Medien 22.11.2002, 18:22 Uhr

Erst Animationen machen Geschichte im TV lebendig

Postproduktionstechnik hält nun auch bei historischen Dokumentationen Einzug. Ein ehrgeiziges Projekt ist dabei die Stalingrad-Serie im ZDF, die im kommenden Januar anläuft.

Kuba-Krise, SS-Verbrechen oder die Flucht aus dem Osten: Geschichtsdokumentationen sind in den letzten Jahren zur Massenunterhaltung geworden. „Es gibt unzählige Filme und Mini-Serien, die historische Stoffe thematisieren“, meint Paterson Ferns, Präsident und Geschäftsführer des renommierten Banff-Festivals. In Deutschland hat sich vor allem der Autor Guido Knopp mit seinen ZDF-Dokumentationen über das Dritte Reich einen Namen gemacht. Der Erfolg dieser Formate habe mit dem verbesserten dramaturgischen Gespür der Macher zu tun, aber auch mit den verbesserten technischen Möglichkeiten, wie Computeranimationen, die längst untergegangene Städte und Landschaften wieder lebendig werden lassen, sagt Ferns.
Als zum Beispiel „Sturm über Europa“, eine internationale Koproduktion über die Völkerwanderung, auf europäischen Sendern lief, wurden die Zuschauer Zeugen eines neuen Trickverfahrens: dem „Step Frame Printing“.
„Das Verfahren basiert auf der Grundidee, einzelne Bildelemente aus einer Totalen gleichsam ‚herausschneiden’ zu können, um sie mit weiteren Bildelementen in eine endgültige Einstellung einzupassen“, erklärt Peter Arens vom ZDF. „So verfuhren wir z. B. bei den Westgoten, die 376 auf der Flucht vor den Hunnen in gigantischer Schar die Donau überqueren mussten. Die Requisite hatte drei Flöße gebaut, 20 ‚westgotische’ Komparsen standen zur Verfügung. Die Kamera hatte einen festen Standort, und nun mussten die drei Flöße an verschiedenen Stellen mehrmals den Fluss durchqueren – diese Stellen waren für die Kamera auf dem Kontrollmonitor genau markiert.“
Die gesamten Dreharbeiten dauerten nur 90 Minuten. In der Postproduktion wurden die Flöße der einzelnen Takes „ausgeschnitten“ und in einer endgültigen Einstellung auf das Ursprungsbild des Flusses nebeneinander gelegt. 30 Flöße mit 210 Komparsen passierten nun in einer Einstellung die Donau – real hätten die Arbeiten mit einer entsprechenden Anzahl von Darstellern länger gedauert und wären zudem ungleich teurer geworden. Analog verfuhren das Produktionsteam mit den Vandalen in Nordafrika, den Westgoten in Spanien und den Hunnen in der Nähe von Prag.
Standard sind die neuen Techniken zwar noch nicht, aber Experten erwarten schon in den kommenden Jahren, dass Animationen in deutschen Fernsehfilmen und in History-Formaten zum Alltag gehören werden. Die entsprechende Software könnte aus Israel kommen, die dort für militärische Programme verwendet wird, in denen Kriegsszenarien nachgebildet werden.
Schon jetzt verhelfen die technischen Neuerungen aber besonders in diesem Genre zu guten Quoten. Das dürfte auch der Dreiteiler über Stalingrad belegen, der am 14., 21. und 28. Januar 2003 im ZDF ausgestrahlt wird. „Hier haben wir aufwändige Animationen eingesetzt, die den Frontverlauf darstellen“, so Leopold Hoesch, der mit seiner Firma broadview.tv das von der EU geförderte Projekt für Guido Knopp und das ZDF realisiert. Gedreht wurde mit digitaler „HD“(high definition)- Kamera. Bei diesem Verfahren wird nahezu eine Qualität wie auf 35-mm-Film erreicht. Im Vergleich zu „normalen“ digitalen Aufzeichnungen wie sie bei Dokumentationen üblich sind, bedeutet das allerdings auch eine Preissteigerung zwischen 30 % und 40 %.
Bei der Taurus Media Technik wurden die alten Originalaufnahmen mittels „HD“ abgetastet und von einem 3?:?4- auf ein 16?:?9-Format übertragen. Das aufwändige „Pan and Scan“-Verfahren wählten die Kölner, um das Material auch für eine Kinoversion zu verwenden: „Stille Nacht in Stalingrad“ kommt 2003 in die Kinos.
Die drei Folgen der internationalen Koproduktion „Stalingrad“ – „Der Angriff“, „Der Kessel“, „Der Untergang“ – werden nahezu zeitgleich auch in Holland, Russland und Finnland gezeigt. Mittlerweile gibt es sogar Special Interest Kanäle, die das Genre behandeln. So erreicht der History Channel in den USA – im Paket mit anderen Programmen – bereits ca. 50 Mio. Abonnenten.
„Es ist ungeheuer positiv, wenn Geschichte stärker in die Öffentlichkeit kommt“, sagt der Historiker Jost Dülffer, „Dokumentarfilme im TV sind ein wichtiges Genre, um Kenntnisse über Geschichte zu verbreiten. Akademische Schriften erreichen vielleicht Tausende von Menschen, das Fernsehen dagegen Millionen.“
Große Serien über Weimar, Kaiserzeit oder SS sind auch schon in den 60er Jahren gelaufen, erinnert sich der Professor. Die älteren Beiträge hatten aus seiner Sicht die Anmutung einer verlängerten Wochenschau, teilweise auch einsetzbar für die politische Bildung. Heute seien die Stilmittel ausgefeilter. Allerdings: „Der Kontext der Bilder ist wichtig, deren Kommentierung manchmal unerlässlich.“ Dülffer führt als Beispiel den Hitler-Film von Joachim Fest an, in dem Propagandamaterial ohne kritische Betrachtung verwendet wurde. „Political Correctness“ ist heute wichtige Voraussetzung, aber mit gefälliger Aufbereitung. „Dramaturgisch werden jetzt natürliche Spannungsbögen entsprechend inszeniert“, erklärt Hoesch, „es gibt dramaturgische Elemente, die mit eingefügt werden – schon allein durch die musikalische Vertonung, das hat es in dieser Form früher nicht gegeben.“
Die Erinnerungen von Zeitzeugen sind für die Zuschauer offenbar ein besonders spannendes Element. Hoesch: „Es gibt ein Bedürfnis bei den Zuschauern, viel aus dem richtigen Leben zu erfahren.“ Politische Zusammenhänge müssten aber stets erklärt werden, und nicht nur bei broadview.tv verstärken Wissenschaftler das Produktionsteam.
Im Moment arbeitet das ZDF mit internationalen Partnern wie dem History Channel oder dem englischen Channel 4 an neuen Projekten: Während das SS-Projekt in diesen Wochen bereits auf dem Bildschirm zu sehen ist, kommt bald die 21-teilige Reihe „Der Jahrhundertkrieg“ oder „Metropolis“ – eine Reihe, die das Leben in den antiken Großstädten wie Rom, Alexandria und Athen darstellen soll. W. URBE

Von W. Urbe

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