Digitalfotografie 03.12.2010, 19:50 Uhr

Einfach gute Fotos dank komplexer Technik

Die Konstrukteure von Digitalkameras stehen vor der Herausforderung, Fotografen aller Art möglichst unkompliziert und preisgünstig viele Funktionen und gute Bildqualität zu bieten. Was wie die Quadratur des Kreises anmutet, gelingt oft überraschend gut – mit aufwendiger Technik und kleinen Tricks.

Das Digitalkamera-Angebot wird immer vielfältiger – als Ergebnis des sich verschärfenden Konkurrenzkampfes wie des technischen Fortschritts gleichermaßen. Dabei hat sich die heiße Jagd nach immer neuen Megapixel-Rekorden deutlich abgekühlt. „Niemand braucht mehr als 12 Megapixel. Es gibt nichts, was man damit nicht drucken kann“, beschreibt Heino Hilbig, General Manager Strategic Marketing bei Olympus die Lage. Die Hersteller suchen andere Mittel und Wege, die Konsumenten für sich zu gewinnen.

Sinkende Preise und fast narrensicherere Kameras haben das digitale Knipsen zum Massensport gemacht. „Intelligente Automatik verhilft dem Nutzer zu mehr Bildqualität, ohne dass er mehr wissen muss,“ bringt Mike Owen, Marketing-Manager bei Canon Europa, diese Strategie auf den Punkt. Und mit diesem Rezept sollen auch weiterhin Neukäufer gewonnen werden.

Zugleich versuchen die Hersteller, mit immer mehr und spezielleren Funktionen zu punkten. „Die wachsende Zahl der Funktionalitäten animiert die Konsumenten, eine Zweit- und Drittkamera zu kaufen“ weiß Marion Knoche von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus Nürnberg. Ein wichtiger Faktor ist die HD-Videofunktion vieler aktueller Fotokameras, die die Grenzen zwischen Foto und Video verwischen. „Die Videofunktion wird zunehmend wichtig, bedingt durch die Veränderungen der Medienlandschaft“, stellt Nikon-Manager Markus Hillebrand von der Consumer Products Division fest.

Schnelle Sensoren unerlässlich: Eineschnelle Signalauslesung ist eine notwendige – aber allein noch nicht hinreichende – Voraussetzung für viele Entwicklungen im Kameramarkt. Um die Geschwindigkeit der Sensoren auszunutzen, bedarf es entsprechend leistungsfähiger Bildprozessoren, denn bevor die Sensordaten zum Endergebnis Foto gespeichert werden, müssen daraus in einem Sekundenbruchteil gleichzeitig die Entfernung berechnet, Zeit und Blende für die Belichtung bestimmt sowie Farben und Kontrast optimiert, die Details in puncto Farben, Helligkeiten, Bewegungen und Strukturen analysiert und optimiert werden. Zudem muss das Sensorsignal zur selben Zeit für das Echtzeit-Kontrollbild auf Monitor oder im elektronischem Sucher abgegriffen werden. So halten auch in Kameras Mehrkern-Prozessoren Einzug. Erste Modelle wie die neue Lumix GF2 werben bereits mit Drei-Kern-Prozessor.

Auch die Geschwindigkeit des Autofokus müsse noch verbessert werden, sind sich Michiharu Uetmasu, Manager Product Planning Group von Panasonic und Heino Hilbig von Olympus einig. Daran arbeiten alle mit Hochdruck und Panasonic vermeldet mit der neuen Lumix GH2 erste Erfolge. „DieGH2 ist so schnell wie namhafte Spiegelreflexkameras“ ist Uetmatsu stolz.

Neben Sensor und Signalprozessor beschleunigen schnellere Fokussierantriebe in den Objektiven die Entfernungseinstellung. „Die Fokussierung erfolgt am besten nur noch über ein möglichst kleines Linsenelement per Stufen- oder Linearmotor“ skizziert Kasuto Yamaki, Chef des japanischen Objektivspezialisten und Kameraherstellers Sigma die Lösung, auf die auch andere setzen.

Intelligenz hinter den Kulissen: Musste früher der Knipser je nach Motiv das passende Programm mit dem implantierten Profi-Know-how noch selber wählen, erkennen jetzt die cleveren Kameras wichtige Motivtypen wie Landschaft, Porträt, Action oder Strand und wählen ohne Zutun des Fotografen von sich aus das richtige Belichtungsprogramm. Die Kameras erkennen zudem Strukturen und Bewegungen im Motiv, und nutzen das, um einem bewegten Objekt im Bild, etwa einem Gesicht, per „AF-Tracking“ mit der Scharfeinstellung zu folgen.

Vom Fotografen unbemerkt, arbeitet immer öfter eine elektronische Korrektur daran, optische Fehler wie Vignettierung, Verzeichnung oder Farbsäume auszugleichen. Das kommt billiger, als aufwendigere Objektive zu bauen. Anspruchsvolle Spiegelreflexkameras (SLR) wie die neue Pentax K5 lassen dem Fotografen die Wahl, ob er die etwas Zeit raubende elektronische Objektivkorrektur ein- oder ausschalten will.

Die intelligentesten Kameras erkennen inzwischen nicht nur einfach anonyme Gesichter im Bild. Wenn der Kameranutzer ihnen einen Namen gegeben hat, können sie sie sogar wieder identifizieren und sich in Zukunft bevorzugt auf die Bekannten scharfstellen. Die gespeicherten Fotos können dann in der Kamera oder mit einem geeigneten Programm wie iPhoto auf dem Computer nach Personen sortiert werden.

Auch die Verbesserung der Bildqualität kommt nicht zu kurz. Besser als mehr Megapixel ist geringeres Rauschen bei besserer Detailwiedergabe auch bei hohen ISO-Empfindlichkeiten, wodurch sich viele neuere Modelle auszeichnen. Der Kontrastumfang und seine Abstufung kann von vielen aktuellen Kameras schon durch eine partiell unterschiedliche Bearbeitung der Bildsignale aus verschiedenen Bildbereichen optimiert werden. Gleiches gilt für den Weißabgleich bei Mischlichtverhältnissen.

Die neue Kameraklasse: Spiegelreflexkameras konnten laut GfK im 1. Halbjahr 2010 um 22 % zulegen. Doch schwer im Kommen ist eine neue Klasse kleinerer Systemkameras mit Wechselobjektiven. Sie benötigen dank sogenanntem Live-View-Monitor- oder -Sucherbild kein großes Prismengehäuse und keine aufwendige Spiegelmechanik mehr. „Dem elektronischen Sucher gehört die Zukunft,“ ist sich Yann Salmon-Legagneur, Marketing Manager Digital Imaging Europe von Sony, sicher, „er zeigt alle wichtigen Informationen, und darüber hinaus, genau, was den Fotografen nach der Aufnahme erwartet, selbst bei Farbe und Belichtung.“ So können Kameras und Objektive deutlich kompakter konstruiert werden. Dabei bieten Olympus- Pen-E- und Panasonic-Lumix-G-Modelle des Micro-Four-Thirds-Standards sowie die Sony-NEX- und Samsung-NX-Kameras mit Sensoren im APS-C-Format die gleiche, für die Qualität wichtige Sensorgröße wie die meisten „klassischen“ Spiegelreflexkameras.

Besonders optimistisch ist man diesbezüglich bei Samsung. „Spiegellose Kameras werden die neue Lokomotive des Digitalkamera-Marktes sein und 2012 oder 2013 den Systemkamera-Markt dominieren “ erklärte Park Sang-jin, Chef von Samsungs Digital Imaging Business im einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Spätestens dann werden sich SLR-Marktführer Canon und Nikon, die sich derzeit das gute Geschäft mit ihren digitalen Spiegelreflexkameras nicht selbst verderben wollen, dem Trend anschließen.

Ein großes kommendes Thema wird die „Konnektivität“ von Kameras sein, die Möglichkeit des direkten Datenaustauschs mit anderen Geräten über Bluetooth, USB oder des Hochladens per WLAN ins Internet. Für das heimische Wohnzimmer arbeiten vor allem die drei „Vollsortimenter“ Panasonic, Samsung und Sony an der Home-Connectivity: Der Integration der Kameras in den Kreis der stationären Geräte für die Multimedia-Show. HORST GOTTFRIED

Von Horst Gottfried

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