Medien 19.03.1999, 17:20 Uhr

Digitales Fernsehen liegt auch in der Luft

Auf der CeBIT präsentiert sich der Modellversuch „DVB-T in Norddeutschland“. Terrestrische digitale Fernsehausstrahlungen werden momentan in Niedersachsen, Bremen und Hamburg getestet.

In einem Faltblatt, das pünktlich zur CeBIT erschienen ist, heißt es: „Wer in Zukunft auf Kabelgebühren oder Satellitenschüssel verzichten möchte, hat mit DVB-T die Möglichkeit, eine große Anzahl von Fernsehprogrammen in digitaler Qualität zu empfangen.“ DVB-T steht dabei für terrestrische Ausstrahlungen über den digitalen Standard DVB. Auf ihrem Informationsstand in Halle 24 der CeBIT stellen die Landesmedienanstalten von Niedersachsen, Bremen und Hamburg zusammen mit den Sendern NDR, ZDF, Radio Bremen sowie der Deutschen Telekom und dem Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig ihren „Modellversuch DVB-T in Norddeutschland“ vor.
Eine winzige Stabantenne an der obligatorischen Settop-Box soll ausreichen, um 20 bis 30 Programme via DVB-T zum empfangen. Bis zum Ende des Jahres dürften jedoch kaum mehr als zehn bis zwölf Fernsehprogramme über den Ballungszentren in der Luft sein. Zunächst sollen in Norddeutschland im Rahmen des Modellversuchs zwei Sendernetze betrieben werden, eines durch die Deutsche Telekom (u. a. Kanal 28 mit RTL, Sat.1 und Viva) und ein weiteres durch NDR / Radio Bremen (u. a. Kanal 56 mit ARD, NDR und ZDF). Dazu kommen acht Hörfunkprogramme über insgesamt 24 digitale Fernsehsender. Hierbei handelt es sich vor allem um Mehrfrequenz-Sendernetze (MFN, Multi Frequency Network), während im Bereich Walsrode / Hamburg ein Gleichwellennetz (SFN, Single Frequency Network) errichtet werden soll. Außerdem ist für die zweite Jahreshälfte ein drittes Netz für die Ballungsräume Hamburg, Hannover / Braunschweig und Bremen vorgesehen.
Seit der CeBIT-Home im August 1998 liegt über den Städten Wolfsburg, Braunschweig, Wolfenbüttel, Peine, Hildesheim, Hannover, Bremen, Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg schon digitales Fernsehen via DVB-T in der Luft. Damit kann mit entsprechendem Empfänger theoretisch in Haus, Garten, Auto, Bus und Bahn ferngesehen werden – völlig losgelöst von Kabel oder Satellit. Zuschauer müssen sich jedoch mindestens noch ein Jahr gedulden. Derzeit ist es nämlich nicht vorgesehen, Versuchsteilnehmer zu akquirieren. Erst Anfang 2000 werden die Vorbereitungen dafür getroffen. Teilnehmen dürfen dann voraussichtlich alle Interessierten, allerdings zu regulären Bedingungen – die Empfangsgeräte werden nämlich nicht subventioniert. Nur so lasse sich auch die wirkliche Akzeptanz prüfen, sagen die zuständigen Experten.
Initiiert und geleitet wird der Versuch von einem Projekt-rat, bestehend aus den Landesmedienanstalten Niedersachsens, Hamburgs und Bremens, dem Norddeutschen Rundfunk, Radio Bremen und dem Zweiten Deutschen Fernsehen sowie der Deutschen Telekom. Die technische Projektleitung liegt beim Institut für Nachrichtentechnik an der TU Braunschweig.
Der Weg bis zu den heutigen Tests war weit. Seit Februar 1997 sind die Spezifikationen fertig, und die ersten Geräte gibt es inzwischen auch – jedenfalls für die Profis zum Testsenden und Testempfangen. Während beispielsweise in England über DVB-T schon im Regelbetrieb gesendet wird, laufen im gesamten deutschen Bundesgebiet mit DVB-T zunächst nur punktuelle Versuche: Berlin-Brandenburg im Osten, Köln im Westen, München im Süden und Chemnitz im Süd-Osten, und passend zur CeBIT nun der hohe Norden.
„Ein wesentliches Ziel unseres Modellversuchs ist die Erprobung des mobilen Empfangs“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Reimers von der TU Braunschweig. So werden nun vor allem Teile entlang der Autobahnen A2 von Wolfsburg nach Hannover und von dort weiter entlang der A7 und A27 nach Bremen und Bremerhaven ausgeleuchtet. Auch die verkehrs- und DVB-T-mäßige Anbindung Hamburgs an das übrige Versorgungsgebiet ist vorgesehen. Überall sollen der stationäre, der portable und der mobile Empfang von DVB-T gleichermaßen erprobt werden. „Die hauptsächliche Anwendung von DVB-T in Deutschland wird jedoch im stationären Empfang des digitalen Fernsehens liegen“, so die Einschätzung des Braunschweiger Wissenschaftlers Reimers.
Für die mobilen Tests darf es dabei ruhig auch mal ein wenig schneller zugehen als sonst auf den Autobahnen – unter den Augen der Polizei fuhr im Kölner Gebiet für Testzwecke ein Wagen beispielsweise im Auftrag von RTL schon 280 km/h – und hatte noch immer DVB-T-Empfang. Doch nicht immer zeigt sich die digitale Qualität so von ihrer besten Seite. Gibt es Schwierigkeiten beim Empfang, kommt es ganz schnell zu einem enorm schlechten Bild – angefangen mit Blocking-Effekten, dann weitergehend mit Bild- und Tonaussetzern bis hin zum kompletten Zusammenbruch von Bild und Ton. Geprobt werden muß deshalb beispielsweise auch die Aufteilung auf die jeweiligen Übertragungskanäle. Jeder zur Verfügung stehende 8-MHz-Kanal kann – netto – 14,75 Mbit/s übertragen. Da lassen sich dann durchaus drei TV-Programme mit jeweils 4 Mbit/s unterbringen. Für Rundfunk und Datendienste bleibt der Rest, kommt doch ein Stereoprogramm mit knapp 200 kbit/s aus.
Die Japaner konnte das aber noch nicht überzeugen. Sie wählten ein ähnliches, jedoch nicht identisches System – gerade wegen des mobilen Empfangs. Das dort jetzt im Test befindliche DiBEG-System (Digital Broadcasting Experts Group) ist vor allem hinsichtlich terrestrischer HDTV-Übertragung optimiert. „Wir haben uns bewußt gegen den europäischen DVB-T-Standard entschieden, weil der für die topografischen Besonderheiten unseres Landes nicht geeignet ist und zudem auch nicht unseren Ansprüchen hinsichtlich mobilen Empfangs gerecht wird“, erklärt Junji Kumada, Direktor der größten japanischen Sendeanstalt NHK.
Den Meßergebnissen für die mobile Übertragung kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu. Die Digitalisierung steht national wie international auf der Tagesordnung der Medien- und Industriepolitiker. Das geknackte Monopol um die sogenannte d-Box von Medienunternehmer Leo Kirch und dem finnischen Hersteller Nokia sowie die Öffnung der Programmplattform sind nur einige Schritte, um die Aktzeptanz der digitalen Ausstrahlung zu erhöhen. Wenn Satelliten- und Kabelprogramme digitalisiert sind, geht es dann um die terrestrische Übertragung. Da kämpfen noch zwei Technologien mit- und gegeneinander: DAB (Digital Audio Broadcasting) und DVB (Digital Video Broadcasting). Während DAB langsam Tritt zu fassen scheint, wird DVB-T wohl noch länger auf sich warten lassen.
RAINER BÜCKEN
Digitale Ausstrahlungen soll es in Zukunft nicht nur via Kabel und Satellit, sondern auch über den terrestrischen Weg geben.

Von Rainer Bücken

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