Medien 30.06.2006, 19:22 Uhr

„Der Zuschauer kann jederzeit seine Wunschprogramme sehen“  

VDI nachrichten, Diepholz, 30. 6. 06, ps – Artec Technolgies geht an die Börse. Das Unternehmen aus Diepholz verdient mit Software für Videosicherheit und Angeboten für das Internet-Fernsehen sein Geld. Fragen an Ingo und Thomas Hoffmann, die beiden Firmengründer.

Thomas Hoffmann: Nein, es geht uns nicht um den schnellen Euro. Das Kapital aus dem Börsengang kommt vollständig dem Unternehmen zugute. Wir sind eine Familiengesellschaft und haben in schwierigen Zeiten privates Kapital eingebracht, damit es weiter gehen konnte.

VDI nachrichten: Warum haben Sie sich jetzt zum Börsengang entschlossen?

Thomas Hoffmann: Wir wollen kein Fremdkapital, keine Verbindlichkeiten haben. Mit Beteiligungsgesellschaften haben wir in der Vergangenheit nicht die besten Erfahrungen gemacht. Die stellen in der Regel Kapitalfragen in den Vordergrund, uns aber geht es um spannende Produkte. Und wir wollen unsere eigenen Chefs bleiben, Strategie und Wachstumstempo allein entscheiden. Für die nächsten fünf Jahre haben wir die Pipeline voll mit neuen Ideen. Für eine Mezzanine-Finanzierung ist der Kapitalbedarf, den wir haben, wohl zu groß.

VDI nachrichten: Welchen Nutzen verspricht der Börsengang?

Thomas Hoffmann: Zunächst einmal wollen wir das jetzt gerade anbrechende Internet-Zeitalter des Fernsehens mit gestalten. Dafür entwickeln wir Neuheiten. Das kostet Geld, dafür brauchen wir frisches Kapital. Als zweites sehen wir die Möglichkeit, als börsennotiertes Unternehmen einfacher strategische Beteiligungen einzugehen. Unsere Sicherheitssysteme sind im Ausland gesucht. Hier wollen wir den Vertrieb ausbauen. Last but not least bringt uns der IPO Aufmerksamkeit. Wir werden seit Wochen schon stärker wahrgenommen. Ein riesiges Plus.

VDI nachrichten: Womit verdienen Sie Ihr Geld?

Thomas Hoffmann: Unser Unternehmen steht solide auf zwei Beinen und in zwei Branchen. Zum einen bieten wir Videosicherheits-Software an. Bei der Digitalisierung der Sicherheitssysteme, die der Branche enormen Rückenwind verleiht, gehörten wir mit zu den Ersten. Dieser Markt wächst seit Jahren – eine Folge auch des 11. September 2001. Produktionsabläufe, Gewerbe- und Privatimmobilien werden mit Kameras und Softwaresystemen gesichert und ausgewertet. Hier liefern wir mit der Software das Herzstück der Sicherheits-Lösungen.

VDI nachrichten: Wie groß ist der Markt?

Thomas Hoffmann: Das Potenzial des Marktes für Digital Video Security ist enorm: In den nächsten fünf Jahren wird sich, so sagen die Forscher von Frost & Sullivan, der Umsatz mit Videoüberwachungs-Software weltweit von heute 200 Mio. $ auf 670 Mio. $ mehr als verdreifachen.

VDI nachrichten: Ihr zweites Standbein sind „digitale Medienlösungen“. Was hat man sich darunter vorzustellen?

Thomas Hoffmann: Hier sorgt die Entwicklung Richtung IPTV, also Internetfernsehen, für Freude. Wir statten Fernsehsender, Radiostationen sowie Internet-Service-Anbieter mit Systemen für digitale Medienangebote aus. Damit können diese ihren Kunden Inhalte in der Zweitvermarktung per Internet oder auch UMTS anbieten.

VDI nachrichten: Wo sehen Sie ihre Chancen bei IPTV?

Ingo Hoffmann: IPTV ist weltweit ein Thema. Es gibt unzählige Unternehmen, die sich in diesem neuen Markt tummeln. Alleine in Deutschland soll die Zahl der Haushalte mit Internet-Fernsehen von aktuell 150 000 auf fast 700 000 im Jahr 2009 steigen. Das haben Marktforscher der britischen Screendigest ermittelt. Eine von der Unternehmensberatung Goldmedia in Berlin erstellte Studie geht von einem noch schnelleren Wachstum aus: 2010 sollen bereits 1,3 Mio. deutsche Haushalte IPTV nutzen. Wir sind bereits vor Jahren auf eine sehr interessante Nische gestoßen: Interaktive Anwendungen für digitales Fernsehen ob per Internet oder auf dem Handy. Auf dieses Segment haben wir uns spezialisiert.

VDI nachrichten: Was bedeutet das konkret? Welche Produkte bieten Sie an?

Ingo Hoffmann: Erste Produkte dafür haben wir bereits vor über acht Jahren entwickelt. Wir haben schon vorhergesehen, wie das kommende Nutzungsverhalten aussehen wird. So ist zeitversetztes Fernsehen, genannt Time-Shift, quasi eine Entwicklung von uns. Das Entscheidende dabei ist, dass die Speicherung der Programme beim Sender auf dem Server erfolgt. Der Zuschauer braucht keinen Festplatten- oder DVD-Recorder, er kann auf die Daten bei seinem Internet-Provider oder Rundfunk-anbieter zugreifen. Wir bezeichnen das als Continuous Video on Demand. Diese Lösung ist inzwischen in Deutschland patentiert.

VDI Nachrichten: Haben Sie auch schon Kunden?

Thomas Hoffmann: Ja, zu unseren Kunden in diesem Bereich gehören Sender wie RTL, CNN in Hongkong, Fox-Sports in Australien. Und sogar die Uno in New York arbeitet mit der Technik aus Diepholz. Das ist aber erst der Anfang. In Deutschland haben wir in diesem Jahr schon zwei ausgesprochen große und spannende Projekte realisiert. Ich bin sicher, dass die Investitionswelle, die Telekommunikationsunternehmen in Sachen Internet-Fernsehen derzeit auslösen, uns neue Geschäfte und kräftige Umsätze bringen wird. Mit einem ersten Anbieter führen wir bereits konkrete Gespräche.

VDI nachrichten: Und ab wann kann der normale Zuschauer zeitversetzt fernsehen?

Ingo Hoffmann: Ich gehe davon aus, dass die ersten Dienste mit solchen Funktionen bereits innerhalb der nächsten zwölf Monate starten werden. Unsere Technik ist einsatzbereit. Wenn uns ein Anbieter den Auftrag erteilt, können wir innerhalb weniger Wochen ein funktionsfähiges System realisieren.

VDI nachrichten: Wo steht Deutschland beim Thema Internet-Fernsehen?

Ingo Hoffmann: Einige Länder und Regionen Asiens, wie Hongkong, Südkorea und Japan sind schon sehr weit bei digitalen und mobilen Mediendiensten. Dort gehören IPTV und Handy-TV bereits zum Alltag. In Europa hat Frankreich beim Internet-Fernsehen die Nase vorn. In Deutschland hat sich diese Entwicklung aufgrund der guten Versorgung per Kabel und Satellit verzögert. Wir sind jetzt aber auf dem besten Wege zur „Breitband-Nation“.

VDI nachrichten: Warum sind Sie eigentlich so sicher, dass Fernsehen per Internet und per Handy Zukunft hat?

Ingo Hoffmann: Die Menschen sind mobiler als vor zwanzig Jahren, erwarten immer stärker individualisierte Angebote. Internet und Handy eignen sich ganz besonders für solche maßgeschneiderten Angebote. Neue Techniken ermöglichen mehr Spontaneität. Und das wissen gerade die jungen Mediennutzer zu schätzen. Der Fernsehzuschauer der Zukunft kann jederzeit seine Wunschprogramme sehen. Man wird sich nicht mehr ärgern müssen, wenn man zehn Minuten zu spät bei der Tagesschau oder beim Fußball eingeschaltet hat. Auch das Programmieren eines Videorecorders wird überflüssig, da alle Sendungen rund um die Uhr digital gespeichert werden.

VDI nachrichten: Das heißt, es entsteht ein gigantisches digitales Fernseharchiv?

Ingo Hoffmann: Ja, unsere Technik ermöglicht den Aufbau von praktisch unbegrenzten TV-Archiven, die der Zuschauer dann immer und überall abrufen kann. Egal in welcher Qualität oder mit welchem Endgerät. Eine passende Suchmaschine, die zu jedem Stichwort passende Ausschnitte aus Filmen oder Nachrichten heraussucht, haben wir auch schon fertig entwickelt. Die Verbindung von Internet und Fernsehen ist aus unserer Sicht also sehr praktisch und Gewinn bringend.

VDI nachrichten: Videosicherheit klingt im Vergleich zu Handy-TV wenig aufregend. Gibt es Synergien zwischen den beiden Geschäftsfeldern?

Thomas Hoffmann: In beiden Geschäftsfeldern geht es darum, multimediale Inhalte, also Bild, Ton und Zusatzinformationen, geschickt zu verwalten. Der Nutzer soll möglichst schnell an das Bild oder die Szene, die er sucht und sehen will, kommen.Und in beiden Geschäftsfeldern gilt es das Problem zu lösen, wie man möglichst viele dieser Daten so speichert, dass sie später schnell und jederzeit verfügbar sind. JÜRGEN HOFFMANN

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