Medien 25.05.2007, 19:28 Uhr

Digital-TV nur mit Verschlüsselung

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 5. 07, jdb – Ohne neue Geschäftsmodelle gibt es in den Kabelnetzen keine schnelle Digitalisierung des TV-Angebots. Das ist ein Fazit des Strategiegipfels anlässlich der Kabel- und Satelliten-TV-Messe Anga Cable. Zudem wurde das Kartellamt gescholten, das immer deutlicher Medienpolitik mache.

Über die vielen Appelle zur Kooperation und Zusammenarbeit auf dem Weg zur Digitalisierung der TV-Landschaft wundere er sich, meinte Paul A. Stodden, seit kurzem Sprecher der Geschäftsführung bei Orion Cable, anlässlich des Strategiegipfels zur Eröffnung der Kongressmesse Anga Cable am Dienstag in Köln. Diese führende internationale Veranstaltung für Kabel, Breitband und Satellit, organisiert von der Anga, Verband der Kabelnetzbetreiber, hatte sich als Motto gesetzt: „Auf der digitalen Roadmap für 2010: Simulcast, Verschlüsselung und analoger Switch-off.“ Und wie so oft wurden von den wichtigsten Branchenvertretern eben jene gemeinsamen Anstrengungen beschworen, um den Kunden die Digitalisierung des TV schmackhaft zu machen.

Hier nun setzte Stodden als Newcomer der Branche an: „Abgesehen von diesen Appellen ist die Realität doch ein harter, zum Teil destruktiver Wettbewerb. Die Kabelindustrie ist in einer schweren Lage: Sie macht insgesamt gerade einmal 10 % des Umsatzes der Deutschen Telekom.“ Und genau das sei der künftige Wettbewerber, auf den es zu achten gelte: „Da verkündet Herr Obermann, seine Sponsoring-Aktivitäten um 100 Mio. € zu kürzen. So viel Umsatz machen manche Unternehmen unserer Branche nicht in einem Jahr!“ Gerade bei den vielbeschworenen Triple-Play-Angeboten, also Kabel-TV, Telefon und Internet über das Breitbandkabel, mahnte er zum Realismus: „Unsere Branche meldet da Erfolgszahlen, die verglichen mit der Telekom-Industrie allenfalls Peanuts sind. Spätestens in zwei Jahren haben wir hier einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Es besteht die Gefahr, dass wir vom Internet-TV überrollt werden“

Gerade die TV-Kabelnetze sind in Deutschland aus historischen Gründen in einer weltweit besonderen Situation: Es gibt die großen, überregionalen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland, Kabel BW und Unitymedia, die so genannte Netzebene 3, und es gibt eine Fülle kleiner und mittlerer Netzbetreiber auf Ebene der Wohnungswirtschaft, die so genannte Netzebene 4, zu denen Stoddens Unternehmen Orion Cable gehört, dessen erklärtes Ziel es ist, unter diesen zu einer Konsolidierung zu kommen.

Ziel ist natürlich, möglichst bald eine umfassende Digitalisierung der deutschen TV-Landschaft zu realisieren. Und da, so der Vorwurf vor allem der öffentlich-rechtlichen Sender, habe der Vorstoß des Satellitenbetreibers SES Astra hin zur Verschlüsselung der großen Privatsender einen herben Rückschlag gebracht. Die mittlerweile Entavio genannte Plattform soll nun im September zunächst mit einem Pay-TV-Angebot von Premiere starten, wie Astra-CEO Ferdinand Kayser in der Strategierunde erklärte.

Vorwürfe, ein früher kostenloses Angebot der Sendergruppen ProSiebenSat.1 und RTL per Verschlüsselung kostenpflichtig machen zu wollen, konterte Kayser: „Der Wunsch zur Verschlüsselung wurde von den Sendern an uns herangetragen. Wir haben ihnen dazu eine technische Plattform zur Verfügung gestellt.“ Dass das Projekt derzeit auf Eis liegt, läge an Bedenken des Bundeskartellamts, das immer mehr in die Rolle des Medienpolitikers hineinschlüpfe. Kayser: „Deutschland hat keine Medienpolitik mehr, diese wird vom Kartellamt übernommen. Es kann aber nicht angehen, dass von dort ein simples Nein kommt, ohne uns alternative Wege aufzuzeigen.“

Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien, stellte klar, dass die Digitalisierung der Haushalte nur voranschreite, wenn neue, attraktive Inhalte geschaffen würden. „Diese sind aber nun mal nicht immer über Werbung zu finanzieren.“ Also brauchen die Privatsender die Adressierbarkeit des Zuschauers – und diese sei primäres Ziel der Verschlüsselung. „Ohne Adressierbarkeit keine neuen Geschäftsmodelle und damit keine neuen Angebote“, so Doetz und drohte: „Dann kann es ganz schnell passieren, dass wir analog nicht 2010 abschalten, wie bisher geplant, sondern frühestens 2027.“

Ein Menschenrecht auf kostenlose Information gebe es nicht, gab Doetz zu bedenken: „Kein Mensch regt sich auf, dass er für seine Tageszeitung bezahlen muss.“ Und auch für Hans Hege, Direktor der Medienanstalt Berlin Brandenburg, ist klar: „Der Zuschauer kann nicht erwarten, immer neue Programme zu bekommen, ohne dafür zu bezahlen.“ Im Übrigen, so kritisierte auch er das Kartellamt, sei es schwer, zu abgestimmtem Vorgehen unter den Spielern zu kommen, wenn immer gleich das Kartellrecht drohe. jdb

Paul A. Stodden: „Wettbewerb hart und destruktiv“

Von Jens D. Billerbeck

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