Medien 02.09.2005, 18:40 Uhr

Filmwirtschaft setzt auf Wasserzeichen  

VDI nachrichten, Berlin, 2. 9. 05 – Zwei Drittel aller Filme finden sich zeitnah zum Kinostart in Online-Tauschbörsen, beklagte unter anderem der Bundesverband Audiovisuelle Medien auf der IFA in Berlin. Die Filmverleiher wollen nun mit Hilfe der Wasserzeichentechnik gegen unautorisierte Downloads rascher vorgehen.

Vom heutigen Freitag an kann man wieder in Berlin im Kittchen „Probe sitzen“: Aus Anlass der Kampagne „Raubkopierer sind Verbrecher“, welche die Filmwirtschaft Ende 2003 ins Leben gerufen hat, macht die Aktion „Knast on Tour“ Station auf der Internationalen Funkausstellung. „Film-Raubkopien sind nach wie vor eine Bedrohung für die Filmwirtschaft. Daher werden wir auch weiterhin intensiv gegen Filmdiebstahl vorgehen und Aufklärungsarbeit vor Ort leisten“, begründet Kampagnenchefin Elke Esser die umstrittene Show.

Doch nicht nur mit Bewusstseinsarbeit will sich die Branche schützen: Die Filmverleiher erwägen auch die technische Aufrüstung sämtlicher Vorführkopien mit digitalen Wasserzeichen. „Das würde die beliebige Suche nach Filmdateien im Internet erlauben“, wirbt Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des Verbands der Filmverleiher (VdF). Schon heute bringt die Branche analoge Wasserzeichen in einigen Filmen an, mit denen jedoch nur einzelne Stellen kodiert werden. Mit der Umstellung auf digitale Markierungen könnten diese einfacher über das gesamte Bandmaterial lückenlos verteilt werden. Dies würde sicherstellen, dass im Kino abgefilmte Kopien die digitalen Erkennungsmale enthalten. Damit könnten sie gezielt aufgespürt und aus dem Online-Verkehr gezogen werden.

Für den Einsatz der Wasserzeichen, die in Form nicht-hörbarer digitaler Zusatzinformationen in die Tonspuren zur eindeutigen Identifizierung der Werke eingeführt werden sollen, sprechen laut Klingsporn die Ergebnisse einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Publikations- und Informationssysteme (IPSI). Die Forscher testeten, ob die Kennungen Aufnahmen von Filmen mit den unterschiedlichsten Geräten und von zahlreichen Winkeln aus „überleben“. Sie prüften zudem, inwieweit sich diverse Komprimierungstechniken für das Videomaterial auf die Beständigkeit der Zeichen auswirken. „Die Technologie funktioniert einwandfrei und ist robust“, freut sich Klingsporn über das Ergebnis. „Sie kann alle Transformationen überstehen.“ Er spricht sich dafür aus, Wasserzeichen nun „auf breiter Front einzusetzen.“ Diese mache aber nur auf internationaler Ebene Sinn.

Zu den Kosten schweigt sich die Filmindustrie noch aus. „Das hängt davon ab, wie viele mitmachen“, so Klingsporn. Es würde schon „einiges zusammenkommen“, da man auch die technologischen Infrastrukturen für das Aufbringen, Auslesen und Suchen der Wasserzeichen brauche. Aber der Kampf gegen Raubkopierer sei „kein Sprint, sondern Marathonlauf.“ Darin beflügelt wird die Branche von einer weiteren Studie, der zufolge zwei Drittel aller Kinofilme zeitnah zum Verleihstart in Tauschbörsen wandern. Für die Analyse hat die Partners 4 Management GmbH gemeinsam mit der RWTH Aachen die hierzulande im Zeitraum zwischen November 2004 und März 2005 angelaufenen 165 Titel untersucht. 65 % davon fanden sie unautorisiert in Peer-2-Peer-Netzen wieder, und zwar ein Drittel vor Kinostart, ein Drittel am darauf folgenden Wochenende sowie ein Drittel spätestens zwei Wochen danach. Ähnliches beklagt der Bundesverband Audiovisuelle Medien. Hohe Sicherheitsvorkehrungen wie Detektorenkontrollen bei Premieren und Previews können das Entfleuchen der Filme nur um wenige Tage verzögern.

Vom Material her interessieren sich die Filesharer für viele Genres. „Da ist das volle Spektrum drin“, weiß Nikolai Dördrechter von der RWTH. „Es sind sehr aufwändige Produktionen dabei, aber auch Geheimtipps mit nur zehn Startkopien.“ Habe ein Film eine „gewisse Erfolgsschwelle“ überschritten, werde er „auf jeden Fall online zur Verfügung stehen“. Nicht nur Hollywoodstreifen seien betroffen. Herausgestellt habe sich zudem, dass der deutsche Ton überwiegend im Kino aufgenommen wurde. Die genauen Quellen der Urheberrechtsverletzungen könnten daher ebenfalls mit digitalen Wasserzeichen aufgespürt werden. Generell glaubt IPSI-Forscher Martin Steinebach an den Durchbruch der Schutztechnik: „Wasserzeichen werden verstärkt als Alternative zum Digital Rights Management gesehen“. Denn während bei letzterem häufig „der legale Käufer den Ärger habe“ und der Raubkopierer „komfortabler“ mit den geknackten Dateien umgehen könne, „merke“ der Kunde von der Datenmarkierung nichts. Gleichzeitig sei ihm aber bewusst, dass von ihm begangene Urheberrechtsverletzungen damit leichter auf die Spur zu kommen sei.

STEFAN KREMPL

Von Stefan Krempl

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