Medien 09.06.2000, 17:25 Uhr

Deutsche Mediathek macht Geschichte

Was lange währt, wird endlich gut. Wendet man diesen Spruch auf das Projekt „Mediathek“ in Berlin an, wird im Frühjahr 2001 ein unglaublich gutes Rundfunkarchiv eröffnet.

Das New Yorker „Museum for Television & Radio“ in der 52. Straße von Manhattan ist ein Geheimtipp für den europäischen Besucher. Nicht dass die Pullover-Sammlung von Bill Cosby, die dort ausgestellt ist, so ungemein bestrickend wäre. Auch die immense Zahl von gesammelten Rundfunk- und Fernsehprogrammen, bereits mehr als hunderttausend, kann nicht mehr als beeindrucken. Wirklich ergreifend dagegen ist zu beobachten, wie die Menschen reagieren, die an den verschiedenen Terminals ihre Wunschprogramme verfolgen.

Vivendis Interesse am Berliner Wasser sichert Mediathek-Pläne

Ein älteres Ehepaar, unter Kopfhörern versteckt, lächelt sich bei der Sendung einer Samstagabend-Show aus den fünfziger Jahren wissend zu: Das waren noch Zeiten. Kids heulen begeistert auf, als sie sich den Einzug des Popstars Michael Jackson beim Talkmaster Jay Leno wieder und wieder vorspielen. An diesem Ort bekommt die Begegnung mit dem Massenmedium Fernsehen eine geradezu sinnliche Qualität. Nach und nach haben sich Programme und Stars in das Leben der Zuschauer geschlichen, das Gerät wurde zum alltäglichen Gebrauchsgegenstand. Für viele Zuschauer verschränken sich nicht selten Lebens- und Mediengeschichte.
Nicht ganz so romantisch erscheint die Geschichte um die Errichtung des deutschen Pendants, der Mediathek. Das Projekt erscheint eher vergleichbar mit dem Turmbau zu Babel. Das Museum für Radio- und Fernseh-Programmgeschichte, das wahrscheinlich im nächsten Jahr im Sony-Center am Berliner Potsdamer Platz einziehen soll, kann mittlerweile auf einen schier endlosen Entwicklungsweg zurückblicken. Mehr als einmal war seine Existenz gefährdet. Zwar ist nun zumindest die Finanzierung geklärt, um die inhaltliche Ausrichtung wird jedoch noch weiter gerungen. Anders als im alttestamentarischen Babel sprechen die Beteiligten zwar dieselbe Sprache, dennoch verstanden sie sich lange Zeit nicht. Der Engelsgeduld des Gründungsbüros um den ehemaligen RIAS-Intendanten Helmut Drück ist es zu verdanken, dass das Projekt nicht sang- und klanglos unterging.
Am Anfang war die Idee. Sie reicht ins Jahr 1985 zurück, als der verstorbene Dokumentarfilmer Eberhard Fechner feststellte, dass der Norddeutsche Rundfunk (NDR) seine auf Magnetband gespeicherten Filme nicht archiviert, sondern gelöscht hatte – der Sender wollte teures Material sparen. Vom Kulturgut Fernsehen war damals, kurz nach dem Start der Privatsender, ohnehin noch nicht die Rede. Aufgeschreckt entstand daraufhin innerhalb der Akademie der Künste, der Fechner angehörte, eine Initiative, aus deren Reihen wiederum die Vision einer Mediathek und ein Förderverein hervorgegangen ist. 1993 kam es zu einem Senatsbeschluss in Berlin und zu einer Anschubfinanzierung für das Gründungsbüro. Auch der Standort Sony-Center wurde damals schon anvisiert.
Dann kamen die Probleme. Die Finanzierungsfrage nahm sämtliche Zeit- und Arbeitsreserven des Gründungsbüros in Anspruch. Es galt, die verschiedenen Rundfunkanstalten, öffentlich-rechtliche wie private, zu vereinen. Nicht lange, und es entbrannte ein Streit um die inhaltliche Konzeption der Mediathek. Außerdem machte Nordrhein-Westfalen mit der Oberhausener Ausstellung „Der Traum vom Sehen“ eigene Ansprüche auf eine ähnliche Institution geltend. Erst als im letzten Jahr der französische Vivendi-Konzern, der auch eine Beteiligung am Studio Babelsberg hält, im Poker um die Berliner Wasserbetriebe eine Finanzierungszusage gegenüber der Mediathek machte, nahm die Gründung Gestalt an. An der Finanzierung beteiligen sich nunmehr Vivendi mit 3,6 Mio. DM und die Stadt Berlin mit 1,6 Mio. DM. ARD und ZDF steuern 1,5 Mio. DM bei, die Privatsender RTL, Sat 1 und Pro 7 insgesamt 750 000 DM.
Während derzeit die Trägergesellschaft gegründet wird, entsteht bereits ein neues Tauziehen um die inhaltliche Ausrichtung des Museums. Seit jeher geplant waren Programmangebote aus den Kategorien Zeitgeschichte, Kultur, Sport und Unterhaltung. Große politische Ereignisse, erinnerungswürdige Kulturbeiträge, legendäre Sportveranstaltungen sowie populäre „Straßenfeger“ aus den letzten fünfzig Jahren sollen ebenfalls für das Publikum zugänglich gemacht werden.
„Im Mittelpunkt steht das Programmangebot aus der Vergangenheit – alles, was bedeutend, interessant, kontrovers und erfolgreich gewesen ist“, erklärt Gründungsbeauftragter Helmut Drück. Nach dem Vorbild des New Yorker Museums sollen sich Besucher aus dem Programmkatalog ihre persönlichen Wunschsendungen zusammenstellen können. Die Radio- und Fernsehprogramme lagern in digitalisierter Form auf riesigen Massenspeichern im Untergeschoss der Mediathek.
Zusätzlich sind Rahmenveranstaltungen geplant. Drück kann sich etwa vorstellen, den Grimmepreis in jedem zweiten Jahr von Marl nach Berlin zu holen. Auch sollen Schulklassen sich spezielles Medienmaterial beispielsweise für ihren Geschichtsunterricht zusammenstellen lassen können. Dem Schlüsselwort „Medienkompetenz“, das im neuen Rundfunkstaatsvertrag Berlin-Brandenburg verankert werden soll, wird in der Mediathek besondere Bedeutung zukommen. Dagegen verwahrt sich Drück gegen eine Ereigniskultur, wie sie gerade von Seiten der Privatsender für die Mediathek eingefordert wird. „Event-Kultur ist eine Eintagsfliege“, sagt der Gründungsbeauftragte, der sich indes aufgeschlossen zeigt gegenüber Musikvideos und anderen modernen Programmformaten.

Mediathek wird voraussichtlich im Frühjahr 2001 eröffnet

Vorgesehen ist neben der Berliner Kern-Mediathek, die einen Knotenpunkt bildet, auch der Anschluss mehrerer Sichtungsstätten in den verschiedenen Bundesländern via Breitbandtechnologie – so wollen es jedenfalls die ARD-Anstalten. In Bibliotheken und anderen öffentlichen Einrichtungen sollen sich Fernsehfans und historisch Interessierte jederzeit die Programme aus dem Berliner Bestand anschauen können. In Zeiten von Internet und Multimedia ist das nahe liegend. Es fragt sich dann aber, warum die Archive nicht gleich über das Internet jedem zugänglich gemacht werden. Vorerst konzentrieren sich die Anstrengungen auf das Stammhaus, die Dezentralisierung sei „der zweite Schritt“, sagt Drück. Im Frühjahr 2001 soll dann die Mediathek endlich eröffnet werden. HELMUT MERSCHMANN
Im Sony-Center am Potsdamer Platz soll das Rundfunkarchiv „Mediathek“ entstehen. Doch noch herrscht Streit über die genaue Ausgestaltung des Projekts. Geht es nach den ARD-Anstalten, wird es zusätzliche Archive in den Bundesländern geben.

Von Helmut Merschmann

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

Fritsch Bakery Technologies GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Fritsch Bakery Technologies GmbH & Co. KG Teamleiter (m/w/d) Projektierung Markt Einersheim
GWE pumpenboese GmbH-Firmenlogo
GWE pumpenboese GmbH Produktmanager (m/w/d) Pumpen Peine
XENIOS AG-Firmenlogo
XENIOS AG Projektleiter R&D (m/w/d) im Bereich Neuproduktentwicklung Heilbronn
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG-Firmenlogo
SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG Produktspezialist für Industriegetriebe (w/m/d) Bruchsal
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in für die Ausbildung zur Aufsichtsperson Wuppertal
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in für die Ausbildung zur Aufsichtsperson am Standort Duisburg Duisburg
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation-Firmenlogo
Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation Ingenieur*in für die Ausbildung zur Aufsichtsperson (Binnenschifffahrt) Duisburg
Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart Ingenieur*in (m/w/d) für das Maschinenbau-CAX-Innovation LAB Stuttgart
Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart-Firmenlogo
Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Stuttgart Laboringenieur*in (m/w/d) für Fahrzeug- und Antriebs-Prüfstände in der Fakultät Technik Stuttgart
LEIBER Group GmbH & Co. KG-Firmenlogo
LEIBER Group GmbH & Co. KG Entwicklungsingenieur (m/w/d) Schwerpunkt Innovation Emmingen-Liptingen

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.