Medien 21.06.2002, 18:20 Uhr

„Die Politik muss den Weg für den Kabelausbau frei machen“

Nach dem Kauf der Telekom-Regionalnetze durch Ish und Iesy wird klar, dass die Investitionen nicht reichen und der Ausbau ins Stocken gerät. Längst redet die Medienbranche von einer „Kabelkrise“. Dagegen wehrt sich Peter Charissé, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Privaten Kabelnetzbetreiber ANGA.

Nach der Euphorie der letzten Jahre hat das Breitbandkabel in den vergangenen Wochen vor allem durch Hiobsbotschaften auf sich aufmerksam gemacht. Von Preiserhöhungen und Stellenabbau wird berichtet, das Wort von der „Kabelkrise“ macht die Runde. Dabei wird allerdings häufig zu Unrecht pauschalisiert und vernachlässigt, dass der deutsche Kabelmarkt sehr inhomogene Strukturen aufweist. Bei genauem Hinsehen zeigt sich: Die große Mehrheit der traditionellen Kabelunternehmen ist solide finanziert und betreibt ein gesundes und wachsendes Kabel-TV-Geschäft.
Richtig ist allerdings auch, dass der Verkaufsprozess der Kabelnetze der Deutschen Telekom AG bisher nicht zu den gewünschten zusätzlichen Impulsen im deutschen Kabelmarkt geführt hat. Vom Ziel eines flächendeckenden interaktiven Netzausbaus ist man weit entfernt. Die neuen Regionalgesellschaften sind gegenüber ihren ursprünglichen Aufrüstungsplänen erheblich in Verzug geraten. In 13 Bundesländern ist der Abschluss des Verkaufsprozesses gänzlich offen.
Die traditionelle, mittelständisch geprägte Kabelbranche hat gleichwohl keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. So kann auch von einem „Hände in den Schoß legen“ gegenwärtig keine Rede sein. Gerade die in der ANGA zusammengeschlossenen Kabelnetzbetreiber verfolgen ihre Strategie zum Ausbau der Netze weiter: Zum einen engagieren sie sich nachhaltig für partnerschaftliche Kooperationen mit den neuen Regionalgesellschaften, um einen über alle Netzebenen koordinierten Ausbau zu erreichen. Zunehmend scheint sich dabei auch bei den neuen Kabelinvestoren die Erkenntnis durchzusetzen, dass der komplexe deutsche Kabelmarkt nicht im Konflikt zu den vorhandenen Akteuren erschlossen und weiterentwickelt werden kann. Dies gilt im übrigen für Infrastrukturbetreiber und Programmanbieter gleichermaßen. Die ANGA setzt deshalb weiterhin konsequent auf Kooperation statt Konfrontation. Dabei muss auch klar sein, dass die oft zitierte „Konsolidierung der Netzebenen“ kein Allheilmittel ist sie ist auch kein Selbstzweck und kann mit den relevanten Marktpartnern abgestimmte Produkteinführungs- und Vermarktungskonzepte nicht ersetzen.
Wichtig ist aber vor allem, dass die Unternehmen der ANGA ihr eigenes Kabelgeschäft weiter ausbauen. Der Schlüssel dafür sind eigene Satellitenempfangsstationen und andere alternative Zuführungswege. Die Hausverteilnetze der so genannten „Netzebene 4“ wachsen in die Netzebene 3 hinein. Vielversprechende Allianzen entwickeln sich daneben mit den in der ANGA vertretenen City-Carriern. Gerade diese Verbindung eröffnet den Betreibern neben einer umfassenden Versorgung mit Fernseh- und Hörfunkprogrammen auch die Bereitstellung von High-Speed-Internet-Anschlüssen. Als Partner der Netzebene 4 für das Angebot von Kabelinternet kommen daneben aber auch die Satellitenbetreiber und DSL-Anbieter in Betracht. Einige ANGA-Betreiber offerieren im übrigen schon heute ergänzend auch Telefondienste.
Um das gesamte Potenzial des deutschen Kabelmarkts zu erschließen, bedarf es aber ergänzend eines grundlegenden Strategiewechsels im Verkaufsprozess der Kabelnetze der Deutschen Telekom AG. Nach den Problemen der neuen Kabelregionalgesellschaften in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg muss erkannt werden, dass die bisherigen Geschäftsmodelle und die mangelhafte Einbindung der Netzebene 4 in die Sackgasse geführt haben. Die Politik darf in dieser Situation nun aber nicht den Fehler machen, auf einen neuen Heilsbringer zu warten. Es wäre in volkswirtschaftlicher Hinsicht völlig unverantwortlich, das industriepolitische Potenzial, das im deutschen Kabelmarkt – dem zweitgrößten nach den USA – schlummert, länger ungenutzt zu lassen. Schließlich wird mit dem Ausbau der BK-Netze eine einzigartige Wertschöpfungskette angestoßen, die vom elektrotechnischen Handwerk über die Tiefbaubranche und die Telekommunikationsausrüster bis hin zur Endgeräteindustrie und der gesamten Medienbranche reicht. Dieser bedeutende Wirtschaftssektor darf nicht länger hinter fiskalischen Interessen des Bundes an der Deutschen Telekom zurückstehen.
Angesichts des Stillstands bei den neuen Regionalgesellschaften und den Verzögerungen beim Telekomverkauf bedarf es vielmehr eines grundlegenden Richtungswechsels: Die über 1000 Netze aus dem alten Telekombestand müssen nunmehr auch einzeln zum Verkauf gestellt werden. Viele traditionelle Netzbetreiber werden bereit sein, lokal zu realistischen Preisen zuzukaufen. In den damit über alle Netzebenen zusammengeführten Beständen kann dann kurzfristig der Netzausbau in Angriff genommen werden. Mit diesem Lokalisierungsprozess würde eine Vielzahl ausgebauter Kabelinseln entstehen, die nach und nach zu einem dichten Netz zusammenwachsen. Für Finanzinvestoren und Unternehmen der Telekommunikationsindustrie entstünde zugleich die Gelegenheit, sich an lokalen Projekten mit überschaubarem Aufwand zu beteiligen. Die Bereitschaft und das Know-how der deutschen Kabelbranche sind vorhanden. So ist in vielen ANGA-Netzen Internet über Kabel und Multimedia schon heute Realität. Es liegt nun in der Hand der Politik ihre ordnungspolitischen Kompetenzen wahrzunehmen, um den Weg für den Kabelausbau freizumachen.

PETER CHARISSÉ

Von Peter CharissÉ

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