Medien 24.08.2007, 19:29 Uhr

Fernsehpionier Walter Bruch bringt PAL zum Durchbruch  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 24. 8. 07, jdb – Vor 40 Jahren wurde hierzulande während der Internationalen Funkausstellung (IFA) offiziell die Ära des Farbfernsehens eingeläutet. Damit gab hier auch der Farbfernsehstandard PAL (Phase Alternating Line) sein Debüt, den der deutsche Elektroingenieur Walter Bruch entwickelt hat. Heute ist PAL in rund 70 Ländern der Welt Grundlage des analogen Farbfernsehens.

Am 25. August 1967 um 10.57 Uhr war es soweit: Willy Brandt drückte auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) auf einen roten Attrappenknopf. Noch bevor der damalige Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland die symbolische Handlung vollendet hatte, erstrahlte bereits das Fernsehprogramm in Farbe. Die Techniker hatten das Farbsignal einfach zu früh auf Sendung geschickt.

Dies war der offizielle Startschuss für das Farbfernsehen in Deutschland, das als erstes europäisches Land die technische Innovation namens PAL (Phase Alternating Line) einführte. Das Kürzel PAL steht für Phasenänderung pro Zeile. Reichlich spät kamen die Deutschen in den Genuss der bunten Bilder, denn die US-Amerikaner konnten bereits seit 1954 und die Japaner um 1960 ihr Programm in Farbe empfangen. Doch das Warten hatte sich vor allem wegen der automatischen Farbkorrektur, die PAL ermöglichte, gelohnt.

Damals konkurrierten die drei Fernsehstandards NTSC (National Television System Committee), SECAM (Séquentiel couleur avec mémoire) und schließlich PAL (Phase Alternating Line) um die Gunst der internationalen Entscheidungsgremien. Während die USA, Kanada und Japan sich für NTSC entschieden haben, führten Frankreich, Russland und viele damalige osteuropäische Staaten SECAM ein.

PAL wurde seit 1955 unter der Leitung von Walter Bruch bei der deutschen Telefunken entwickelt. Unter seiner Regie forschte die Entwicklungsabteilung an der Verbesserung des amerikanischen Systems NTSC und untersuchte ebenfalls das französische SECAM-Verfahren. 1962 wurde das PAL-System zum Patent angemeldet.

Der Titel der Patentschrift „Farbfernsehempfänger für ein farbgetreues NTSC-System“ weist bereits darauf hin, worin Bruchs technische Innovation bestand. Das PAL-System stellt das Bild in zwei Durchgängen, im so genannten Halbbildverfahren dar. Die Phase des Farbträgers eines Farbdifferenzsignals wird von Zeile zu Zeile um 180 Grad umgeschaltet. Durch diese Phasenänderung kommt es bei PAL zu einer automatischen Korrektur von Farbfehlern in der Darstellung, die infolge von Störungen auf dem Übertragungsweg entstehen konnten.

Dies war bei den NTSC-Empfängern in den USA damals nicht üblich. Mehrmals pro Sendung musste dort in den Anfangsjahren der Farbton per Hand eingestellt werden, was dem Verfahren die spöttische Bezeichnung „Never The Same Color“ einbrachte. Gegenüber SECAM hatte PAL zudem den Vorteil, dass es mit den damals 14 Mio. vorhandenen Schwarz-Weiß-Geräten in der Republik kompatibel war.

Walter Bruch hatte damals bereits eine lange „Fernsehkarriere“ hinter sich. Bruch, der am 2. März 1908 in Neustadt an der Weinstraße geboren wurde, studierte 1928 Elektrotechnik am Technikum Mittweida in Sachsen, der heutigen Hochschule Mittweida (FH) University of Applied Sciences. Nach Studienabschluss arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Berlin bei den Forschern Manfred von Ardenne und Denés Mihály. 1935 beginnt er als Ingenieur bei Telefunken in Berlin.

Für die Olympischen Spiele 1936 entwickelt er die „Olympiakanone“, eine fahrbare Ikonoskop-Kamera, mit der er selbst als Kameramann die ersten Live-Übertragungen „fuhr“. 1937 erhielt er den Auftrag, das erste vollelektronische Fernsehstudio in Deutschland einzurichten. Während des zweiten Weltkrieges arbeitete Bruch in Peenemünde und entwickelte eine Kabelfernsehanlage, mit der V2- Raketenversuche überwacht wurden.

Nach Kriegsende war Bruch arbeitslos, beginnt aber 1950 wiederum bei Telefunken in Hannover, wo er das Farbfernsehsystem PAL entwickelt hat. Heute gilt es noch immer als die beste Norm für analoges Farbfernsehen und ist in rund 70 Ländern der Welt der Farbfernsehstandard. 1990 stirbt Bruch 82-jährig in Hannover.

Nach dem symbolischen Knopfdruck Willy Brandts ließ allerdings der Massenmarkt rund um die bunte Scheibe auf sich warten. Nach Angaben der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik e.V. (gfu) gab es 1967 rund 28 Farbfernseh-Gerätetypen von 15 Firmen im Markt. Darüber hinaus stellten auf der IFA im gleichen Jahr 18 Unternehmen rund 50 Farbfernseher vor, die meisten waren mit einer 63-cm-Farbbildröhre ausgestattet und kosteten um die 2400 DM (1227,10 €) – für damalige Verhältnisse sehr viel. Im europäischen Vergleich war dies jedoch günstig. So musste man in Frankreich immerhin 4500 DM (2300,81 €) und in England zwischen 2850 DM (1457,18 €) und 4250 DM (2172,99 €) für einen Farb-TV bezahlen.

Noch am Abend des 25. Augusts 1967 wurde die erste farbige Fernsehshow, „Der goldene Schuss“, im ZDF ausgestrahlt: Einen Tag später folgte die ARD mit dem „Galaabend der Schallplatte“ in Farbe. Dies blieben Ausnahmen, denn lange waren die Produktionskosten für Sendungen in Farbe höher, so dass die Tagesschau in der ARD noch bis Ende der 60er Jahre in Schwarz-Weiß ausgestrahlt wurde und Übertragungen aus dem Plenarsaal des Bundestages in Bonn noch bis Ende der 70er Jahre. NIKOLA WOHLLAIB

www.gfu.de

Von Nikola Wohllaib

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