Medien 15.03.2002, 17:33 Uhr

„Digitales Chaos – und kein Ende in Sicht“

Das Bundeskartellamt hat den Verkauf des TV-Kabelnetzes an den US-Investor Liberty untersagt, der MHP-Standard und das interaktive Fernsehen hängen noch immer in der Warteschleife. Zur CeBIT warnt FUN-Vorsitzender Lutz Mahnke vor digitalem Chaos.

Schlagworte wie Konvergenz, MHP, Kabelnetzverkauf oder der eventuell anstehende Zusammenbruch der Kirch-Gruppe beherrschen zurzeit die Medien. Und damit steht auch das Thema „Digitales Fernsehen“ im Mittelpunkt. Festzustellen gilt, dass der Fortschritt des digitalen Fernsehens seit 1995 messbar ist. Aber er ist vor allem eines: klein.

Als 1995 der Kirch-Ableger DF1 als digitaler PayTV-Veranstalter seine Aktivitäten aufnahm, gab es eine große Euphorie, die sich in relativ kurzer Zeit dann wieder im Nebel der Geschichte auflöste. Zum gleichen Zeitpunkt etwa wurden die großen Erwartungen und Möglichkeiten des Kabels – speziell des TV Kabels – in wortreichen Kaskaden der nicht interessierten Öffentlichkeit mitgeteilt. Manch einer hofft heute, dass sich auch in diesem Bereich der Nebel der Geschichte gnädig darüber legen wird und manches Mal wird man den Eindruck nicht los, dass diese Hoffnung nicht wirklich unberechtigt ist.

Als 1999 die Deutsche Telekom begann nach Aufforderung der EU für das Kabelnetz Käufer zu suchen, war man guter Dinge, dass sich mit dem Verkauf des lange vernachlässigten Kabels an neue Investoren alles zum Besseren wenden würde.

Als sich im Jahre 2000 der erste Investor namens Richard Callahan in Deutschland vorstellte, sprach die versammelte Medienbranche von Breitbandkommunikation, neben TV Internet, Kabeltelefonie, Rückkanal und vielen anderen technischen Möglichkeiten – und vom Standard Multimedia Home Platfom, kurz MHP, auf den man sich zu einigen habe.

Die letzten sechs Monate wurden durch Liberty Media, das Kartellamt, kompetente (?) Politiker, Fernsehanbieter und Verbände beherrscht. Doch der potenzielle Käufer Liberty Media wollte sich nicht einigen.

Einige Politiker, Fernsehanbieter und Verbände jubeln, John Malones Eintritt in den deutschen Markt wurde erfolgreich verhindert. Erfolgreich? Nein. Nun liegt das Kind im Brunnen. Das Kartellamt hat die Übernahme des verbliebenen Telekomkabels durch Liberty in dreizehn Bundesländern verboten. Und nun?

Zuallererst bedeutet der Nichtverkauf einen massiven Rückschritt, und zwar für alle. Sender und Inhalteanbieter sind darauf angewiesen Reichweite zu generieren, Kabelinvestoren und Netzbetreiber benötigen die Sicherheit, dass ihre Investitionen sich durch attraktive Inhalte refinanzieren lassen und die jetzige Situation, so kann man vermuten, bedeutet, dass in den oben erwähnten 13 Bundesländern sich auf breiter Basis nicht viel bewegen wird.

Die bereits gefundenen Investoren Callahan (Nordrhein-Westfalen/Baden-Württemberg) und Klesch (Hessen) werden im Augenblick vermutlich ihre Businesspläne wieder überarbeiten, gegebenenfalls ihre Investitionen zurückfahren. Inhalteanbieter werden Überlegungen, die in Richtung TV Kabel gingen, wieder in die Schublade zurücklegen. Der Weg in die digitale Zukunft erscheint unsicherer denn je.

Vieles muss passieren, wenn wir im Jahre 2010 das große digitale Erlebnis haben wollen, wie es der Plan der Bundesregierung vorsieht:

1. Die Deutsche Telekom ist aufgefordert, den bereits 1999 kommunizierten Gedanken einer Regionalisierung und einer Einbindung regionaler Investoren, zum Beispiel großer Betreiber der Netzebene 4 (NE 4) nochmals aufzugreifen, wohlweislich, dass die Erlöse, die man sich erhofft hat, vielleicht nicht erzielbar sind.

2. Die Telekom, respektive die verantwortliche Kabel Deutschland, sollte Inhalte, insbesondere auch ausländische Inhalte, akquirieren und in ihre Netze bringen, um damit den Bedürfnissen der NE-4-Betreiber, der Wohnungsgesellschaften und, man staune, eventuell auch denen der Kabelkunden – den berühmten Zuschauern – gerecht zu werden.

3. Darüber hinaus sind die FreeTV-Veranstalter aufgefordert ihre bereits vorhandenen interaktiven Inhalte nicht nur im Verborgenen zu präsentieren, sondern offensiv den Zuschauer über die Vorzüge des digitalen Fernsehens zu informieren und sie ihm auch direkt anzubieten.

4. Die am 19. September beschlossene Mainzer Erklärung zugunsten von MHP seitens der Programmveranstalter und der Landesmedienanstalten, die mittlerweile von nahezu allen Betroffenen, inklusive des ZVEI, der Verbraucherverbände, des GdW und der ANGA anerkannt wurde, bedarf jetzt der konkreten Umsetzung. Das „Henne und Ei“-Problem ist kontraproduktiv – die Unterzeichner der Mainzer Erklärung sind aufgerufen, sich auf den Weg zu machen.

5. Die Settop-Boxen-Hersteller sind aufgerufen, MHP-taugliche Dekoder nicht nur als begehrliches Objekt der Zukunft zu kommunizieren, sondern sie auch in den Markt zu bringen.

Nur wenn all diese Dinge greifen und das kurzfristig, werden wir in der Lage sein, diesen Markt weiter nach vorne zu bewegen. Wobei: Technologisch jeden Tag eine Sau durchs Dorf zu treiben soll ja helfen, denn Aktionismus kann gezielte Aktionen bestens verhindern.

Ein Phänomen, ein unbekanntes, wartet ja noch auf uns: der Zuschauer, den wir schließlich alle abholen, dem wir unsere Dienste anbieten wollen. Leider scheint nicht bekannt, an welcher Haltestelle der Zuschauer wartet.

Allen Marketing- und Kommunikationsexperten sei ins Stammbuch geschrieben: nicht „Early Adopters“ oder technisch affine „High Potentials“ (Marketing deutsch) entscheiden den Markt, sondern die, die abends oder wann auch immer Unterhaltung im positivsten Sinne in ihrer heimischen Umgebung genießen wollen.

Übrigens: ein unerfreuliches Phänomen am Rande – wir haben eine Menge kleine, kreative Firmen in Deutschland, die eine Menge gute Ideen für digitales, interaktives Fernsehen haben. Ein Großteil derer hat die gleiche Erlebniswelt wie die Internetentwickler: Es gibt sie nicht mehr.

Ideen gibt es, Dogmatismus hat lang genug geherrscht – nun wird es Zeit, der GSM-Erfolgsstory eine MHP-Erfolgsstory hinzuzufügen. Dazu müssen alle bereit sein. LUTZ MAHNKE

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