Fernsehen 26.11.2010, 19:50 Uhr

Dreidimensionale Aussichten nur durch die Brille

Die Industrie hofft auf neue Erlösmodelle, Zuschauer auf ein anderes Sehvergnügen. 3-D soll die Fernsehwelt bereichern. Darin sind sich TV-Programmanbieter, -Hersteller, Netzbetreiber und Forschungseinrichtungen einig. Doch es wird noch Jahre dauern bis sich die Technik brillenlos genießen lässt.

Hans-Joachim Kamp, Vizepräsident des ZVEI und zugleich Aufsichtsratsvorsitzender von Philips Deutschland, hält Skepsis in Sachen Dreidimensionalität für unangebracht. Vor allem auch 3-D-Peripheriegeräte wie Blu-ray-Player, Brillen, Spielekonsolen, Notebooks, Monitore, Kameras und Camcorder, die dreidimensionale Inhalte verarbeiten können, würden für Umsatz sorgen.

Seit Markteinführung vor rund sechs Monaten wurden in Deutschland 53 000 3-D-fähige Geräte verkauft, bis Ende des Jahres rechnen die Marktforscher der GfK mit etwa 150 000 Geräten. Im nächsten Jahr sollen es dann schon 750 000 sein. Weltweit sollen in vier Jahren über 90 Mio. 3-D-Fernseher abgesetzt werden.

Damit 3-D halten kann, was es verspricht, sind vor allem spannende Inhalte gefragt. „In diesem Jahr sollen 25 bis 30 Filmtitel auf 3-D-Blu-ray erscheinen, aber nur sechs sind im freien Handel verfügbar, die anderen nur als Bundle mit 3-D-Playern“, gibt Michael Zink vom Broadcast- und Video-Spezialisten Technicolor zu bedenken.

Auch Hans Hoffmann, Programm-Manager der Europäischen Rundfunk-Union EBU, weiß: Bislang gelten zwei von drei 3-D-Entwicklungsphasen als fertig. Die Phase 0, das altbackene, Anaglyphen-Verfahren z. B. mit Rot/Grün oder Rot/Cyan, wird immer noch vermarktet.

Bei der Phase 1, die auch auch als „frame compatible“ bezeichnet wird, handelt es sich um die derzeit aktuelle 3-D-Technik. Dabei werden in ein normales HDTV-Signal mit Bildinformationen von 1920 x 1080 Pixel beide Bilder reingepresst, die für eine 3-D-Darstellung nun mal nötig sind. Das geht nur, wenn jeweils die horizontale Auflösung reduziert wird, also nur mit je 960 x 1080 Pixel gearbeitet wird. Dann ist von „Side-by-Side“ die Rede.

Beim progressiven Übertragungsverfahren mit 1280 x 720 Pixel werden die beiden 3-D-Bilder untereinander gebaut, eben „Over-and-Under“. Jedes hat dann mit 1280 x 360 Pixel nur die halbe vertikale Auflösung.

In beiden Fällen verkleistert der räumliche Eindruck zugleich so manchen Bildfehler. Und – aus einem derartigen 3-D-Signal lässt sich kein gutes 2-D-Bild gewinnen.

Fest steht: Künftig müssen auch 3-D-Inhalte signalisiert werden. Nur so kann der Receiver erkennen, ob es sich bei den Aussendungen um 3-D- oder 2-D-Inhalte handelt, und automatisch umschalten. Die Standardisierung für die Signalisierung soll noch in diesem Monat abgeschlossen sein, da ist der Digital-TV-Pionier Ulrich Reimers zuversichtlich.

Die Zukunft beginnt jedoch erst mit Phase 2 und einem servicekompatiblen Ansatz. Damit lässt sich aus einem 3-D- ein 2-D-Signal extrahieren und die Zuschauer können beliebig zwischen zwei- und dreidimensional umschalten.

„Die Idee ist, auf eine 2-D-HD-Version Zusatzdaten für 3-D aufzusetzen, so dass wir dann für jedes Auge ein hochauflösendes Signal bekommen“, erklärt Hans Hoffmann. „Daher müssen die Bilder für das rechte und linke Auge in voller Auflösung, aber entsprechend komprimiert übertragen werden.“ Das benötige allerdings neue Kompressionstechniken und – beim Verbraucher – entsprechend neue Settopboxen. Hoffmann geht davon aus, dass das noch Jahre dauern dürfte.

Noch geht 3-D nicht ohne „Vor-Augen-Technik“, also Polarisations- oder Shutterbrille. Spezialbrillen also, die entweder mit polarisierten Gläsern daherkommen oder elektronisch gesteuert die Bildinformationen zum linken oder rechten Auge durchlassen. Sie sorgen so für den räumlichen Effekt.

Brillenlos zu nutzende Displays für das räumliche Sehen, die sogenannte Autostereoskopie, gibt es noch nicht auf dem Markt. Seit Jahren arbeitet das Berliner Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut (HHI) daran, ohne Sehhilfe 3-D-TV möglich zu machen. Dabei ist das Display mit einem Linsenraster ausgerüstet, so dass der Beterachter mit einem Auge das rechte, mit dem anderen Auge das linke Bild wahrnehmen kann.

Ralf Schäfer, Leiter der Abteilung Image Processing am HHI, bleibt realistisch. Es dürften noch bis zu zehn Jahre vergehen, bis die Technik wirklich ausgereift ist. Philips hat sich allerdings bereits im April vergangenen Jahres von dieser Technik verabschiedet und sein Labor in Eindhoven geschlossen.

Doch zurück zur Gegenwart. 3-D ist jetzt schon „in“, das steht für André Schneider, Produktstratege bei Samsung, fest. Er rechnet mit einem rasanten Anstieg der Gerätepopulation. Schon jetzt hat die aktive Shutter-Technik, bei der Fernseher günstiger, Brillen aber teurer sind, einen höheren Marktanteil gegenüber der Polarisationstechnik mit passiven Polfilterbrillen, eine Technik, die vor allem für Großfamilien interessant ist.

Immerhin können die Kunden zum Weihnachtsgeschäft aus über 45 verschiedenen TV-Modellen wählen. Im nächsten Jahr soll auch der Einstiegsbereich dabei sein – 3-D würde damit also günstiger. Übrigens werden Flachdisplays nicht mehr alle zehn, sondern häufig schon nach fünf bis sieben Jahren ausgetauscht, weiß man in der Branche.

Fernsehprogramme für die neuen 3-D-Flachbildschirme sind allerdings noch Mangelware. Derzeit sind beim Satellitenbetreiber Astra drei Anbieter aktiv, im nächsten Jahr könnten es fünf sein. Für das Jahr 2012 rechnet Astra-Vizepräsident Thomas Wrede mit zehn 3-D-Event-Kanälen – von Sky 3D über EuroSport 3D bis hin zu National Geographic und Discovery.

Auch Entertain, das IPTV-Angebot der Telekom, ist dreidimensional unterwegs. 22 Filmtitel lassen sich derzeit über schnelles DSL ins Haus holen, darunter auch diverse Erotikangebote. Sky hat sich am 3. Oktober auf den 3-D-Weg gemacht und vier bis sechs TV-Neustarts pro Monat angekündigt. Und selbst Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF, will nicht ausschließen, „dass wir 2012 bei den Olympischen Spielen in London auch ein HD-Showcase daraus machen“. R. BÜCKEN

Von R. Bücken

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