Medien 04.03.2005, 18:37 Uhr

Ein Fanatiker des Kinos  

VDI nachrichten, Berlin, 4. 3. 05 – Stanley Kubrick war ein extremer Perfektionist. Selten begnügte er sich mit dem, was technisch möglich war, lieber hat er versucht, die für seine Filme nötige Technik selbst zu schaffen.

Wenn etwas geschrieben oder gedacht werden kann, dann kann es auch verfilmt werden. So lautete das Lebensmotto von Stanley Kubrick, einem der bedeutendsten Regisseure der Filmgeschichte. Kubrick war ein Fanatiker des Kinos, ein besessener Arbeiter und extremer Perfektionist. Seine Arbeiten richtete er nur ungern an der existierenden Technik aus – lieber versuchte er, die notwendige Technik für die Umsetzung seiner Visionen selbst zu schaffen.

Kein Wunder, dass Kubrick mit 13 Spiel- und drei Dokumentarfilmen ein zahlenmäßig eher kleines Werk hinterließ. Und doch setzte er dabei den klassischen Filmgenres ein ums andere Mal die Krone auf – dem Kriegsfilm („Paths of Glory“) ebenso wie dem Vietnamfilm („Full Metal Jacket“), Science-Fiction („2001 – Odyssee im Weltraum“) oder Horrorkino („The Shining“).

An sich und seine Arbeit setzte Kubrick stets höchste Maßstäbe. Das hat sich das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main offensichtlich zum Vorbild genommen, als es eine Ausstellung über den 1928 in New York geborenen Regisseur vorbereitete. Die umfangreiche Schau ist jetzt im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen.

Einzelne Räume sind legendären Sets der Filme nachempfunden, etwa dem Inneren des eigenwilligen HAL 9000-Computers aus dem Film „2001“. Leitlinie der labyrinthhaften Ausstellung, die Film für Film der Biographie des Regisseurs folgt, sind Videostationen, an denen Aussagen von Schauspielern, Kameraleuten oder Kostümbildnern zu den einzelnen Filmen und berühmte Ausschnitte zu sehen sind – was die Lust auf eine (Wieder-)Begegnung mit Kubricks Filmen weckt.

Seine Karriere begann Kubrick als Fotograf in New York. Am Tag nach dem Tod des US-Präsidenten Roosevelt verkaufte er sein erstes Foto an das Magazin „Look“ – das Porträt eines trauernden Zeitungsverkäufers, das die allgemeine Stimmungslage treffend einfing. Mit 17 wurde Kubrick von „Look“ fest angestellt. Seine Aufnahmen aus allen Winkeln der Gesellschaft können noch heute als journalistische Fotografie von höchstem Rang gelten. Für Kubrick war diese Zeit „ein Schnellkurs darüber, wie es in der Welt zugeht“.

Ein Fotoauftrag war es auch, der Kubrick die Idee und den Stoff für seinen ersten kurzen Dokumentarfilm „Day of the Fight“ gab. Zwischen 1953 und 1956 drehte Kubrick seine ersten drei Spielfilme, bei denen er zugleich Produzent, Autor, Regisseur und Kameramann war. Es waren düstere Kriminalfilme, die die existenzialistische Atmosphäre der Zeit widerspiegeln.

Die Filme waren kommerziell eher erfolglos, doch brachten sie Kubrick den Ruf Hollywoods ein. Dort drehte er 1957 den Kriegsfilm „Paths of glory“, der ihn international berühmt machte. Darin spielt Kirk Douglas einen französischen Colonel im Ersten Weltkrieg, der von der Generalität in einen aussichtslosen Stellungskrieg gegen die Deutschen getrieben wird. Eine Anklage gegen den Krieg, die in manchen Ländern auf Unverständnis stieß. So wurde der Film in Frankreich verboten, ein Vorgang, den Kubrick später wiederholt erleben musste.

Kirk Douglas vermittelte Kubrick auch die Regiearbeit am Historienspektakel „Spartacus“ (1959), dem einzigen Film, von dem sich Kubrick später distanzierte – obwohl ihm der Film vier Oscars einbrachte. Nach Ende der Dreharbeiten siedelte Kubrick nach England über, wo er mit seiner Verfilmung des Nabokov-Romans „Lolita“ heftige Moraldebatten auslöste.

In der Folge drehte er einen Welterfolg nach dem anderen – und löste jedes Mal zwiespältige Reaktionen aus. „Dr. Seltsam oder Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“ (1963) mit Peter Sellers in drei Paraderollen war eine drastische Satire über den Wahnsinn des kalten Kriegs. Mit „2001“ (1965-68) gelang ihm ein philosophisches Science-Fiction-Märchen über die Entwicklung und die Grenzen des menschlichen Bewusstseins. „A Clockwork Orange“ (1971) erzählt in einer gnadenlosen Intensität die Geschichte eines Halbstarken, der zunächst ungehemmt seine Aggressionen auslebt, im Rahmen des wissenschaftlichen Versuchs dann seine aggressive Seite verliert, wobei zugleich seine gesamte Persönlichkeit ausgelöscht wird.

Den drastischen Vietnamfilm „Full Metal Jacket“ (1987) drehte Kubrick vollständig in einem ehemaligen Gaswerk im Osten Londons, das er teilweise abreißen und so umbauen ließ, dass es die in Ruinen liegende Stadt Hué darstellte. Der Film schildert, wie GIs in einem gnadenlosen Drill zu Kampfmaschinen gemacht werden und dann im Kriegseinsatz rücksichtslos töten. Anders als zahlreiche andere, in den USA entstandene Vietnamfilme sind „Full Metal Jacket“ jegliche geschichtsklitternden Absichten fremd.

Die Fertigstellung seines letzten Films „Eyes Wide Shut“ (1999) mit Nicole Kidman und Tom Cruise hat Kubrick nicht mehr erlebt. Der Rundgang durch die Ausstellung endet dort, wo er begann – bei einer biographischen Fotofolge, die mit Bildern des jungen, aufstrebenden Fotografen beginnt, der keck und erwartungsfroh in die Welt blickt. Mit den Jahren wird der Blick introvertierter, das Gesicht verschwindet hinter einem dichten Bart. Kubrick scheint sich immer stärker seinen Visionen ausgeliefert zu haben, bis sein äußeres Erscheinen fast etwas Eremitenhaftes bekam. Es war diese Radikalität, der wir einige der bedeutendsten Werke der Filmgeschichte verdanken. JOHANNES WENDLAND

@ www.stanleykubrick.de
www.deutsches-filmmuseum.de

Bis 11. 4. im Martin-Gropius-Bau, Berlin. Mi-Mo 10 bis 20 Uhr.
Fotografien aus allen Winkeln der Gesellschaft

Von Johannes Wendland

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

WIRTGEN GmbH-Firmenlogo
WIRTGEN GmbH Projektingenieur im Bereich Kaltrecycling (m/w/d) Windhagen
BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
BEUMER Maschinenfabrik GmbH & Co. KG Director (m/w/d) Engineering Conveying & Loading Systems Beckum
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)-Firmenlogo
Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Projektleitung (w/m/d) für den Aufbau eines Reinraumzentrums Eggenstein-Leopoldshafen
Orion Engineered Carbons GmbH-Firmenlogo
Orion Engineered Carbons GmbH Projektingenieur für den Bereich Chemieanlagenbau (m/w/d) Köln
XENIOS AG-Firmenlogo
XENIOS AG Prozessingenieur / Produktionsingenieur (m/w/d) Medizintechnik Heilbronn
Orion Engineered Carbons GmbH-Firmenlogo
Orion Engineered Carbons GmbH Projektingenieur (Rohrleitungstechnik) (m/w/d) Köln
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V.-Firmenlogo
DLR Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. Leiterin oder Leiter Strategieabteilung Luftfahrt Köln
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)-Firmenlogo
Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) Ingenieur (m/w/d) der Fachrichtung physikalische Technik, technische Optik, Elektrotechnik Braunschweig
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Softwareingenieur modellbasierte Entwicklung für Steuerungstechnik (w/m/d) Bruchsal
RENK Aktiengesellschaft-Firmenlogo
RENK Aktiengesellschaft Vertriebsingenieur (m/w/d) als Produktmanager – Maschinenbau / Elektrotechnik Augsburg

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.