Medien 11.11.2005, 18:41 Uhr

Fernsehsender wandeln auf neuen Verbreitungspfaden  

VDI nachrichten, München, 11. 11. 05 – Das Fernsehen geht neue Wege. Wie sich auf den Medientagen München, mit 7000 Besuchern der größte europäische Kongress seiner Art, zeigte, mischen Internet und mobile Verbreitung die Branche kräftig auf. Neue Zielgruppen und Erlöse könnten erreicht werden, doch auch der Missbrauch der neuen Technologien droht.

Die Digitalisierung im Fernsehmarkt kommt, darüber waren sich die Vertreter der deutschen Medienbranche auch bei den diesjährigen Medientagen in München Ende Oktober einig. Doch schoben sie sich einmal mehr den „schwarzen Peter“ zu. Denn noch immer, so kritisierten die privaten Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1, könnten die Betreiber der großen TV-Kabelnetze keine realistischen Erlösszenarien bieten.

„Wir sind für die Digitalisierung“, erklärten RTL-Chefin Anke Schäferkordt und ProSieben-Vorstand Guillaume de Posch. Ein Entgegenkommen der Kabelseite gebe es jedoch nicht. Die Kabelbetreiber wiederum mokierten, dass die Sender nicht bereit sind, sich ebenso, wie sie es via Satellit tun, an den Verbreitungskosten zu beteiligen. Dabei verwiesen die Betreiber auf zahlreiche Spartenkanäle, die die Chance der digitalen Verbreitung längst mit Ish, Telecolumbus oder der Kabel Deutschland (KDG) nutzen.

„Wir brauchen endlich einen Umschalttermin von der Politik“, forderte Dr. Heinz Riesenhuber, der als Aufsichtsratschef den größten deutschen Kabelbetreiber KDG vertrat. Nur so könne der Schritt von analog zu digital, der via Satellit bereits vollzogen wird, auch im Kabel schneller gelingen.

Darauf können und wollen nicht alle warten. Beim Megakongress mit 7000 Teilnehmern zeigte sich, dass die Branche neue Geschäftsfelder sucht. Zwar ist das Fernsehen mit 11,3 Mrd. € Umsatz im Jahr 2004 noch immer das größte Unterhaltungs- und Mediensegment in Deutschland, wie die neuesten Zahlen von PricewaterhouseCoopers LLP im „German Entertainment and Media Outlook: 2005 – 2008“ belegen. Doch von den Werbeeinbrüchen in den vergangenen Jahren erholen sich die TV-Macher nur langsam. Immer mehr Sender wollen deshalb künftig Bezahl-Angebote schnüren.

Dafür streben sie auch nach neuen technischen Ufern. Beispiel mobiles Fernsehen: Via UMTS oder DVB-H versprechen sich viele Sender neue Erlöse. Ohne Investitionen geht es dabei nicht. „Für unsere mobile Version von RTL-Aktuell wird ein Extra-Clip gedreht“, erklärt Wolfgang Kasper, Director Mobile Business von RTL Interactive. Wegen der geringeren Bandbreite und des kleineren Displays werden etwa heftige Kameraschwenks vermieden, und auch der Moderator müsse sein Sprechtempo verringern.

Mehr noch als RTL setzt ProSiebenSat.1 auf die mobilen Möglichkeiten. Zu den Medientagen startete die Gruppe z. B. einen neuen Handyservice zum Quoten-Erfolg „Verliebt in Berlin“. Das Risiko tragen dabei zunächst die Mobilfunkbetreiber, die die Inhalte der Sender einkaufen. Tenor der Panels, die sich mit dem Thema beschäftigten: Es klappt nur, wenn alle Seiten an einem Strang ziehen.

Ähnliches gilt für IPTV (Internet Protocol TV): Über das internetbasierte Fernsehen, das nicht wie Streaming auf den PC, sondern via DSL-Box auf den Fernseher des Kunden gelangt, will etwa ProSiebenSat.1 mittelfristig punkten. „Wir befinden uns zwar noch in der Lernphase“, erklärte Dr. Marcus Englert, Director Diversifikation, „es handelt sich hier aber um ein tragfähiges Geschäftsmodell.“

Telekommunikationsunternehmen und Softwareanbieter wittern Morgenluft. Ein Kampfangebot, das auch Konkurrent Microsoft anstacheln dürfte, macht T-Online jetzt seinen DSL-Kunden. Für 49,90 € ist die IP-Box S100 erhältlich, über die „T-Vision“ ins Wohnzimmer kommt. Während RTL und ProSiebenSat.1 bereits mit Programmteilen mit von der Partie sind, plant der Bezahlsender Premiere für das kommende Jahr seine Verbreitung via IPTV, das ZDF bereitet sich mit der „Mediathek“ ebenfalls vor.

Wo das Internet ist, sind Tauschbörsen nicht weit, das Thema Peer-to-Peer ist nun auch für den Fernsehmarkt aktuell. Die Software „Cybersky TV“ und das Angebot „Cybertelly“, mit denen TV-Sendungen problemlos live im Internet verteilt werden können, ließen kürzlich den Abosender Premiere aufschrecken. Die Münchner erstritten gegen das Unternehmen TC Unterhaltungselektronik („Fernsehfee“) eine einstweilige Verfügung, da sie befürchteten, ihre kostenpflichtigen Programme würden frei im Netz auftauchen. Zwar hatten sie Erfolg, doch TCU will mit Ausklammerung von Premiere weiter agieren. Ein Branchenkenner warnt: „Das drängendste Thema für Broadcaster ist nun der Schutz des eigenen Signals.“ SIMONE FASSE

Von Simone Fasse

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