Medien 26.04.2002, 17:33 Uhr

„Die haben nichts richtig gemacht“

Kein Wunder, dass dieses Abenteuer Kabel schief läuft.

Die haben uns Geschäftsmodelle angeboten, die den Namen nicht verdienen.“ Jürgen Dill vom mittelständischen Kabelnetzbetreiber Marienfeld Multimedia aus Essen ist unzufrieden mit „Ish“, der Callahan-Firma und neuer Herrin der regionalen Breitband-Kabelnetze in Nordrhein-Westfalen. Befragt dazu, welche Fehler Ish bisher gemacht habe, sagt Dill schlicht: „Die haben nichts richtig gemacht.“ Und das könnte „Folgeprobleme haben für alle: Die Entwicklung wird aufgehalten.“
Die Entwicklung betrifft vor allem Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, wo die Monopolistin Telekom ihre regionalen Breitbandnetze an die Callahan-Gruppe („Ish“) sowie in Hessen an Klesch („Iesy“) verkauft hat. Der Verkauf der restlichen Regionen an Liberty scheiterte. „Endlich Bewegung im Kabel“, freute sich Thomas Braun, Präsident des Branchenverbandes Anga der mittelständischen Kabelnetzbetreiber, noch vor einigen Monaten. Das Netz sei schließlich „marode“, sagen auch Praktiker wie der Nachrichtentechniker Roland Weikert. Heute sieht alles schon anders aus.
Weikert hat die Schlüssel zu den Kabelkästen von 40 000 Haushalten in Darmstadt, Rüsselsheim, Bayreuth und anderen süddeutschen Städten, die er mit seinem weißen Kombi abklappert. Von Kundenbeziehungen versteht er was, und er fragt sich, wie die neuen Netzbetreiber die Milliardeninvestitionen für den nötigen Ausbau der Netze wieder hereinholen wollen.
Denn in vier von fünf Kabelhaushalten haben noch immer große und kleinere Mittelständler den direkten Draht zum Kunden – die berühmte „letzte Meile“. Dass das so ist, haben Leute wie Henning Grünert von AKF Telekabel in Frankfurt durchgesetzt. Als Anfang der 80er Jahre die Bundespost die Republik verkabelte, fühlten sich die klein- und mittelständischen Antennenanlagenbauer „in der Existenz bedroht“. Grünert und andere Kollegen protestierten, und zusammen mit dem Zentralverband der Deutschen Elektrohandwerke (ZVEH) gelang es zu erreichen, dass die Netzebene drei (Verkabelung unter der Straße bis zum Haus) und vier (Hausverkabelung) getrennt wurden.
Trotzdem gehören die Ebene-4-Betreiber noch immer nicht zu den gesuchten Gesprächspartner von Ish oder Iesy. „Wir wissen meist nur aus der Zeitung, mit welchen Diensten ish an den Markt gehen will“, klagt Anga-Präsident Braun. „Kooperation“, hieß denn auch die Hauptforderung aller Beteiligten auf der diesjährigen Kabelmesse „Anga-Cable“ in Köln.
Auch nach Meinung von Horst Schäfers, Chef des privaten Düsseldorfer Telefonanbieters Isis, hat Ish jede Menge verkehrt gemacht. „Gebühren erhöhen, Mitarbeiter entlassen und schlechtere Qualität liefern – da kommt schon so einiges zusammen“, so Schäfers. Sein Unternehmen profitiert davon. „Die Wohnungsbaugesellschaften rennen uns hier die Tür ein.“ Zumal die Isis im Gegensatz zu Ish den Wohnungsbau-Gesellschaften keine 12-Jahres-Verträge anbietet. „Wir sind da viel flexibler, reagieren auf die jeweiligen Bedürfnisse und machen ganz verschiedene Verträge.“ Die Zusammenarbeit mit Telecolumbus ist schon besiegelt, mit anderen Großen stehen die Düsseldorfer in Verhandlungen. Sie kooperieren dabei auch mit dem Kölner Netzbetreiber Netcologne.
Beim Wettrennen um die Kundengunst wollen es die Mittelständler mit den neuen Investoren machen wie der Igel mit dem Hasen: „Ish bin schon da.“ Und zwar zunehmend auch als unabhängige Ebene-3-Betreiber. Braun: „Unsere Mitglieder sind keinesfalls bedingungslos auf die Regionalgesellschaften angewiesen, sondern können die Signale auch über andere Zuführungswege beziehen. Der Trend verstärkt sich von Tag zu Tag.“
Bosch Telecom, Telecolumbus oder auch kleinere Anbieter wie Wilhelm.tel in Norderstedt – sie machen sich mehr und mehr unabhängig von der Netzebene 3, entwickeln ihre eigene Modelle und arbeiten dabei eng zusammen mit der Wohnungswirtschaft – und profitieren von deren gewachsenen Endkundenbeziehungen.? C.?KAUFFMANN

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