Medien 24.12.1999, 17:23 Uhr

Elektronisches Publizieren heute ist eine Logistikaufgabe

Das Internet ist das Rückgrat der gesamten Informationsversorgung. Erschließung der Inhalte sowie die Organisation und Verwaltung der Datenflüsse sind die neuen Herausforderungen an die Informationsanbieter.

Der „nächste entscheidende Schritt bei der Bereitstellung von Fachinformation im Internet ist Reference Linking“, erklärt Gertraud Griepke vom Wissenschaftsverlag Springer, Heidelberg. Reference Linking meint die Verknüpfung elektronisch publizierter Fachaufsätze mit Informationsquellen, die im Aufsatz zitiert sind oder die das behandelte Thema durch Illustrationen, Tabellen, Statistiken, Grafiken und Videos ergänzen. Hinter jeder Referenznummer des Artikels liegt eine elektronische Weiche (Link). Sie führt vom Fachartikel zu den Internet-Servern, auf denen die gesuchten Infos liegen.
Wer die Realität des Internets kennt, sieht sich häufig ziellos im Netznirwana herumirren – auf der Suche nach einer toten URL. Um das zu verhindern, arbeiten Verlage und Datenbank-Anbieter (Hosts) intensiv an neuen Dokumentations- und Organisationsstrukturen für das Electronic Publishing im Internet, wie auf der Online Information 99 kürzlich in London deutlich wurde.
Der wichtigste Ansatz dabei ist der so genannte DOI-Server, eine Zwischenstufe, die zwischen Dokument und URL geschaltet wird. DOI steht kurz für „Digital Object Identifier“, ein Identifikationssystem für elektronische Dokumente, das sich am besten mit dem internationalen Buch- und Zeitschriftenregistriersystem ISBN und ISSN vergleichen lässt. DOI wird von einem Verlagskonsortium, der International DOI Foundation (IDF), entwickelt. Ein Diskussionspapier mit den bisher festgelegten Einführungsvorschriften und Standards (z. B. XML DTD Data Rules) und weitere Informationen liegen auf dem Server der DOI-Organisation unter http://www.doi.org.
Josef Mattes von der Entwicklungsabteilung des Fachinformationszentrums (FIZ) Karlsruhe erklärt, wie die weltweite Dokumentenorganisation praktisch und softwaretechnisch funktionieren soll: „Zunächst wird jedes elektronische Dokument einzeln durch eine DOI gekennzeichnet. Jedes Dokument – das heißt, wirklich jede einzelne Dokumentationseinheit, bekommt ihre eigene DOI – der Volltext, das ergänzende Video, das Abstract in der bibliografischen Online-Datenbank und natürlich die im Aufsatz zitierten Fachbeiträge von Kollegen. Über den DOI-Registriercode (Ziffern- und Zeichenfolge) ist das Dokument eindeutig identifizierbar. Man weiß jederzeit, wo es publiziert wurde und wo es aktuell liegt. Weil die DOI eindeutig ist und auf immer und ewig gleich bleibt, sind die dahinter liegenden URLs variabel. Wenn ein Anbieter das Dokument aus seinem Sortiment nimmt, wird einfach ein neuer Link gelegt. Am elektronischen Dokument und den im Fachartikel angegebenen Referenzen ändert sich nichts.“ Die international vergebenen DOIs sollen gemeinsam mit den dazugehörigen URLs und weiteren Metadaten wie zum Beispiel Zugriffsrechten, eventuell auch Preisen und ähnlichen Angaben in einer gemeinsamen Metadaten-Datenbank (DOI-x) registriert werden.
Die Datenbank mit den meisten Dokumentationseinheiten (DE), die über den wissenschaftlich-technischen Host STN International (The Scientific and Technical Information Network) online zugänglich ist, ist Worldcat, ein Bibliothekskatalog mit Standortnachweisen für rund 23 000 Bibliotheken der Welt. Worldcat hat derzeit fast 41 Mio. einzelne DE gespeichert, basierend auf ISBN und ISSN, die jeweils pro Buchauflage oder Zeitschrift nur ein Mal vergeben werden.

XML wird zur Softwarelösung für Inhalts-Management online

Für Mattes und seine Kollegen in der Entwicklungsabteilung des FIZ Karlsruhe, in dem seit 1977 Online-Informations- und Dokumentationssysteme entwickelt werden, ist die Datenbeschreibungssprache XML die am besten geeignete, softwaretechnische Basis für das Inhalts-Management im Internet. XML liefert nach Ansicht der Experten durch seine vielfältigen Erweiterungsmöglichkeiten nicht nur die Voraussetzungen für die Verwaltung von „Multi-DOIs“ für ein Dokument, sondern auch eine sehr gute Basis, weitere Dienstleistungen in die Informationssysteme einzubinden. So könne man dem Kunden zum Beispiel eine sehr detaillierte Abrechnung über den Informationsabruf anbieten. Die Abrechnungssysteme, die gerade den Kinderschuhen entwachsen, registrieren, welche Abteilung des Unternehmens – auf Wunsch sogar, welcher einzelne Benutzer – wann welche Information abgerufen hat und was sie kostet. Dadurch können die Kosten der Informationsbeschaffung direkt den Abteilungen und Benutzern zugeordnet werden. Die Daten werden elektronisch geliefert und lassen sich direkt ins Data Warehouse (Firmendatenbank) einspeisen, von wo aus sie firmeninterne Buchaltungsprogramme, statistische Auswertungssysteme und Managementinformationssysteme füttern. Das bringt eine Transparenz in die Kosten der Informationsbeschaffung, die es bislang nicht gab. Dabei ist es völlig egal, aus welcher Quelle die bezogene Information stammt ob von einem Verlag, einem Datenbankanbieter oder einem Nachrichtendienst.
Theoretisch bietet der sekundenschnelle Direktkontakt über Links quer durch die Welt jedem einzelnen Verlag die Möglichkeit, mit Hilfe der DOIs und leistungsstarker Server ein eigenes Vertriebssystem für elektronisch publizierte Literatur aufzubauen. Die Wissenschaftsverlage arbeiten auch alle an elektronischen Liefersystemen. Der Springer Wissenschaftsverlag (seit Ende 1998 mehrheitlich Bertelsmann) hat zum Beispiel für seinen Service „Link“ seit der Erstvorstellung auf der CeBIT 1998 rund 4000 Universitäten weltweit lizenziert und über 50 Konsortialverträge mit Bibliotheksgremien abgeschlossen. Nichtsdestotrotz kooperiert der Wissenschaftsverlag beim Electronic Publishing wie bisher intensiv mit allen Distributionsdienstleistern auf dem Electronic Publishing Markt (Subscriptionsagenturen, Bibliotheksdiensten, Datenbank-Hosts).
Die Distributionsdienstleister für elektronische Information sehen ihre Zukunft in der verlagsunabhängigen Organisation der Informationsflut und der Bereitstellung intelligenter Software und Services für die Gewinnung, Nutzung und Aufbereitung von Information. Mit Dienstleistungen wie dem erwähnten Abrechnungssystem oder dem Aufbau und der Verwaltung Firmendatenbanken passend zum spezifischen Informationsbedarf eines Unternehmens, wollen sich die Datenbank-Hosts zu logistischen Zentren für die Beschaffung, Aufbereitung, Verteilung und Verwaltung von elektronischer Information entwickeln – zum „One-Stop-Shop“ für das gesamte publizierte Wissen des jeweiligen Fachgebietes. VERA MÜNCH
Goethe geht online und Schiller geht mit: Am Goethe-Schiller-Archiv werden Klassiker für das Internet aufbereitet. Wie in Weimar, so steht im gesamten Literaturbetrieb die Verknüpfung der Medien im Vordergrund.

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