Deutsche Animationstechnik 09.08.2013, 06:58 Uhr

Für den Blockbuster Medicus erschuf Pixomondo das historische Isfahan im Computer

Für ihr neuestes Projekt, das Geschichtsepos „Der Medicus“, hat das deutsche Animationsstudio Pixomondo ein Produktionsbüro in Köln eröffnet. Die Firma lieferte bereits für zahlreiche Blockbuster die Spezialeffekte aus dem Computer und ist weltweit führend. Pixomondo gewann sogar schon einen Oscar.

<p>Stadt aus dem Staub: Für den Film "Der Medicus" hat Pixomondo die persische Stadt Isfahan (oben) in ihrer mittelalterlichen Version virtuell aufgebaut (unten). Insgesamt brauchte das 70 000 Renderstunden für animierte Szenen.

Stadt aus dem Staub: Für den Film "Der Medicus" hat Pixomondo die persische Stadt Isfahan (oben) in ihrer mittelalterlichen Version virtuell aufgebaut (unten). Insgesamt brauchte das 70 000 Renderstunden für animierte Szenen.

Foto: Pixomondo

Es ist eine der teuersten deutschen Kinoproduktionen überhaupt: Mit einem Budget von 65 Mio. $ verfilmen UFA Cinema und Universal Pictures den Bestseller „Der Medicus“. Die Handlung des Films unter der Regie von Philipp Stölzl spielt im Mittelalter. In Deutschland soll der Film im Dezember in den Kinos starten.

Das bildgewaltige Epos mit Stars wie Ben Kingsley ist zwischen Orient und Okzident angesiedelt. Die visuelle Gestaltung war laut Nico Hofmann von der UFA eines der wichtigsten Elemente bei dieser Produktion, um die Geschichte richtig in Szene zu setzten: „Das ist auf Hollywood-Niveau. Aber nur so schaffen wir es, eine internationale Verwertung zu erreichen.“

Pixomondo erhielt schon den Oscar für seine Animationen

Die visuellen Effekte wurden von Pixomondo umgesetzt. Das deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in Asien und Amerika ist für seine Leistungen bereits mehrfach ausgezeichnet worden, etwa mit dem Oscar für den Martin-Scorsese-Film „Hugo Cabret“ oder dem Emmy für die Serie „Game of Thrones“.

Das Unternehmen selbst verweist auf sein „Hollywood-Know-how“: „Snow White and the Huntsmen“, „Super 8“, „Star Trek Into Darkness“ oder „The Amazing Spiderman“ – diese und andere Blockbuster wurden von den deutschen Spezialisten mit Spezialeffekten versorgt.

Für „Der Medicus“ waren in Köln 15 Mitarbeiter im Einsatz. 160 Einstellungen mit 22 800 Einzelbildern wurden bearbeitet, für die das Team 70 000 Renderstunden benötigte. „Besondere Highlights bei dieser Produktion waren die Entstehung einer kompletten mittelalterlichen Stadt sowie ‚Digital Crowd‘-Schlachten, die man in deutschen Produktionen kaum zu sehen bekommt“, erklärt Christian Vogt von Pixomondo.

So wurde das persische Isfahan des 11. Jahrhunderts am Rechner komplett nachgebaut und computergenerierte Armeen ersetzen als „Digital Crowd“ Schauspieler und Statisten.

Die digitalen Animationen kosteten 1,5 Millionen Euro

Parallel zum Drehbeginn waren die „Digital Artists“ in England unterwegs, um dort Hintergründe zu drehen. Später wurden in Deutschland aufgenommene Szenen in die Aufnahmen aus dem Empire integriert. Rund 1,5 Mio. € haben die digitalen Animationen gekostet, die Landschaften und Städte im mittelalterlichen Europa und Arabien lebendig werden lassen. Im Vergleich zu amerikanischen Blockbustern sei das eine geringe Summe, so Vogt. „Wir produzieren wesentlich kostengünstiger als unsere amerikanischen Kollegen“, sagt er. „Als wir ihnen ‚Richthofen‘ gezeigt haben, konnten sie es kaum glauben, dass die visuellen Effekte dort für nur 2 Mio. € entstanden sind.“

Hofmann ergänzt, dass im Animationsbereich ein „regelrechtes Exportlager“ an deutschen Talenten entstanden sei: „Die Kreativen sind auch international sehr gefragt.“ Doch der Produzent mahnt: „Wenn wir nicht weltweit exportfähig werden, bleiben wir auf dem Niveau des sonntäglichen Primetime-TV-Films, der von einer weiblichen Zuschauerschaft ab einem Alter von 70 Jahren geschaut wird.“

Pixomondo mit Hauptsitz in Frankfurt hat die Arbeit für „Der Medicus“ als Anlass genommen, ein Produktionsbüro in Nordrhein-Westfalen zu eröffnen. Auch ein Großteil der Studioaufnahmen entstand hier in den Kölner MMC-Studios. „Ob wir letztlich in Köln bleiben oder uns in Düsseldorf ansiedeln, bleibt erstmal offen“, sagt Vogt.

Für Petra Müller, Geschäftsführerin der Film- und Medienstiftung NRW, ist die Ansiedlung jedenfalls eine Bereicherung: „Es ist wichtig für unseren Standort, dass sich die größtmögliche Anzahl von Gewerken, die für eine internationale Produktion und die entsprechende Verwertung notwendig sind, hier konzentriert. Daher sind wir froh, dass Pixomondo sich jetzt in Nordrhein-Westfalen angesiedelt hat.“

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