In Kalifornien ist es soweit 01.12.2000, 17:27 Uhr

Deutsche wollen USA nacheifern

Schon seit zwei Jahren gehört PR zu den am schnellsten wachsenden Berufsgruppen. Denn im Hightech-Mekka Silicon Valley schießen Start-ups immer noch wie Pilze aus dem Boden. Die deutsche PR steckt dagegen in den Kinderschuhen.

Auf beiden Kontinenten, in Europa und den USA, zählt die offensive Strategie: Um sich im lauten Geschrei der erfolgreichsten Firmen um die besten Produkte einen Namen zu machen, ist der Unternehmer auf Public Relations angewiesen. Im Silicon Valley herrscht ein harter Kampf um den größten Bekanntheitsgrad, verbunden mit sehr intensiven Kommunikationsaktivitäten. Schnelligkeit zählt: Mit Pressemitteilungen und überraschenden Kampagnen soll der Konkurrenz gezielt ein Strich durch die Rechnung gemacht werden.
„Was ich von den Amerikanern vor allem gelernt habe, ist das Selbstbewusstsein und die Entwicklung der PR in Richtung einer strategischen Beratung.“ Ira Baumeister (33), General Manager von extra PR in München, überzeugt mit Power und Dynamik. „Manch ein Kunde reagiert oft erschreckt, wenn er bemerkt, wie wir inzwischen arbeiten.“ Denn früher hätten PR-Leute oft zu passiv reagiert, meint sie weiter, die Botschaften der Kunden einfach nur akzeptiert. „Um qualitativ gute PR zu machen, gehört es heute zu unseren Bedingungen, die „Firmen-Message“ mit dem Managerteam gemeinsam zu entwickeln.“ Das Image der PR ist in Deutschland angeschlagen. PR-Mitarbeiter fühlen sich nicht selten als Prügelknaben ihrer Kunden und Journalisten. Und Unternehmer warfen das PR-Budget noch bis vor kurzem in einen Topf mit dem Marketing- und Werbebudget. „Genau das ist für mich die Herausforderung. Und wir müssen uns als Dienstleister dem Kunden gleichwertig fühlen, dann können wir auch den Amerikanern die Stirn bieten.“
Denn Kundenservice wird in Amerika groß geschrieben und ist für den amerikanischen PR-Mitarbeiter der Dreh- und Angelpunkt professioneller Beziehungen. „Die Art und Weise, wie wir Kontakte mit Kunden und Medien pflegen, beruht hauptsächlich auf persönlichem Engagement.“ Maureen Blanc ist Gründerin und eine der Geschäftsführerinnen von „Blanc&Otus“. Mit 155 Mitarbeitern gehört die PR-Firma zu den angesehensten Agenturen in San Francisco, Kalifornien, und steht, beispielsweise neben den Agenturen „Cunningham Communication“ und „Alexander Ogilvy“, im Silicon Valley hoch im Kurs. Auch hier ist der Unterschied der PR-Nachfrage zu Deutschland spürbar: Unternehmer stehen vor den PR-Firmen Schlange. Start-ups, Investoren und Rechtsanwaltskanzleien buhlen um Aufmerksamkeit der besten PR-Agenturen. Ergebnis: Die PR-Mitarbeiter können es sich leisten, ihre Kunden auszusuchen. Und darauf legt Blanc großen Wert: „Die Chemie zwischen Kunde und Agentur muss stimmen.“
„Ehrlichkeit ist unsere Strategie“, erklärt Lynne Waldera, die als studierte Psychologin heute das eigenständige Recherche-Team „Momentum Group“ von Cunningham Communication in Palo Alto leitet. Im Silicon Valley beschränkt sich der PRler schon lange nicht mehr auf traditionelle Dienstleistungen wie Aufbau und Pflege der Medienkontakte, Organisation von Pressekonferenzen, Journalistenreisen oder Briefings von Kunden. Hier geht es um die „kreativ-grandiose“ Entwicklung strategischer Methoden. Und darüber hinaus kreieren sich die Agenturen Nischen, durch die sie sich nicht nur von der Masse abheben, sondern auch ihren PR-Service erweitern wollen. So baut zum Beispiel Cunningham Communication auf das intern entwickelte Marketing-Konzept „Momentum Management“. Wissenschaftlich wird in dem Konzept analysiert, warum ein Produkt erfolgreicher auf dem Markt ist, als die Konkurrenzmarke. Ergebnis: Der IT-Gigant Cisco Systems sprang auf den Zug der neuen Idee auf und ist seitdem Kunde von Cunningham. Und der Kunde – neben Cisco Systems auch Hewlett Packard, Motorola, Novell – zahlt gut: 150 Mitarbeiter und nur zwölf Kunden! Auch davon kann der deutsche Durchschnitts-PRler nur träumen.
„Erst die fundierte Recherche und dann die Kommunikation“, die Cunninghamsche Erfolgsformel dreht Pam Alexander, CEO von „Alexander Ogilvy“, um. Alexander setzt auf „over-communication.“ Nach dem Motto „Wissen ist Macht“ fasst die Datenbank von „Alexander Ogilvy“ Informationen über 25 000 Menschen und 6800 Organisationen inklusive Marktanalysen. Infos, die auch den privaten Bereich abdecken: Mitarbeiter der Agentur wissen genau, wann einer ihrer Kontakte Geburtstag hat oder umzieht. Fragt man Pam Alexander nach ihrem Geheimnis des Erfolges: „Mehrschichtige Strategie, perfekt organisierter Austausch von Infos über den Markt, kombiniert mit Disziplin und Präzision.“
Worauf es den PR-Agenturen der amerikanischen Westküste zusammengefasst ankommt: durch das Management guter Beziehungen aktive Geschäftsbeziehungen aufzubauen und für beide Seiten Gewinn bringende Partnerschaften einzugehen. Persönlicher Kontakt und emotionale Bindung zum Kunden sollen das Gefühl vermitteln: „Wir kümmern uns um dich, Kunde, denn du und dein Erfolg sind uns wichtig!“ „Beziehungs-Mediators“, eine Bezeichnung, die sich die US-PR-Experten, so scheint es, auf den Leib geschrieben haben.
Und was sie dabei wollen: Netzwerke bauen und ganz vorne mitspielen. Denn immer öfter mausert sich die US-PR-Agentur zum Koinvestor eigener Kunden – das heißt, PR-Firmen stellen einem jungen Unternehmen Startkapital zur Verfügung. Schließlich wollen die PRler nicht nur mehr Einfluss ausüben, sondern auch noch ein Stückchen vom dicken Geldkuchen in Form von Aktienanteilen abschneiden können.
„Wir wollen auch das Team belohnen. Unsere Leute sehen, wie unsere Kunden immer reicher werden, und deswegen lassen wir sie am Reichtum der anderen teilhaben.“ Dass Maureen Blanc ihre Mitarbeiter auch aus taktischem Kalkül heraus binden möchte und ihre Motivationsstrategie aus der Befürchtung weiterer Verluste im Team entstanden sein könnte, liegt nahe. Denn trotz guter Vorsätze, Anerkennung und finanzieller Belohnung haben die Agenturen ein Problem: Auf die Frage, was zur Zeit die größte Herausforderung sei, antworteten alle drei PR-Frauen: „Gute Leute für das Team zu finden und diese auch zu halten.“ Denn die wenigen PR-Talente auf dem US-Markt werden auch gerne von Anwaltskanzleien, Risikokapitalgebern oder neu gegründeten Unternehmen unter Vertrag genommen. Dementsprechend hoch ist die Fluktuationsrate in den PR-Firmen – sie liegt in den meisten Agenturen zwischen 25 % und 40 %. So kommt es nicht selten vor, dass amerikanische PR-Mitarbeiter von Firmen abgeworben werden und mit 28 Jahren schon im Chefsessel der neuen Firma sitzen.
Auch in Deutschland klagte noch vor kurzem Stephan Becker-Sonnenschein, Präsident der Deutschen Public Relations Gesellschaft, dass es der wachsenden PR-Branche an Nachwuchs fehlt. Ziel ist es, so Becker-Sonnenschein, dem Berufsstand schärfere Konturen zu verleihen. Ein Ansatz, dem die deutsche PR-Frau Ira Baumeister mit ihrem Engagement allgemeiner Qualitätssteigerung der Öffentlichkeitsarbeit zustimmt. Für Baumeister heißt das: Vernetzen von Unternehmen untereinander und von Kunden und Journalisten miteinander. Drei ihrer Kunden – aus den Bereichen Sportinhalte, Reisen im Internet und Informationsvermittlung via Handy – haben ein strategisches Abkommen geschlossen.
„Wir arrangieren so potenzielle Partnerschaften. Gerade im Bereich des „Socialisings“ können wir von den Amis noch einiges lernen.“ Ihre Begeisterung ist ansteckend und es gibt keinen Zweifel: Ira Baumeister macht PR mit Leidenschaft. Wie die Zukunft ihrer Leidenschaft in Deutschland aussieht? Sie schmunzelt: „Die Zukunft der PR hat viel mit Vernetzung zu tun. Ein weiterer Aspekt der Vernetzung ist die Rück-Orientierung auf den Menschen. PR wird verstärkt den Bezug zwischen dem Konsumenten und dem Unternehmer herstellen. Es ist bald kein Widerspruch mehr, eine Business-Kampagne zu kommunizieren und trotzdem die Zielgruppe der Endkonsumenten anzusprechen.“ JEANINE VAN SEENUS

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Schießstandsachverständige der Bundespolizei (m/w/d) verschiedene Standorte
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Diplomingenieure / Bachelor (m/w/d) deutschlandweit
Brunel GmbH-Firmenlogo
Brunel GmbH Automatisierungsingenieur Maschinen- und Anlagenbau (w/m/d) München
Erwin Renz Metallwarenfabrik GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Erwin Renz Metallwarenfabrik GmbH & Co. KG Leiter Konstruktion (m/w/d) Mechanik und Elektrotechnik Kirchberg an der Murr
ADMEDES GmbH-Firmenlogo
ADMEDES GmbH Senior Ingenieur (m/w/d) QM & Regulatory Affairs Pforzheim
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG-Firmenlogo
AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG Senior EHS Specialist (m/w/d) Ludwigshafen am Rhein
Infineon Technologies AG-Firmenlogo
Infineon Technologies AG Prozessingenieur im Bereich Lithografie (w/m/div) Dresden
KEWAZO GmbH-Firmenlogo
KEWAZO GmbH Produktmanager (m/w/d) Robotik Garching bei München
BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung-Firmenlogo
BAM - Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung Wissenschaftliche*r Mitarbeiter*in (m/w/d) der Fachrichtung Werkstoffwissenschaft, Maschinenbau, Physikalische Ingenieurwissenschaft, Produktionstechnik oder vergleichbar Berlin-Steglitz
Völkl Sports GmbH-Firmenlogo
Völkl Sports GmbH Entwicklungsingenieur Ski (m/w/d) Straubing

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.