Medien 09.04.2004, 18:29 Uhr

Der stille Star bei Bertelsmann

Arvato, Springer und Gruner & Jahr basteln an einer „Zusammenarbeit“, die Arvato zum Riesen in der Tiefdruckbranche machen dürfte. „Man ist optimistisch“, hieß es noch in dieser Woche in Gütersloh.

Kreativ“ ist sein Lieblingswort, sein Arbeitsmotto: „Stillstand ist Rückschritt“. Wohl nicht nur in diesen Punkten ist Arvato-Chef Hartmut Ostrowski seinem Vorgänger Gunter Thielen, dem jetzigen Bertelsmann-CEO, sehr ähnlich. „Wachstum stellt sich nicht von alleine ein“, sagte Thielen auf der Bertelsmann-Bilanzpressekonferenz letzte Woche in Berlin.
Wo andere über Innovationen reden, macht der Mediendienstleister Arvato vor, wie kreative Dienstleistungen in Verbindung mit neuesten Technologien erfolgreiche funktionieren.
Für die verschiedensten Kundengruppen entwickelt die Bertelsmann-Tochter, mit 26 % nach RTL der Hauptumsatzbringer im Gesamtkonzern, neue Services. „Dabei bieten wir die gesamte Wertschöpfungskette“, erklärt Ostrowski immer wieder. Ob Direktmarketing, Handyauslieferung, IT-Systemintegration oder Callcenter – Arvato übernehme für jedes Unternehmen die passende B2B-Komplettlösung, verspricht Ostrowski.
Die Kritik, dass das Portfolio von Inhaltekonzeption über Druck und Vervielfältigung bis hin zu Logistik und Vertrieb sowie Customer Care zu breit gefächert und gar ein „Gemischtwarenladen“ sei, lässt der umtriebige Arvato-CEO nicht gelten. „Die Maßgröße ist doch: Wie gut ist das Geschäft, das daraus entsteht?“
Gerade die dezentrale Struktur, die sich aus dieser Aufteilung ergebe, fördere die „Kreativität der Unternehmer im Unternehmen“, so Ostrowski im Gespräch mit den VDI nachrichten. Viele Innovationen, wie die neue 4,32m-Druckmaschine für den Medienverbund Maul-Belser, seien von den eigenen Mitarbeitern angestoßen worden, die immer wieder genügend Freiraum für „kreative Minuten“ erhalten würden.
Vor allem die zahlreichen Ingenieure im Unternehmen seien der „Kreativ-Pool“. Allerdings, so Ostrowski , sei es wichtig, dass die Tüftler auch den wirtschaftlichen Rahmen im Kopf behielten und nicht „in Selbstgefälligkeit und Schönheit immer weiter entwickeln.“
Von den Schwierigkeiten in der Medienbranche und Umsatzeinbrüchen im Tonträgermarkt lässt sich Ostrowski als Head der Sonopress offenbar wenig beeindrucken. Er sieht dagegen neue Chancen: „Die CD-Preise und auch die Preise für Abspielgeräte sind inzwischen so niedrig, damit eröffnen sich völlig neue Marketing-Möglichkeiten“, erläutert Ostrowski. So habe man gerade einen Riesenauftrag von Coca Cola an Land gezogen, um 6 Mio. Promotion-CDs (8 mm) zu produzieren. Diese würden dann zum Beispiel in den Deckeln von Getränke-Bechern verteilt.
Mit solchen Ideen will Ostrowski immer neue Kundengruppen erschließen. „50 % unserer Kunden stammen aus dem Medienbereich. Andere Branchen wie Auto, IT oder Telekommunikation sind weitaus größer, da gibt es noch hohe Wachstumschancen.“ Zum festen Kundenstamm gehören Lufthansa, Rewe sowie der ADAC und fast alle deutschen Mobilfunkkonzerne.
Wachstum zu generieren, das ist eine der harten Vorgaben von Bertelsmann-Chef Gunter Thielen, der den weltweit agierenden Medienkonzern in den vergangenen eineinhalb Jahren wieder auf Kurs Richtung Kerngeschäfte gebracht hat. Langfristig soll jeder Unternehmensbereich um 10 % wachsen. „Wir liegen mit mehr als 5 % derzeit über dem Konzerndurchschnitt“, sagt Ostrowski dazu und gibt sich gelassen.
Dennoch – 2003 baute Arvato 300 Stellen ab, mit neuen Entlassungen ist laut Ostrowski jedoch dank verbesserter Auftragslage erst einmal nicht zu rechnen. Das Wechselkurs-Debakel hat 2003 rund 150 Mio. € Umsatz gekostet. Inzwischen muss auch der Meister des Outsourcing darüber nachdenken, mit Auslagern Kosten zu sparen.
So verlagert Arvato inzwischen Teile von Aufträgen ins Ausland und nennt das „Offshore-Services“. So werden Daten zu einer Tochterfirma nach Indien geschickt. Dort werden sie mehrmals erfasst und kommen zurück in westliche Produktionsstätten. „Das ist inzwischen nötig, um an gute Aufträge zu kommen und Kunden optimal zu betreuen“, sagt Ostrowski. Er will die Zahl der Mitarbeiter für Kommunikationsdienstleistungen in Indien bis Mitte 2004 verdreifachen.
Das internationale Geschäft werde immer wichtiger, doch der Unternehmenslenker will gerade den asiatischen Markt nicht zu hoch bewerten. „3 % Wachstum jährlich in Asien sind hübsch, aber längst noch nicht genug“, sagt Ostrowski. Dennoch hält er „momentan Ausschau nach interessanten Akquisitionsmöglichkeiten“ in Amerika und Asien.
Ganz oben auf der Agenda steht der Ausbau des europäischen Tiefdrucknetzwerkes. Zwar war die Zusammenarbeit von Springer, Gruner & Jahr sowie Arvato in Sachen Tiefdruck am Dienstag dieser Woche zu Arvatos-Bilanz-Pressekonferenz noch nicht in trockenen Tüchern, aber: „Es hat weitere Gespräche gegeben. Man ist optimistisch, dass man innerhalb der nächsten Wochen eine Lösung für die noch ausstehenden Fragen findet.“
In Treviglio, Italien, investiert Arvato zurzeit rund 100 Mio. € in das Tiefdruckprojekt New Eurogravure – die höchste Investition in der Unternehmensgeschichte. Und für Großbritannien prüft Ostrowski zurzeit Baupläne – ebenfalls in dreistelliger Millionenhöhe.STEPHAN EDER/SIMONE ZELL

Von Eder/Simone Zell

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