Medien 30.01.2004, 18:28 Uhr

Formate-Wirrwarr erschwert bequemen Hörgenuss

VDI nachrichten, Cannes, 30. 1. 04 – „Thanks to Steve“ – in Frankreichs Küstenstadt Cannes wurde am vergangenen Wochenende bei der weltgrößten Musikmesse Midem dieser Satz zum geflügelten Wort. Denn Steve Jobs hat der kränkelnden Musikbranche mit dem Erfolg der Download-Plattform „iTunes“ neue Hoffnung gemacht.

Nicht etwa Britney Spears oder Madonna geben über dem Haupteingang am Palais des Festival in Cannes auf einem riesigen Plakat den Ton an. Es ist Steve Jobs von Apple, der hier für seinen Musikdienst iTunes wirbt: Eine legale Plattform, die es erlaubt, für 99 Cent Musik aus dem Internet herunterzuladen.
Seit iTunes in den USA alle Rekorde bricht, kann die Musikindustrie dem Online-Vertrieb von Songs endlich etwas abgewinnen. Dies zeigte die weltweit größte Musikmesse Midem in Cannes am vergangenen Wochenende.
Die Musikbranche kämpft seit fünf Jahren gegen massive Umsatzeinbrüche beim klassischen CD-Verkauf. Rund 25 % verloren die Musikkonzerne durch Kaufunlust, illegale Internet-Musiktauschbörsen und Raubkopien. Josh Bernoff, Analyst bei Forrester Research, beziffert den Verlust auf 700 Mio. $ allein im Jahr 2003 für den US-Markt: „Ähnlich hoch ist die Summe in Europa“, schätzt er. „Get out of the plastic business“, appelliert er denn auch an die Konzerne. Bereits im Jahr 2007 sei die CD passé. Bis dahin würden Kunden nicht nur einzelne Songs aus den zahlreichen Musiktankstellen im Internet herunterladen. Sie würden auch eine monatliche Abogebühr bezahlen, um ihre Sounds nur noch aus dem Netz zu beziehen.
Noch erfolgreicher werten Marktforscher das Geschäft mit Inhalten auf Handys, wobei Anbieter wie Vodafone und Nokia kräftig mitverdienen wollen. Jupiter Media schätzt, dass die Musikindustrie im Jahr 2003 mehr durch den Verkauf mit Klingeltönen erlöst hat als mit legalen Downloads von Musik aus dem Web. Mit Ringtones wurden in Europa und den USA rund 350 Mio.  € umgesetzt, während beim digitalen Vertrieb über das Internet nur 70 Mio.  € erlöst wurden.
Das zeigt, dass die digitale Distribution von Musik eben noch in den Kinderschuhen steckt und derzeit hauptsächlich einen Gewinner kennt: Computerhersteller Apple aus Cupertino. Apple schaffte es, legalen Musik-Download mit ausgereifter, bequemer Abspielsoftware sowie weitgehender Freiheit für die Nutzer (Brennen, Verschicken an Freunde) und dem Musikplayer iPod, dem eigentlichen Gewinnbringer, zu verknüpfen. Dazu kommen seit Herbst eine Windows-Version sowie geschickte Deals mit AOL oder HP.
Aus dem Stand schaffte es Apple seit Mai vergangenen Jahres mit seinem virtuellen Musikladen iTunes 30 Mio. Songs zu verkaufen – soviel, wie in Europa auf allen Plattformen zusammen. Dies teilte OD2, ein britischer Lieferant für viele europäische Online Music Services im Vorfeld der Midem mit. Eddy Cue, Vice President bei Apple für Anwendungen und Dienste, schockte die Musikmanager dennoch: „Mit Online-Downloads ist in den nächsten drei Jahren kein Geld zu verdienen.“
Doch auch Apple fällt nicht alles in den Schoß: Der Marktzugang nach Europa, den Cue für dieses Jahr auf der Midem ankündigte, ist bislang verschlossen. Das Angebot muss an Sprachen, Steuersätze und Verwertungsgesellschaften sowie verschiedene Songpreise für verschiedene Künstler angepasst werden.
Auch Charles Grimsdale, Chef der britischen Software-Dienstleisters OD2, stöhnt: „Es gibt 13 verschiedene Bezahlsysteme, und dabei keinen gesamteuropäischen Katalog für den Online-Vertrieb.“
Die Herausforderung für alle Beteiligten auf der MidemNet, dem Midem-Technologieforum, hieß aber: Downloads für Kunden müssen einfacher, das Wirrwarr an proprietären Musikdatei-Formaten wie AAC (Apple) oder Windows Media Audio (WMA) aber auch Varianten von Digital Rights Management Systemen (DRM) entzerrt werden. „Ein Format, ein DRM-System“, forderte John Rose, Executive Vice President bei EMI Music.
Derzeit kämpfen Musikliebhaber beispielsweise damit, dass heruntergeladene Songs von Apples iTunes oder Napster nicht auf jedem MP3-Player abspielbar sind. Das Windows-Media-Audio-Format ist zu zwei Drittel aller Geräte nicht kompatibel, insbesondere nicht für Handys. Damit liegt der Hörgenuss nach dem Herunterladen erstmal auf Festplatte. Wie und ob das Brennen einer Privatkopie z.B. für das Auto sowie das Übertragen auf ein portables Gerät funktionieren, ist noch ungelöst. Unternehmen wie Sony planen gar für ihr eigenes US-Angebot „Connect“, das im Frühjahr starten soll, ein weiteres Musikdatei-Format. Das soll dann nur auf den eigens dafür konzipierten Sony-Geräten nutzbar sein.
Das gleiche Problem stellt sich bei den DRM-Systemen. Zu wenig verbreitet sind Verfahren wie Audio Wasserzeichen und „Light Weight DRM“, das vom Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelt wurde. Es erlaubt Musikliebhabern zwar das Kopieren auf verschiedene Geräte, nicht aber das Verteilen im großen Stil. 2004 ist denn auch für Karlheinz Brandenburg, Institutsleiter des Fraunhofer IDMT, Ilmenau, das Jahr, in dem die Interoperabilität der verschiedensten DRM-Systeme vorangetrieben werden muss. Ziel sei ein Standard, der alle Geräte einschließt und gleichzeitig viele Geschäftsmodelle möglich macht. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. NIKOLA WOHLLAIB
 www.finetunes.de
www.musicload.de
http://musikdownload.mediamarkt.de/index.pt
www.apple.com/itunes/store/
www.napster.com
www.karstadt.de
www.mycokemusic.com
www.mtv.de/download/
www.wom-download.de
www.ondemanddistribution.com

Von Nikola Wohllaib

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