Medien 18.04.2008, 19:34 Uhr

Fernsehen zwischen Müll und Qualität  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 4. 08, jdb – Eine Ware wie jede andere? Bei den Mainzer Tagen der Fernsehkritik ging es um Fernsehen zwischen Cash Cow und Public Value. Finanzinvestoren statt Verlegern agieren im Hintergrund der Privatsender. Dies setzt auch die Öffentlich-Rechtlichen zunehmend unter Druck.

Fernsehen und Rundfunk werden immer mehr von der Macht des Geldes gesteuert. 500 Sender sind laut dem neuesten Panel des Marktforschungsinstitutes GfK derzeit am Markt. Manche sehen den Wandel als Chance, manche aber fürchten um ein altes Kulturgut.

„Der Wert der Ware Fernsehen sinkt, weil das Angebot immer größer wird, immer bunter, verlockender und in der Formatierung billiger“, kritisierte ZDF-Intendant Markus Schächter jüngst bei den diesjährigen Mainzer Tagen der Fernsehkritik. Im Dschungel der neuen Medienlandschaft versuchen die öffentlich-rechtlichen Sender die Fahne der Qualität hochzuhalten und ihre Meinungsführerschaft in den Kerngenres Aktualität, Hintergrundinformation und Fernsehfilm gegen die private Konkurrenz zu verteidigen.

„Qualität“, ist Schächter überzeugt, „sorgt durchaus für Reichweite.“ Es gelte, so der ZDF-Chef „Hochwertiges von Ramsch zu unterscheiden“, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk vom Privaten, das deutsche Fernsehen vom amerikanischen. Am Ende – wenn der Werteverfall im Fernsehen endlich überwunden ist – hofft Schächter auf eine Trendwende. Statt für Müll werde sich der Zuschauer für Qualität entscheiden.

Doch in der deutschen Fernsehlandschaft geht es mittlerweile um mehr als um Grabenkämpfe zwischen Privaten und Öffentlich-Rechtlichen. „Das Internet zwingt das Fernsehen, sich einer neuen Gesellschaft anzupassen“, glaubt Christiane zu Salm, Vorstandsmitglied von Hubert Burda Media. Zu Salm spricht von einer neuen sozialen Nutzungsordnung, weg vom linearen Fernsehkonsum hin zu mehr Interaktivität. Zielgruppen müssten auf ganz neuen Wegen erreicht werden – für die Expertin bietet dies neue, attraktive Gestaltungsmöglichkeiten.

Rundfunk sei keine Ware wie T-Shirts oder Jeans, betont der Vorsitzende der SPD-Medienkommission Marc Jan Eumann jedoch. Er plädiert auf der einen Seite für eine Balance zwischen Wirtschafts- und Kulturgut und will andererseits die kommerziellen Sender nicht aus ihrer publizistischen Verantwortung entlassen, „weil sie von dieser Gesellschaft auch etwas bekommen“.

Die Inhalte des Pay-TV jedoch sollen nicht Schöngeister zufriedenstellen, sondern müssen Rendite bringen. „Für uns sind Produktionen Ware und Wert zugleich“, sagt Annette Kümmel, Direktorin für Medienpolitik bei ProSiebenSat.1. Dennoch will die Sendergruppe jetzt verstärkt in den Nachrichtenmarkt investieren. „Wir wollen am Meinungsbildungsprozess der Nation teilnehmen“, betont Kümmel. Der Sendeplatz um 20.00 Uhr steht in direkter Konkurrenz zur ARD-Tagesschau. Quote erhofft sich der Sender deswegen vor allem von den jungen Zuschauern.

ProSiebenSat1 ist ein gutes Beispiel für ein Medienunternehmen, das seit Jahren von einem Multi zum anderen weitergereicht wird. Zu schwach sei die deutsche Verlagslandschaft, um mit Großmogulen wie Rupert Murdoch oder Haim Saban mithalten zu können, so der Direktor der Landesanstalt für Medien in Nord-Rhein-Westfalen, Norbert Schneider. Nach dem Scheitern der Kirch-Gruppe hatte im Jahr 2003 der ägyptische Unternehmer Saban die Sendergruppe für einen Schnäppchenpreis von 500 Mio. € übernommen.

Zwei Jahre später scheiterte der Axel Springer Verlag mit seinen Übernahmeplänen am Bundeskartellamt. In den Startlöchern stand auch der italienische Medienunternehmer Silvio Berlusconi. Am Ende gingen die Kapitalanteile von Sabans German Media Partners für rund 3 Mrd. € an die Private-Equity-Unternehmen Permira und Kohlberg Kravis Roberts & Co.

„Den Finanzinvestoren geht es ums Geld und nur ums Geld“, stellt der Münchner Wirtschaftswissenschaftler Christoph Kaserer fest. Ihr Anlagehorizont liege bei drei bis fünf Jahren, sagt der Experte. Danach stehe eine möglichst gewinnträchtige Entsorgung an. Dass private Medien zum Spielball der Investoren am Kapitalmarkt geworden sind, die in der Kritik stehen, mehr am Profit als an Inhalten Interesse zu haben, bedeutet für Burda-Managerin zu Salm nicht den Untergang des Abendlandes. Sie spricht sich für eine neue Managementkultur aus, um auch Medien als Unternehmen wettbewerbsfähiger machen und „gesund“ aufstellen zu können.

Für Medienwächter Schneider sind ökonomische Interessen kein Problem, solange sie die Programmqualität nicht beeinflussen. „Nachdem gezählt und gezahlt ist, wollen wir auch wissen, was es wert ist“, verlangt der Publizist. Doch nicht nur das Pay-TV, sondern auch das Free-TV steckt mitten drin im Gerangel um den Profit. Beispiel: Die Fußballbundesliga – laut ARD-Programmdirektor Günter Struve eine „bestands- und krisensichere Ware“. Um die Ausstrahlungsrechte wird im Moment wieder gefeilscht wie auf einem orientalischen Basar.

Beteiligt am großen Poker sind nicht nur die Deutsche Fußball Liga (DFL), ZDF, ARD und die Premiere AG, sondern auch die Sirius SportMedia GmbH. Die zur Kirch-Gruppe gehörende Firma soll die Bundesligarechte ab der Saison 2009/2010 für die DFL vermarkten. „Die Ausschreibung richtet sich nach dem neuen Markt“, sagt der Sprecher von Sirius SportMedia, Dejan Jocic. Für beide – Free-TV und Pay-TV – dürfte die Kooperation mit Kirch das Geschäft deutlich teurer machen. Deswegen wird schon jetzt erbittert um das Preis-Leistungs-Verhältnis gestritten.

Die Premiere AG, die derzeit an den rund 420 Mio. €, die die DFL pro Spielzeit erhält, zu zwei Dritteln beteiligt ist, werde nur mehr zahlen, wenn „mehr Exklusivität am Samstag“ drin sei, kündigt Premiere-Vorstandschef Michael Börnicke an. Soll heißen: Der zeitliche Abstand zwischen den Live-Berichten im Pay-TV und den Zusammenfassungen im Free-TV muss größer werden.

Während Börnicke glaubt, das Schicksal seines Senders hänge nicht an der Bundesliga, kämpft die ARD um die Ausstrahlungsrechte zum Beginn der Sportschau um 18.30 Uhr und damit um einen Massenmarkt. Nach 20.00 Uhr, sagt Günter Struve, gebe er keinen Pfennig mehr für die Bundesliga aus. Jede Einschränkung, auch wenn es nur um einen ideellen Wert gehe, schwäche den „Warenkorb“, bedient sich auch der ARD-Programmdirektor der Sprache der Ökonomen. „Um jeden Preis wird es die Sportschau nicht geben.“ JUTTA WITTE

Auch Privatsender setzen verstärkt auf Nachrichten zur besten Sendezeit

Von Jutta Witte

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