Rundfunk 10.12.2010, 19:50 Uhr

Digitalradio DAB: Alles zurück auf Anfang

Während die Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens längst abgeschlossen ist, tut sich das Radio beliebig schwer. Seit fünfzehn Jahren gibt es das „Digital Audio Broadcasting“ DAB, der Erfolg jedoch blieb bisher aus. Jetzt soll mit DABplus ein neuer Versuch gemacht werden, aber ohne die Privatsender geht nichts.

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat den Takt vorgegeben, geht es doch um das „Radio der Zukunft“. Die öffentlich-rechtlichen Sender möchten das Pflänzchen DAB – das Kürzel steht für Digital Audio Broadcasting – weiter hegen und pflegen. Nur hat es mit der ersten Sorte DAB nicht geklappt, die veredelte Variante DABplus soll nun den Bundesdeutschen den digitalen Supersound bringen. Doch könnte DAB schon bald die letzte Stunde geschlagen haben, wenn es nach vielen privaten Rundfunksendern und ihrem Verband VPRT (Verband Privater Rundfunk und Telemedien) geht. Sind aber annähernd zehn von von ihnen im Boot, könnte ein DAB-Kanal mit bis zu 15 Programmen, ein sog. Multiplex, zusammengestellt werden, und die KEF veranlassen, bislang gesperrte Mittel auch für die öffentlich-rechtlichen Sender zu bewilligen.

Bis kommenden Mittwoch (15. Dezember) haben die privaten Programmveranstalter und der Sendernetzbetreiber Media Broadcast als technischer Dienstleister noch Zeit, Verträge zu schmieden, die dann zu tragfähigen Lizenzen der Landesmedienanstalten führen. Erst dann kann sich die KEF bewegen und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die für das Zukunftsradio reservierten 42 Mio. € freigeben. „Wir gehen davon aus, dass sich genügend private Anbieter finden, um den Multiplex zu füllen“, gibt sich KEF-Geschäftsführer Horst Wegner zuversichtlich.

So auch Oliver Huart, CEO der TDF-Gruppe, zu der Media Broadcast heute gehört. Für ihn steht das digitale Radio DAB „im Mittelpunkt unserer Aktivitäten“, wie er gegenüber den VDI-Nachrichten zugibt. „Wir wollen zusammen mit den privaten Programmanbietern, der CE- und Automobilindustrie DABplus zu einem Erfolg führen.“ Für die Umsetzung der hehren Ziele ist derweil die einstige Telekom-Tochter Media Broadcast zuständig, die sich vorgenommen hat, ein neues Sendernetz für den DAB-Nachfolgedienst DABplus aufzubauen. „Und das bedeutet zunächst 27 neue Senderstandorte, die nicht mit einem, sondern mit zehn Kilowatt Sendeleistung daher kommen“, erklärt Thomas Wächter, Leiter Produktentwicklung Hörfunk bei Media Broadcast.

Diese neuen Sender können dann rund 40 Mio. Einwohner – oder rund 50 % der Fläche der Bundesrepublik – versorgen, wobei es vor allem zunächst die Ballungsgebiete sind, die was von DABplus haben dürften. Auch die Autobahnen sind – bis auf wenige Ausnahmen – ein- bzw. angebunden.

Der Aufbau des bundesweiten Netzes dürfte 20 bis 30 Mio. € kosten, die Nutzer müssen ihn refinanzieren. In diesem Netz werden neben einem knappen Dutzend privater Programme – derzeit stehen sechs bereits fest – auch drei Programme des Deutschlandradios übertragen. Große öffentlich-rechtliche Sender wie WDR, BR, NDR, MDR usw. werden – so es denn mit der Vertragsunterzeichnung und der Mittelfreigabe geklappt hat – auch eigene Sender aufbauen und darüber dann ihre eigenen Programmmultiplexe ausstrahlen. Dabei werden die Antennen gemeinsam betrieben, was nicht nur Kosten spart, sondern auch gleiche Empfangsbedingungen in Küche und Schlafzimmer verspricht. Bei alledem sind die DABplus-Sendeleistungen noch deutlich geringer als bei UKW, wo meistens mit 50 kW bis 100 kW gesendet wird – pro Programm. „Wir strahlen jetzt mit 10 kW bis zu 15 Programme ab, da kann man doch von grünem Radio sprechen“, schwärmt Media-Broadcast-Mann Wächter.

Das System DABplus ist auf Zuwachs gebaut. Über das Media-Broadcast-Netz und dem der öffentlich-rechtlichen Sender könnten dann ab August zwei Multiplexe in der Luft sein – oder zumindest auf dem Weg dorthin. Und mit bis zu 30 Programmen dürfte die bundesrepublikanische Hörfunklandschaft dann durchaus wieder recht bunt aussehen.

Allerdings ist es auch wichtig, dass Geräte verfügbar sind und für alles dann munter geworben wird. Dazu haben sich die Firma Frontier Silicon sowie vier privat-kommerzielle Programmanbieter „committed“: Der Chip- und Modulhersteller wird die Sender vier Jahre mit Geldern für Werbemaßnahmen unterstützen. Auch Media Broadcast wird 2,5 Mio. € für Marketing-Maßnahmen bereitstellen, freilich auf vier Jahre verteilt. Entscheidend wird aber sein, dass die Geräteindustrie ihre Empfänger mit DABplus-Technik ausrüstet, neben UKW, DAB und Web-Radio, versteht sich. Diese Erkenntnis kommt reichlich spät, man hätte das schon seit 15 Jahren haben können. So ist die Geräteversorgung noch ein Problem, viele CE-Unternehmen sind von DAB noch reichlich gebeutelt.

Ob das alles aber dazu führt, dass ab 2015 bisherige UKW-Lizenzen zurückgezogen werden, ist fraglich. Schon jetzt wird das Jahr 2025 genannt. Allerdings – für den VPRT ist UKW eine heilige Kuh. Und DABplus bedeute „erhebliche Einführungs- und Betriebskosten, die von den privaten Radiounternehmen des VPRT nicht aufgebracht werden können“, heißt es in einer noch immer aktuellen Presseinformation vom 25. Juni 2009.

„Gleichwohl bewerben sich einige private Radiosender auf ausgeschriebene DABplus-Kapazitäten, insbesondere, um auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen bei dieser Technologie für die Privaten hinzuwirken“, so VPRT-Sprecher Hartmut Schultz. Und die können dann ihre Programme für rund 400 000 € im Jahr bundesweit verbreiten.

Doch bei den 27 Sendern der Startphase soll es nicht bleiben. Für eine flächendeckende Versorgung sind 110 Sender geplant, und die Super-Luxus-Variante mit Inhouse-Empfang selbst unter erschwerten Bedingungen könnte 170 Sender bedeuten. Im Vergleich zur jetzigen FM-Versorgung bedeutet DABplus eine Kostenreduktion auf ein Fünftel bis ein Sechstel der bisherigen Kosten. Zudem sind bei UKW auch viele sog. Kleinleistungssender in Betrieb, wobei einst aus medienpolitischen Gründen extrem niedrige Preise festgesetzt wurden. Und die bestimmen das Preisgefühl der Privaten und verzerren wohl das Preisgefüge bei Media Broadcast.

Ulrich Reimers, Mitglied der KEF, sieht die Bemühungen um DABplus inzwischen gelassen. „Ich hoffe, es wird endlich was passieren. So oder so.“ Bis zum Mittwoch wird er sich noch gedulden müssen, dann darf auch er die Hand heben – oder senken. RAINER BÜCKEN

Von Rainer Bücken

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