Medien 15.04.2005, 18:38 Uhr

Frequenzfrage blockt mobiles TV  

Fernsehsender, Netzbetreiber, Gerätehersteller und Werbeindustrie setzen hohe Erwartungen in digitales TV auf mobilen Endgeräten. Doch die Frage der Frequenzen könnte dem Erfolg entgegenstehen.

Ulrich Reimers zweifelt nicht am Potenzial der neuen Technik. Für den Professor der Universität Braunschweig ist DVB-H der wegweisende Standard, wenn es um mobiles digitales Fernsehen geht. „H“ steht für „Handheld“, also für Geräte, die jeder Nutzer mit sich führen kann. Das Endgerät sei dabei für den Erfolg entscheidend: „Während sich die Leute nur alle zehn Jahre ein neues Fernsehgerät leisten, wechseln sie ihr Handy alle zwei Jahre“, sagt Reimers. DVB-H treffe damit auf Kunden, die an den Wechsel gewöhnt sind. Und auch die Handyindustrie werde, nachdem sie bereits erfolgreich das Fotohandy eingeführt hat, auf den Trend aufspringen. Seit Mitte 2004 ist DVB-H europäischer Standard. Hersteller wie Siemens und Nokia produzieren die Geräteprototypen bereits in Hunderter-Stückzahlen.

Doch die Geräteindustrie hat es nicht ganz so leicht. Denn neben DVB-H, das auf dem Standard für digitales terrestrisches Fernsehen DVB-T aufsetzt, gibt es auch noch DMB (Digital Multimedia Broadcasting) auf der Basis von DAB (Digital Audio Broadcasting). In Korea laufen die ersten Angebote bereits erfolgreich, die Interoperabilität und die Funktionalität sei sogar besser ausgetestet als bei DVB-H, ist aus der Branche zu hören. Bayern will deshalb 2005 einen DMB-Feldversuch starten. Weil wieder eine Landschaft der Insellösungen drohen könnte, ähnlich wie beim digitalen Radio via DAB (siehe Interview) und nicht klar ist, wie sich der Markt bundesweit entwickelt, muss sich die Industrie mit beiden Standards befassen – eine teure föderale Warteschleife, klagen Hersteller, die nicht genannt werden wollen.

Berlin ist in Deutschland bei der Einführung von DVB-H, wie schon bei DVB-T, Pionier. Der Mobilfunkbetreiber Vodafone hatte 2004 in Berlin erfolgreich mehrere Fernsehsender während der Olympiade auf Geräte-Prototypen von Nokia übertragen. „Die Leute waren fasziniert“, berichtet Pascal Tilly, bei Vodafone für das DVB-H-Marketing zuständig.

Zur Internationalen Funkausstellung (IFA) im September in Berlin wollen Mobilfunkbetreiber und Fernsehsender nun gemeinsam erste Angebote vorstellen. Uwe Hense, Geschäftsführer der Gesellschaft für Förderung der Rundfunkversorgung in Berlin, will zur IFA zeigen, „was alles geht“. Dafür habe man schon im Februar ein Gleichwellennetz in Betrieb genommen.

Mehrere Sender wie RTL, Pro7, MTV und n-tv haben am IFA-Projekt Interesse. Neue Inhalte wird es aber wahrscheinlich auf den Handy-Kanälen nicht zu sehen geben. Statt dessen werden vorhandene Inhalte auf die neue Übertragungsform zugeschnitten.

Großes Ziel aller Beteiligten ist die Fußballweltmeisterschaft 2006. „Das könnte eine große Sache werden“, meint Hense. Doch sei man auf die Gerätehersteller wie Siemens, Samsung oder Nokia angewiesen.

Doch nicht nur die Technik, auch die Politik wird eine entscheidende Rolle spielen: So werden die für DVB-H nötigen Frequenzen per Ausschreibung vergeben. Die ist aber erst möglich, wenn die Bundesländer ihren Frequenzbedarf für die Rundfunkübertragung festgelegt haben. Wie viel Kapazitäten verfügbar sind, hängt also davon ab, wie viel Restkapazitäten die Länder für die Übertragung von Medien- bzw. Telediensten noch übrig lassen. Dass die Länder eine so entscheidende Mitsprache haben, ist aufgrund der verfassungs-, telekommunikations- und medienrechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland vorgegeben.

Da die 16 Bundesländer jeweils unterschiedlich über Programmangebote entscheiden können, kann dies in der Praxis zu regionalen Fensterprogrammen führen. Die Folge: Da die Abstrahlung der Inhalte nur über jeweils eigenständige Frequenzen möglich ist, entsteht im Vergleich zu bundeslandübergreifenden Angeboten ein höherer Frequenzverbrauch. Zudem ist es fraglich, ob so überhaupt tragfähige Geschäftsmodelle realisiert werden können.

Auch die Frage der „digitalen Dividende“ ist offen. Da die Daten mit neuen Verfahren komprimiert werden können, entstehen bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zusätzliche Kapazitäten, die sie selbst nutzen wollen. Andere europäische Länder verwenden die Dividende, um das bisherige Programm umzustellen und neue Dienste zu entwickeln.

Die Fußball-WM 2006 ist deshalb nur dann auf mobilen Endgeräten zu sehen, wenn die Länder sich mit den Anbietern einigen und ihre Kapazitäten zur Verfügung stellen. Wie der Präsident der Regulierungsbehörde, Matthias Kurth, erklärte, gibt es hierfür bereits positive Signale. Aus der Branche ist zu hören, dass der gesamte norddeutsche Raum mit Hamburg, Bremen, Berlin, Hannover, Bremerhaven, Braunschweig, Kiel versucht, in einem norddeutschen Verbund DVB-H mit einem einheitlichen Kanal zu realisieren. NRW hingegen habe bislang erste Anläufe blockiert. Eine grundsätzliche Neuordnung der Frequenzen wird erst auf der Funkkonferenz RRC-06 in Genf 2006 möglich sein, die dann aber erst 2008 greifen würde.

Die Geschäftsmodelle für die neue Handy-Kanäle sind noch nicht ausgereift, da zeigt sich die Werbeindustrie schon begeistert. Peter Kabel, Geschäftsführer von Jung von Matt/next findet DVB-H spannend, „weil es eine Kombination von Broadcasting und individualisiertem Zusatzservice ermöglicht.“ So werden Werbespots auf kleine Bildschirme zugeschnitten sein. Außerdem können Nutzer Informationen über die klassische Netzbetreiberplattform anfordern. Die personalisierte Verbindung wird dabei zum Beispiel via UMTS laufen.

Laut der Studie „TV meets Handy“, die der Eco Verband der deutschen Internetwirtschaft gerade herausgegeben hat, meinen 74 % der befragten Experten, dass Nutzer vor allem an Sport interessiert sein werden, je 67 % sehen eine Nachfrage nach Nachrichten sowie nach Musik- und Videoclips. Dass sich jemand Spielfilme in voller Länge am Minibildschirm ansieht, glauben nur 2 %. Zwar gibt es entsprechende Angebote bereits über UMTS, doch interessant für die Fernsehsender ist die Frage der Rechte: So haben sie für Hollywood-Blockbuster keine Übertragungslizenzen für UTMS, wohl aber für DVB-H. Denn DVB-H erlaubt die 1:1-Verbreitung des Fernsehsignals.

Die erste flächendeckende Einführung von DVB-H findet übrigens nicht in Deutschland, sondern in den USA statt: In Pittsburgh/Pennsylvania soll DVB-H noch 2005 in den Regelbetrieb gehen. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

Digitale mobile Fernsehdienste

– Mehrere Bundesländer wollen digitale TV-Dienste auf mobilen Geräten zulassen.

– Während z. B. Berlin auf DVB-H (Digital Video Broadcast-Handheld) setzt, plant z. B. Bayern in Regensburg ein DMB-Projekt (Digital Multimedia Broadcasting).

– Viele Anbieter warten, wie sich der Markt entwickelt.

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