13.10.2000, 17:26 Uhr

Der Weg ist frei für AOL und Time Warner

Die Strategen von EMI und Time Warner kamen den EU-Wettbewerbshütern in Brüssel mit ihrer Fusions-Absage zuvor.

Es war ein schöner Plan. Die amerikanische Time Warner Gesellschaft und die britische EMI-Gruppe wollten sich in einem 20 Mrd.-Dollar-JointVenture zusammenfinden, um gemeinsam auf den Spitzenplatz im weltweiten Musikgeschäft aufzusteigen. Sie versprachen sich umfangreiche Kostensenkungen durch eine Restrukturierung ihrer Herstellungs- und Vertriebs-Operationen sowie eine wechselseitige Stärkung ihrer Marktpositionen. Die Kombination werde, so sagte EMI-Chairman Eric Nicoli, für die Aktionäre erhebliche Wertsteigerungen bedeuten.
Doch daraus wird nichts. Die Wettbewerbsbehörden der Europäischen Union hatten trotz der Bereitschaft der Unternehmen zu wesentlichen Konzessionen unüberwindliche Bedenken, und angesichts dieses Widerstandes gaben die beiden Joint-Venture-Partner ihren Plan in der vergangenen Woche auf. Zwar kündigten sie zugleich an, dass sie zu einem späteren Zeitpunkt mit einem anders strukturierten Vorschlag zurückkehren könnten, aber von Marktexperten wird das als wenig wahrscheinlich angesehen. Allerdings werden Marketing- und Vertriebsabkommen für möglich gehalten.
Diese Entwicklung stellt einen deutlichen Rückschlag für Hoffnungen von Time Warner dar, über den amerikanischen Markt hinaus zu expandieren. Über diese Enttäuschung kann auch nicht hinwegtrösten, dass die Brüsseler Behörden durchblicken ließen, sie werden die im Januar vereinbarte 135 Mrd.-Dollar-Fusion von Time Warner und American Online (AOL) voraussichtlich genehmigen. Alles in allem aber kann Time Warner mit der Entscheidung leichter leben als EMI, denn unter den Aktivitäten des amerikanischen Konzerns spielt der Musikbereich noch keine zentrale Rolle. Für EMI dagegen ist die Musik das Kerngeschäft. Der Verzicht auf den Vollzug des Joint-Venture wirft deswegen „Fragen über die Zukunft des Unternehmens auf“, wie Jessica Reif Cohen von Merrill Lynch feststellt. EMI hatte darauf gebaut, dass die Verbindung mit der US-Gesellschaft dazu beitragen werde, seine schlechter gewordene Präsenz auf dem großen amerikanischen Markt wieder verbessern werde. Der EMI-Marktanteil in den Vereinigten Staaten betrug in diesem Jahr nur noch 7,5 %. Vor zwei Jahren hatte er noch bei 13,5 % gelegen. Allerdings hatte auch Time Warner einige Mühe, seinen Anteil auf dem heimischen Markt zu behaupten. Der Marktanteil, der 1998 noch 17,25 % betragen hatte, fiel seither auf 14,5 % zurück.
In der Branche wird jetzt darüber spekuliert, ob EMI nach einem anderen Partner Umschau halten oder als Übernahme-Kandidat attraktiv wird. Bisher hat kein anderes Unternehmen, zumindest öffentlich, Interesse gezeigt. Allerdings hat schon vor einiger Zeit der Musik-Konzern Seagram einmal bei EMI vorgefühlt. Als möglich wird auch eine Verbindung von EMI mit der Bertelsmann-Tochter BMG-Entertainment angesehen. Experten weisen jedoch darauf hin, dass eine solche Kombination bei den europäischen Kartellbehörden auf ähnliche Bedenken wie beim Time Warner-Deal stoßen könnte. Das gelte nur dann nicht, wenn ein potentieller Partner oder Käufer nicht aus dem Musikgeschäft komme. In diesem Zusammenhang ist in den letzten Tagen auch Walt Disney ins Spiel gebracht worden. Das Unternehmen hat eine Stellungnahme zu solchen Gerüchten abgelehnt. An den Finanzmärkten kam die Frage auf, ob das Scheitern des Jointventures Einfluss auf die geplante Übernahme von Time Warner durch AOL haben könnte. Die Antwort scheint ein eindeutiges Nein zu sein.

Ist die Fusion von AOL und Time Warner noch sinnvoll?

Im Gegenteil: Die Markt-Reaktion auf das Scheitern war eindeutig positiv, die Aktienkurse von AOL und Time Warner stiegen. Für die Anleger dürfte die EMI-Transaktion ohnehin eher in der zweiten Reihe gestanden haben, denn sie sehen die Zukunft von Time Warner in Kabel-Systemen und der Herstellung von Programmen. Insofern ist die Mitteilung aus Brüssel, dass die Übernahme von Time Warner durch AOL kein wettbewerbsrechtliches Problem mehr darstellt, eine gute Nachricht. Sie bedeutet allerdings nicht, dass der Deal, der die alte und die neue Ökonomie kombinieren soll, damit schon endgültig sichergestellt wäre.
Die Wettbewerbshüter in Washington haben die Prüfung des Deals noch nicht abgeschlossen. Sie senden aber schon länger Signale, die Bedenken gegen die Transaktion in der vorliegenden Form anmelden. AOL-Chef Steve Case und Time Warner-Chairman Gerald Levin sind bereits in der amerikanischen Hauptstadt gewesen, um über Modifikationen der Großfusion zu reden. Unabhängig jedoch von den Vorbehalten der Behörden in Washington, die vor allem eine zu große Kontrolle über den Zugang von Konkurrenten zu Kabel-Systemen befürchten, gibt es in der Branche zunehmend Zweifel, ob der Zusammenschluss noch ökonomisch sinnvoll ist. Vor allem bei Time Warner gibt es Zweifel, über den Zusammenschluss von zwei so unterschiedlichen Unternehmenskulturen. Aber Michael Kelly, der Finanzchef des neuen Unternehmens werden soll, wischt die Zweifel weg: „Wir haben einen einzigartigen Plan, etwas zu schaffen, was es vorher noch nicht gegeben hat“, sagt er. GERD BRÜGGEMANN

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