzen Kabel oder Satellit, um fernsehtechnisch mit der WM in die 3. Dimension zu gehen. Canal+ in Frankreich überträgt vier Spiele in 3-D – via Satellit, anschließend ist ein Testbetrieb geplant. TF1 wiederum nutzt fünf IPTV-Plattformen, u. a. CanalSat, Free und Orange, um die 3-D-WM unters Volk zu bringen. AT&T überträgt alle 25 Spiele – für 10 $ pro Monat. 3-D haben auch Naxoo in der Schweiz und Digital+ in Spanien angekündigt.

In den Niederlanden sollte zur WM 3-D in den Kabelnetzen von Ziggo und UPC übertragen werden. Wegen der hohen Kosten – es ist von 30 000 € pro Spiel die Rede – wurde das Vorhaben abgeblasen.
Seoul Broadcasting System in Korea, auch mit dem Kürzel SBS daherkommend, ist ebenfalls terrestrisch unterwegs.

Laut David Bush, Marketing-Director von Sony Europe, dürfte jedes 3-D-Spiel „von einigen Hunderttausend Zuschauern“ gesehen werden. Es hätten aber deutlich mehr sein können, wäre es im Vorfeld nicht zu diversen Pannen gekommen. Bei Testübertragungen für 3-D-Kinos war die Bildqualität so schlecht, dass viele Betreiber von dem Übertragungsangebot Abstand nahmen. Dann gab es Probleme mit dem Schweizer Vermarkter Aruna Media, dem die Fifa am 10. Mai die Verträge kündigte. Ein Großteil der einst weltweit geplanten knapp 1000 3-D-WM-Kinos wird nun Filme und keine Bälle zeigen. Der technische Dienstleister „Bewegte Bilder“ ist jetzt beauftragt, er kann zusammen mit Eutelsat trotzdem nur in sieben Kinos die Spiele in 3-D zeigen (siehe Kasten).

In Nürnberg öffnete z. B. Cinecitta, der „erfolgreichste Kinokomplex Deutschlands“, sein Kino 4 fürs 3-D-WM, in das dann am vergangenen Sonntag spontan 33 Besucher strömten. „Wir haben nochmals alles sehr genau justiert, so dass wirklich sehr schöne und 11 m breite Bilder zu sehen waren“, freut sich Benjamin Dauhrer, Assistent der Geschäftsleitung. Acht weitere Spiele stehen nun noch auf dem Spielplan, und so hofft Dauhrer auf weiter steigende Akzeptanz.

Die Cinemaxx-Gruppe, „Deutschlands bekanntester Betreiber von Multiplex-Kinos“, hat aufgrund der unklaren Rechtesituation und technischer Unzulänglichkeiten kurzfristig „Abstand von der Übertragung der WM-Spiele in 2-D und auch in 3-D genommen“, so Vorstand Christian Gisy. Auch bei UCI gibt es kein 3-D-PV. Anders im Ausland. So hat allein die südkoreanische Kinokette CGV 50 Säle für 3-D geöffnet.

Andererseits warben hierzulande einige Sportbars ebenfalls mit 3-D – doch war es dann nur auf Fernsehern in die 3. Dimension hochkonvertiert. „Den Leuten hat das aber nicht gefallen, wir mussten nach einigen Minuten wieder auf 2-D zurückgehen“, erklärt Berkan Algan, Geschäftsführer der Bar Vivo („Die größte Sportsbar in Hamburg“). Kleingerechnet wird jetzt auch die Zahl der ursprünglich genannten 4000 Sony-Händler, die die 3-D-WM live auf dem Schirm haben sollten. Jetzt dürften sich in Deutschland einige Hundert Bravia-Premium-Partner 3-D-Szenen vom Vortag von einer Sony-Plattform herunterladen und dann via Stick in die 3-D-Fernseher einspielen.

Auf den offiziellen Fifa-Fan-Festen in Berlin, London, Mexico City, Paris, Rio de Janeiro, Rom und Sydney spielt das Thema 3-D keine Rolle. Nur Sony hat den Berliner Fans zum Trost eine 3-D-Erlebniswelt in Form eines Kubus mit 60 m2 Grundfläche spendiert, die ab nächstem Freitag zwischen Siegessäule und Brandenburger Tor stehen wird. „Da werden auf diversen Bravia-Fernsehern Ausschnitte der besten Szenen des Vortags gezeigt“, erläutert PR-Manager Gerrit Gericke die abgespeckte 3-D-Guckaktion. Wer auch die verpasst, kann sich nach der WM eine 3-D-Blu-ray mit den Höhepunkten der Spiele kaufen.

Die Produktion der 3-D-Signale erfolgt unabhängig vom „normalen“ Weltbild, wobei auch das längst nicht so normal wie früher ist. Für jedes Spiel werden 32 HD-Kameras – und damit fünf mehr als in Deutschland vor vier Jahren – eingesetzt, die aus den vor den zehn Stadien geparkten Ü-Wagen und Container-Dörfern, sog. Broadcast-Compounds, gesteuert werden. Insgesamt hat HBS 2000 Mitarbeiter engagiert, sollen doch rund 2200 Stunden Material produziert werden.

ARD und ZDF sowie RTL und Sky haben zudem Übertragungsfahrzeuge gemietet, um das Weltbild mit eigenen Signalen zu ergänzen. Die öffentlich-rechtlichen Sender übertragen 55, RTL ist für die restlichen neun Spiele zuständig, während Sky wiederum die HD-Pay-TV-Rechte für alle 64 Spiele hat und auf einem Kanal gar rund um die Uhr sendet – inklusive vieler Spielwiederholungen.

Bei den Hunderten von Public-
Viewing-Veranstaltungen werden die regulären HD-Signale genutzt. Gemeinsam ein Spiel zu erleben macht eben doch mehr Spaß als „alleinsam“ hinter einer polarisierten oder shutternden Brille. RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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