Medien 08.04.2005, 18:38 Uhr

Fernsehstudios werden digital

Früher hieß es „Video kills the Radiostar“ – nun ist es die IT, die die klassische Videotechnik nach und nach verdrängt. TV-Sender stellen auf bandlose Produktion um und versenden ihre Inhalte zunehmend digital.

Die Umstellung der Fernsehstudios von analoger auf digitale Technik beschäftigt die Sendeanstalten und die zuliefernde Industrie schon seit mehr als zwanzig Jahren. Zunächst kamen digitale Aufzeichnungsgeräte hinzu, kurz MAZen genannt, dann digitale Produktionswerkzeuge wie Videoeffekt- (DVE) oder nicht-lineare Schnittsysteme (NLE) und schließlich die Kameras. Die lösten nicht nur ihre analogen Vorgänger ab, sondern veränderten zunehmend die Workflows in den Studios. Heute ist die bandlose Produktion das Ziel aller Rundfunkhäuser, vor allem im Nachrichtenbereich.

Die „Revolution“ bei den Broadcastern begann mit dem Einzug der IT-Technik in die Fernsehproduktion. Als das Abspielen der Bänder in Echtzeit dem hohen Tempo bei Bearbeitung und Überspielung nicht gerecht wurde, erfolgte der inselweise Umstieg auf filebasierte Techniken. Während der Einspielung des Materials in den Server wird meist eine MPEG-1-Kopie in geringer Auflösung erzeugt. Auf diese Kopie können die Journalisten zugreifen und schneiden. Ausgespielt werden die Beiträge natürlich in voller Qualität.

Voraussetzung für die filebasierte News-Produktion sind entsprechende Redaktionssysteme. Beim Hessischen Rundfunk (HR) fiel die Entscheidung für das von Associated Press für Radio- und Fernsehstationen entwickelte Newssystem ENPS (Electronic News Production System). Das wurde seit 1996 bereits über 500 Mal in 48 Länder verkauft. Neben Digital-Betacam- und DVCam-Kassetten können auch DVCpro- und IMX-Daten eingespielt werden. Als zentrales Speichersystem entschied sich der HR für ein AVID Unity mit einer Gesamtkapazität von 10,5 Tera-Byte. Noch aber kommt die Akquise nicht ohne Kassetten aus. „Wir bereiten uns auf die Anschaffung der P2-Kameras von Panasonic vor. Selbst unsere Videojournalisten werden später mit ähnlichen Modellen ausgestattet“, sagt Wolfgang Richter, Abteilungsleiter FS-Bild beim HR. „Perspektivisch soll unser gesamter Fernsehbetrieb bandlos werden – und da nehmen wir das Archiv nicht aus.“ Andere Rundfunkhäuser arbeiten an ähnlichen Szenarien, teils werden die neuen Kameratechniken bereits eingesetzt, freilich nur für Standardauflösung. Für HDTV finden bislang bestenfalls Fingerübungen statt. Der WDR kaufte im vergangenen Jahr zwei HDCams HDW-750 von Sony. Doch die waren gewissermaßen nur Zugabe zu der Großinvestition in neue Standard-Definition-Technik.

So orderte der Kölner Sender bei Sony 127 XDCam-Camcorder, 193 Recorder und 167 Viewer, bei denen optische Platten mit der Blue-ray-Technik als Speichermedium eingesetzt werden. Die für HDTV genutzten Blue-ray-DVDs sind zwar ähnlich, aber nicht kompatibel. Die derzeitige Version der „Professional Disc“ fasst 23 GByte, eine 50-GByte-Dual-Layer-Disc ist angekündigt. Über 1000 Mal sollen sich die Platten bespielen lassen, und selbst Frosttemperaturen schaden nicht. Panasonic hat die Mechanik aus seinen Profi-Camcordern verbannt und setzt ganz auf den Festkörperspeicher P2, was für Professional Plug-In Card steht. Vier 1-GByte-Karten sind zur so genannten P2-Karte mit den Abmessungen einer handelsüblichen PC-Karte vereint. Da lassen sich immerhin 18 Minuten fernsehtaugliches DVCpro unterbringen. Erwartet werden 128 GByte-Karten – ausreichend für 144 Minuten HD-Produktion mit 100 Mbit/s.

Beim ZDF kommen inzwischen alle „Heute“-Sendungen vom Server. Über 70 000 Sendeminuten entstehen bei den Mainzelmännern jedes Jahr in einem integrierten Produktionssystem für Redaktion, Produktion und Technik. Alle Schnitteinheiten können auf rund 240 h Bildmaterial aus aller Welt zugreifen und auf sechs Aufzeichnungsservern bereitstellen. Über 700 Arbeitsplätze in Redaktion, Technik und Produktion sind an das System angeschlossen. Mit einem P2-Camcorder werden erste Erfahrungen gesammelt. Für Klaus-Peter Siegloch, Leiter der Hauptredaktion Aktuelles beim ZDF „sind die ZDF-Nachrichten jetzt auch technisch die Nummer eins bei Schnelligkeit und Reaktionsfähigkeit.“

AZ Media hat 2004 das RTL-Sendezentrum in Hamburg entworfen und aufgebaut. Dies läuft ebenfalls bandlos und ist auf die Einbindung von Videojournalisten vorbereitet.

T-Systems realisiert derzeit für den Bayerischen Rundfunk in Freimann ein komplett digitales Sendezentrum mit einem Ingest (Einspiel)-Bereich für die aktuelle Produktion, einem Avid-Unity-System mit elf Avid-Adrenalin-Schnittsystemen. Dazu gehören ein großes, zentral aufgebautes Harddisk-Speichersystem mit Videoservern, ein digitales Archiv mit einem leistungsfähigen Content-Managementsystem und zwei Datenband-Robotik-Systemen. Das Projekt soll nach Verzögerungen bis Mitte 2005 ganz an den BR übergeben werden.

Die ARD kann für die angeschlossenen Funkhäuser ein hybrides Breitbandnetz, Hybnet genannt, nutzen. Das als Acht ausgelegte Doppel-Ringnetz wurde in Zusammenarbeit der ARD-Anstalten, dem DeutschlandRadio und dem Institut für Rundfunktechnik entwickelt, von T-Systems errichtet und nun auch betrieben. Die Gesamtdatenrate beträgt 2,5 Gbit/s – der Programmaustausch ist damit sogar schneller als Echtzeit. R. BÜCKEN

Nach dem „DJ“ nun der „VJ“

Der Hessische Rundfunk verbindet die Digitalisierung mit einem neuen Berufsbild, dem Videojournalisten. Damit wird das „Team“, bestehend aus Redakteur, Kameramann und Assistenten aufgelöst, übrig bleibt eine „One-Man-Show“. Mehr als 60 Videojournalisten, kurz VJ genannt, wurden im vergangenen Jahr ausgebildet und ziehen nun mit DV-Kamera von Panasonic, drahtlosem Mikrofon, Licht sowie Dell-Laptop mit integriertem Avid-Xpress-Schnittsystem durch die Lande – und nehmen längst nicht nur Aktuelles auf.Vor allem kleine Geschichten sind es, die ein Einzelner oft eher und intensiver erarbeitet als ein komplettes Team. Oft ist für einen VJ der Zugang zu den Beteiligten leichter. „Die Videojournalisten stehen für moderne und kostengünstige Filme, die die Zuschauer näher an Personen und ihre Geschichten heranbringen“, so HR-Intendant Dr. Helmut Reitze. „Wir streben einen gemischten Betrieb aus klassischen TV-Teams und Videojournalisten an“, erklärt Jan Metzger, Leiter des Hessen-Fernsehens und verantwortlich für das Projekt. Künftig sollen Aufnahmen auch via UMTS ins Studio geschickt werden. Schon vor zehn Jahren hat der US-Nachrichtensender CNN sein VJ-Projekt im Rahmen einer internationalen „News“-‧Konferenz in Berlin vorgestellt. Damals wurden die etwas holprig wirkenden ersten Beiträge noch belächelt. Bei der BBC sollen inzwischen über 700 VJs tätig sein.büc

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