DABplus 30.09.2011, 12:06 Uhr

Fehlstart beim Digitalradio

Der Start des neuen Digitalradios DABplus hätte unglücklicher kaum sein können. Analoge TV-Kabelkunden kämpfen in einigen Großstädten mit Rauschen bei ARD und ZDF. Vor allem jedoch trifft es das analoge Funknetz von Polizei, Feuerwehr & Co. Das scheinen die Frequenzplaner in der Bundesnetzagentur bei ihrer Kanalzuteilung schlicht vergessen zu haben.

Bis zum vergangenen Montag stand es noch Spitz auf Knopf: Das zum 1. August gestartete Digitalradio DABplus hätte für den bundesdeutschen Nationalfeiertag am 3. Oktober beinahe ein zweites Mal wegen Sicherheitsbedenken der Polizei abgeschaltet werden müssen, dieses Mal in Bonn.

Vorausgegangen war die Abschaltung des DAB-Senders Dortmund vom 31. August bis 3. September zum sogenannten „Nationalen Antikriegstag“ und zur entsprechenden Gegendemonstrationen. Erst eine Einigung von Bundesnetzagentur, Media Broadcast, Deutschlandradio und Digitalradio Deutschland mit der niederländischen Regulierungsbehörde Agentshap Telecom sowie dem Netzbetreiber Broadcast Partners und dem Anbieter Mobiele TV Nederland (MTVNL) brachte in letzter Minute Gewissheit: Nach einem Frequenztausch darf DABplus in Bonn ohne Unterbrechung auf Sendung bleiben.

Chris Weck, Chef der Abteilung Rundfunk- und Informationstechnik beim Deutschlandradio, ist ein Stein vom Herzen gefallen. „Wir sind unserem Ziel, eine einzige Frequenz für eine bundesweite Ausstrahlung von DABplus nutzen zu können, ein deutliches Stück näher gekommen.“ Möglich machten das recht konstruktive Verhandlungen aller betroffenen Parteien – und der zurückgegebene Kanal 12D, der in Deutschland nicht mehr für DAB (alt) genutzt wird.

Digitalradio-Panne mit Folgen

Nötig waren diese, weil der Bundesnetzagentur eine folgenschwere Panne unterlaufen ist. Sie hatte dem Netzbetreiber Media Broadcast für DABplus eine zweite Frequenz zugewiesen, die mindestens einen Kanal des alten analogen Funksystems der Polizei stören kann.

Dabei wollte Weck für die bundesweit ausgestrahlten Programme Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen flächendeckend den Kanal 5C, doch diese Frequenz war durch die Funkverwaltungskonferenz RRC-06 u. a. auch an die Niederlande, Frankreich, die Schweiz und Österreich für DAB und DVB-T vergeben. Und – im gebührlichen Abstand – auch für Deutschland. So waren bis Anfang der Woche von den 27 DAB-Sendern 16 auf Kanal 5C eingestellt, und nur elf auf 5A.

Letzteren Kanal hatte die Bundesnetzagentur dem Netzbetreiber Media Broadcast zugewiesen. Doch dort sorgt DABplus für reichlich Ärger, stört eben die analogen Funkgeräte von Polizei, Feuerwehr & Co. und macht sich durch heftiges Rauschen bemerkbar.

„Im Alltag schalten wir dann auf einen anderen Kanal, doch bei einem Großereignis können die alle belegt sein“, so ein Sprecher des Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste in NRW. Und weiter: „Wir sind übrigens von der Inbetriebnahme des Kanals überrascht worden. Die Bundesnetzagentur hat vorher nicht mit uns über mögliche Probleme gesprochen.“

Media Broadcast und Digitalradio Deutschland stellen Regressforderungen

Dazu ein Sprecher der Netzagentur: „Die Probleme waren im Vorhinein so nicht absehbar. Als sie uns dann gemeldet wurden, haben wir unmittelbar reagiert.“ Und weiter: „Es wird natürlich untersucht, ob es gegebenenfalls Versäumnisse gegeben hat.“ Allerdings dürften die für den Steuerzahler teuer werden – Media Broadcast und Digitalradio Deutschland haben bereits Regressforderungen angekündigt. „Problematischer ist aber der Imageschaden, den DAB jetzt wieder erlitten hat“, erklärt Thomas Wächter von Media Broadcast.

Dabei wollte MTVNL in den Niederlanden schon zum 1. Oktober ihren Kanal 5C für mobile Broadcastdienste nutzen, doch wegen eines Feuers in einem der Sender musste dieser Termin um einige Wochen verschoben werden. Das beflügelte die öffentlich-rechtlichen und privaten Verfechter eines bundesdeutschen Gleichwellennetzes. Sie konnten so die Scharte auswetzen und nochmal in den Frequenzhandel einsteigen.

In zahlreichen Gesprächen ist es nun den Beteiligten gelungen, sich mit dem niederländischen Netzbetreiber Agentshap Telecom in Groningen auf einen Kanaltausch zu verständigen – 5C in den Niederlanden gegen 12D in NRW.

Seit Montag wurden in Nordrhein-Westfalen die fünf den Polizeifunk störenden 5A-Sender auf 5C umgestellt – eine wohl in die 100 000 € gehende Investition. Betroffen sind die Sender in Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Langenberg und Köln.

Aber es bleiben noch Baustellen, so in Baden-Württemberg und in einem Teil Hessens. „Hier werden wir nur umstellen können, wenn wir uns mit der Schweiz, Österreich und Frankreich entsprechend geeinigt haben“, sagt Wächter von Media Broadcast. Mit der Schweiz hat es bereits geklappt, „quasi per Handschlag“, so Weck vom Deutschlandradio. Doch er weiß auch, dass Folgeverhandlungen nötig sein werden.

Wenn DABplus erneut floppen würde, dürfte es kaum einen europäischen Digitalradio-Markt geben

Ganz uneigennützig sind die Zugeständnisse der Nachbarländer freilich nicht. Im Tausch gibt es attraktive Frequenzen. Außerdem dürfte es kaum einen europäischen Digitalradio-Markt geben, wenn DABplus in Deutschland erneut floppen würde – wie das ja mit dem Satellitenradio DSR und dem „alten“ DAB passierte. So spricht denn auch Deutschlandradio-Intendant Willi Steul vom „gemeinsamen Interesse, dem Digitalradio zu einem Durchbruch in ganz Europa zu verhelfen“. Die privaten Programmanbieter sind jetzt happy. Ihre neun digitalen Angebote müssen nun nicht mehr damit rechnen, bei Großveranstaltungen abgeschaltet zu werden.

Was nun noch fehlt, ist der weitere Ausbau des Netzes und eine intensivere Marketing-Kampagne der ARD. Doch die Landesrundfunkanstalten wollen wohl erst loslegen, wenn sie selbst alle mit DABplus auf Sendung sind – eine unnötige Verzögerung.

Von Rainer Bücken

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