Medien 09.03.2001, 17:28 Uhr

Die Angst der Sportfans vor dem Bezahlfernsehen

Die Entscheidung fiel in der Verlängerung. Erst in einer nachträglichen Verhandlungsrunde hat sich die Kirch-Gruppe mit ARD und ZDF über die Senderechte für die Fußball-WM 2002 und 2006 geeinigt. Jetzt geht es für Kirch um die Formel Eins.

Dieter Hahn, Sportrechte-Experte im Medienkonzern von Leo Kirch, hat viel zu tun in diesen Tagen. Er ist ein ebenso begehrter wie gefürchteter Verhandlungspartner, denn ohne ihn geht im Moment nichts im Sportgeschäft. Genauer: Ohne die WM-Senderechte, die der Kirch-Konzern vom internationalen Fußball-Verband FIFA für 1,7 Mrd. DM erworben hat und die Vermarktungsrechte an der Formel Eins, die über die Beteiligung am Münchener Unternehmen EM.TV zu Kirch gelangten. Von Hahns Verhandlungstaktik hängt eine Menge ab – nicht nur für die Kirch-Gruppe (s. letzte Seite).
Die Ware Sport ist sensibel und heiß begehrt. Und sie wird immer teurer. Damit sich die hohen Investitionen rechnen, müssen die Rechtehändler wie Leo Kirch und Thomas Haffa geschickt agieren. Die Fans dagegen kritisieren immer lauter, dass der Sport nur noch zur Profitmacherei missbraucht wird. Dementsprechend groß war der Aufschrei, als nach einem Jahr exklusiver Verhandlungen zwischen ARD, ZDF und der Kirch-Gruppe ein Scheitern der Verhandlungen drohte. Seit 1954 wurden alle Spiele der Fußball-Weltmeisterschaften im frei empfangbaren Fernsehen übertragen. Doch das war in der Zeitrechnung vor Kirch.
Bei diesem Spektakel konnte und wollte sich die Politik nicht heraushalten, schließlich trifft das Thema Fußball so manche Wählerseele. Da forderte sogar der Kanzler die Beteiligten zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf, obwohl der in Medienangelegenheiten gar nichts zu sagen hat – Medien sind Ländersache, und so äußerten sich auch die Herren Ministerpräsidenten Stoiber, Clement und Beck.
Doch eigentlich war dieser öffentliche Druck gar nicht nötig, denn weder Kirch noch ARD und ZDF konnten sich ein Scheitern der Verhandlungen leisten. Für die öffentlich-rechtlichen Sender ging es um die Fortschreibung der erfolgreichen Fußball-Geschichte und um die Rechtfertigung der jüngsten Gebührenerhöhung. Die Kirch-Gruppe braucht einen externen Partner, um die Spiele möglichst lukrativ zu vermarkten. Zwar geht überall die Angst um, dass die Zuschauer durch Kirchs Verhandlungstaktik zum Bezahlsender Premiere World gedrängt würden – doch selbst Dieter Hahn dürfte inzwischen eingesehen haben, dass die Vermarktungschancen der sportlichen Großereignisse besser im Free TV aufgehoben sind und eine Übertragung auf den Kanälen der eigenen Senderfamilie ökonomisch wenig Sinn macht.
Im Gegenzug – Details der Verhandlungen waren bis zum Redaktionsschluss nicht bekannt – dürfte Kirch die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele 2002 bis 2008 als wertvolle Inhalte für seine Senderfamilie gewonnen haben, die sich vor allem beim Pay-TV-Kanal Premiere World bezahlt machen sollen. Auch konnte er wohl einen Großteil des Kaufpreises von 1,7 Mrd. DM wett machen. Unternehmensnahe Kreise berichten zudem, dass ARD und ZDF technische Leistungen bei der Übertragung der WM einbringen. Davon könnten wiederum Kirch-Sender wie SAT 1 oder Pro Sieben als mögliche Zweitrechte-Inhaber profitieren.
Derweil gehen die Autohersteller auf die Barrikaden. Sie befürchten, dass durch die jüngste Beteiligung der Kirch-Gruppe an EM.TV die Übertragung der Rennserie endgültig ins Pay TV wandern könnte und drohen mit dem Aufbau einer eigenen Rennserie. In Deutschland liegen die Rechte für die Übertragung der Formel Eins zwar noch bis zum Jahr 2003 beim Kirch-Konkurrenten RTL, doch die Kirch- Gruppe hatte zusammen mit ihrem Partner EM.TV & Merchandising am Aschermittwoch eine Option zur Aufstockung des gemeinsamen Anteils an der Formel-Eins-Holding SLEC 75 % ausgeübt, und hat somit künftig Einfluss auf die Vermarktung. Die restlichen 25 % liegen nun noch bei Formel- Eins-Organisator Bernie Ecclestone, der den Einstieg des Medienkonzerns ebenso kritisiert hatte.
Dieter Hahn hat in der vergangenen Woche bekräftigt, die Formel Eins werde auch künftig im Free TV zu sehen sein. Man sei an der langfristigen Sicherung der Serie interessiert, sagte Hahn. Dabei hatte er wohl im Hinterkopf, dass es fraglich ist, wie lange sich der Bezahlsender in Deutschland überhaupt noch halten kann. Gerade einmal 2 Mio. Abonnenten stehen Investitionen von rund 6 Mrd. DM gegenüber. SIMONE ZELL

Von Simone Zell

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