Medien 12.01.2001, 17:27 Uhr

„Die Quote heiligt nicht jedes Mittel“

„Es dürfen nicht weiter alle Grenzen verletzt werden“, fordert Kurt Beck, Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder, im Interview mit den VDI nachrichten. Er will die Zuschauer wachrütteln und Diskussionen anstoßen.

VDI nachrichten: Sie haben die Heiratsshows auf RTL und Sat 1 als abstoßend und als weiteren Tiefpunkt auf der nach unten offenen Richterskala bezeichnet. Kann das Fernsehen denn noch tiefer sinken?
Beck: Ich fürchte, dass Sender weiter ausloten werden, wie mit den Untiefen der menschlichen Seele Quote zu machen ist. Mit der Heiratsshow verbunden war ja schon eine Darstellung und eine Verfügbarkeit von Frauen, die wirklich abstoßend war.
VDI nachrichten: Sind denn die Medienwächter machtlos?
Beck: Man muss aufpassen, dass man nicht bei all diesen Tabuverletzungen gleich nach dem Gesetzgeber verlangt, denn Medienfreiheit ist ein ganz ganz hohes Gut und da ist der ständige Ruf nach der Ordnungsmacht unpassend. Aber: Viel Freiheit heißt auch viel Verantwortung. Es muss erlaubt sein, eine gesellschaftliche Diskussion über solche Fragen zu führen.
VDI nachrichten: Aber viel mehr als die Diskussion bleibt Ihnen offensichtlich nicht…
Beck: Ja, viel mehr bleibt uns nicht, aber das ist auch nicht vorrangig. Wenn wir Bewusstsein bilden und die Menschen dazu gewinnen nachzudenken, dass es da nicht nur um irgendeine Spielshow geht, sondern um einen der tragenden Werte in unserer Verfassung und Gesellschaft, nämlich die Ehe, dann haben wir schon viel gewonnen.
VDI nachrichten: Ist das duale Rundfunksystem in Gefahr?
Beck: Diese Gefahr sehe ich nicht. Bei den jüngsten Zahlen standen ARD und ZDF neben RTL gut da. Es geht mir auch nicht darum den privaten Anbietern per se Negatives zu unterstellen – aber sie sollen sorgfältig mit den Angeboten umgehen. Wer sein Geld mit Werbung macht, darf auch andere Formate wählen als öffentlich-rechtliche Sender, das ist völlig in Ordnung. Aber es dürfen nicht weiter alle Grenzen verletzt werden. Die Quote heiligt nicht jedes Mittel.
VDI nachrichten: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk passt sich ja zusehens dem Massengeschmack an. Zudem ist umstritten, wie weit sich ARD und ZDF im Internet entwickeln dürfen. Muss der Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen neu definiert werden?
Beck: Wir müssen sicher den Funktionsauftrag weiterentwickeln, aber es muss auch eine Bestands- und Entwicklungsgarantie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geben. Wir wissen nicht, wie die Medienlandschaft in Zukunft aussehen wird, im Zuge der Digitalisierung bis 2010 gibt es viele Möglichkeiten. Wir als Staatsvertragsgeber haben z. B. bereits festgelegt, dass ARD und ZDF im Internet nicht werben dürfen, damit der finanzielle Ertrag den Privaten vorbehalten bleibt – aber warum sollten diese Sender nicht auch im Internet ihre Programme plus Zusatznutzen präsentieren dürfen?
VDI nachrichten: In den Köpfen der Verantwortlichen, z.B. ZDF-Intendant Stolte, scheint das nicht angekommen zu sein, er schließt E-Commerce für das ZDF nicht aus.
Beck: In den Köpfen darf das alles sein, und Herr Stolte muss die Interessen seines Senders vertreten. Wir aber sind die Staatsvertragsgeber und bestimmen die Grenzen.
VDI nachrichten: Stehen Sie immer noch dazu, dass es keine Rundfunkabgabe oder -steuer geben sollte?
Beck: Es wird sicher notwendig sein, die Endgerätefrage neu zu definieren, weil man ja nicht mehr sagen kann, das klassische Radio oder Fernsehgerät ist allein in der Lage, Programme zu empfangen. Ich halte nach wie vor überhaupt nichts von einer Fernsehsteuer, das würde die Staatsunabhängigkeit des Rundfunks in Frage stellen.
VDI nachrichten: Durch die Digitalisierung der Fernsehübertragung werden viele neue Programme entstehen – greifen alte Regelungen da noch?
Beck: Die Regelungen sind alle so offen, dass die Ausstrahlungsform keinen Unterschied macht. Aber alle Anbieter müssen einen fairen Zugang zu der digitalen Plattform erhalten und alle Zuschauer müssen ihr Programm selbst zusammenstellen können. Dafür haben wir seit letztem Jahr im Rundfunkstaatsvertrag zielführende Antworten gefunden und werden natürlich auf diesem Sektor weiterarbeiten. Außerdem müssen wir auch eine Rechtsgrundlage schaffen für die Umstellung auf die digitale Übertragung bis 2010, denn die betrifft am Ende jeden Haushalt. Alle brauchen einen Dekoder oder ein neues Gerät, und da müssen wir Orientierung schaffen. SIMONE ZELL

Von Simone Zell

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