Medien 30.04.2010, 19:46 Uhr

Deutsches Fernsehen international begehrt

In der Wirtschaftskrise sind deutsche TV-Produzenten von Sparmaßnahmen der Sender betroffen. Für kleinere Produktionsunternehmen eine existenzbedrohende Situation. Große Unternehmen dagegen leiden weniger: Bei knappen Kassen können sie von der Zunahme internationaler Kooperationen profitieren. So sind auch Amerikaner, die früher nur das „stupid German money“ interessierte, auf deutsche Partner erpicht. Das zeigte die größte Programm-Messe der Welt in Cannes.

Es war schon eine kleine Sensation, als die Münchener Produktionsfirma Tandem Communications Mitte April auf der Programm-Messe Mip-TV ihre nächsten großen Vorhaben verkündete: „Pompeii“ – einen aufwendigen TV-Mehrteiler, der für den Weltmarkt gemeinsam mit Sony Pictures und weiteren Partnern realisiert wird, und die Serie „World
Without End“, die in Kooperation mit Ridley Scott verfilmt wird. „Die Säulen der Erde“, mit 40 Mio. $ ein anderes Megaprojekt der Münchener, wurde bereits in die USA verkauft.

Früher, vor der Wirtschaftskrise, hätten US-Studios solche kostspieligen Fernsehproduktionen alleine gemacht. Die großen Networks gehen inzwischen einen anderen Weg und produzieren eher billigere Formate. Die Pay-TV-Sender dagegen versuchen rund die Hälfte ihrer Produktionskosten über Koproduktionen hereinzuholen. So kommen Kooperationen mit Kanada und Europa oder auch mit Asien und Australien zustande – je nach Stoff.

Dass nur Angloamerikaner als Zulieferer für den europäischen Markt auftreten, das jedenfalls ist schon lange vorbei.

Im Rahmen der Programm-Messe wurde auch die deutsche Dokumentation „Das Wunder von Leipzig“ von Broadview.tv für eine Auszeichnung auf dem renommierten Fernsehfestival im kanadischen Banff nominiert. Das wundert die Geschäftsführerin von United Docs, Silke Spahr, gar nicht: „Die Produzenten haben gelernt, wie man Dokumentationen macht, die auch auf dem internationalen Markt funktionieren.“ Der Kölner Vertrieb, den sie leitet, hat im letzten Jahr über 1000 Stunden Dokumentation ins Ausland verkauft.

SevenOneInternational gelang es sogar, Ideen für Show-Formate erfolgreich zu vertreiben, etwa „Schlag den Raab“, das als „Beat The Star“ sogar nach England ging und für den englischen Privatsender ITV in Köln mit englischem Publikum und englischen Promis aufgezeichnet wurde.

Für 1997 jedenfalls zählte das Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle 2594 ausgeführte deutsche Filme aus dem Bereich Fernsehen (ohne Dokumentationen), 2004 waren es bereits 7340 deutsche TV-Produktionen. Danach wurde nicht mehr erhoben. Genaue Zahlen zu errechnen bleibt schwierig, zumal die Bilanzen nicht klar ausweisen, was z. B. durch Rechte für neue Medien, durch das Koproduktionsgeschäft oder auch durch Fernsehware aus dem Ausland, die deutsche Firmen vertreiben, generiert wird.

Der Vertrieb Beta etwa verfügt noch über einen Angebotskatalog, der auf Kirch-Zeiten zurückgeht und alte amerikanische Klassiker wie „Citizen Kane“ beinhaltet. Aber auch die Vertriebe ZDF Enterprises, Telepool und Bavaria Televison Distribution verdienen fleißig mit ausländischer TV-Ware, deren Rechte sie besitzen.

Der Geschäftsführer von Studio Hamburg Distribution, Gerd Richter-Kiewning, schätzt vorsichtig, dass der Programmexport von rein deutschen Fernsehproduktionen ohne internationale Koproduktionen oder sonstiges Engagement 2009 um die 150 Mio. € betragen haben könnte. Die Umsätze der wichtigsten deutschen Programmvertriebe dürften ein Gesamtvolumen von mindestens 300 Mio. € umfassten.

Die Krise jedenfalls mischt die Karten neu und verhilft so manchen deutschen Produzenten zu Vorteilen. Denn mehr denn je sind internationale Koproduktionen gefragt, um die hohen Kosten zu stemmen. Deutsche Produktionsunternehmen sind verstärkt auf der Suche nach internationalen Partnern und haben gute Chancen.

„Neu ist das Interesse und Engagement von Sendern und Produzenten aus dem angloamerikanischen Raum“, stellt Jan Mojto, Filmproduzent und Rechtehändler, fest, „bisher waren Amerikaner und Briten an internationalen Koproduktionen kaum interessiert, weil ihre eigenen Märkte groß genug waren. Jetzt öffnen sie sich.“

Die Engländer beispielsweise seien dabei sehr aktiv, suchten Koproduzenten und seien bereit, auch künstlerische Mitwirkung zuzulassen – so Mojto, dessen Firmengruppe Eos, Beta Film, Beta Cinema, Unitel, Classica und Kineos umfasst.

Der gebürtige Slowake, seinerzeit zweiter Mann im Kirch-Imperium, hat bereits zahlreiche aufwendige internationale Koproduktionen für das Fernsehen verwirklicht: „Wir selbst haben gerade die Dreharbeiten für den Zweiteiler über die im Zweiten Weltkrieg von Deutschen versenkte ‚Laconia‘ abgeschlossen.“ Das Budget betrug 13 Mio. € und ist ein Gemeinschaftsprojekt von ARD und BBC. Produziert wurde es hauptsächlich von der Ufa-Tochter Teamworx. Mojto verkündete während der Mip auch seine Absicht, eine Beteiligung an einem Produktionsunternehmen „jenseits des Atlantiks“ einzugehen, um internationale Projekte noch besser zu realisieren. WILFRIED URBE

Von Wilfried Urbe

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