Medien 05.09.2008, 19:37 Uhr

Der HDTV-Zug kommt langsam in Fahrt  

VDI nachrichten, Berlin, 5. 9. 08, jdb – Das Thema HDTV war auf der IFA allgegenwärtig. Fast jedes TV-Display ist in der Lage, hochauflösende Bilder zu präsentieren. Doch noch immer hapert es bei der Empfangstechnik und auf der Programmseite. Immerhin steht die Planung von ARD und ZDF zum Umstieg jetzt fest. Derweil ruft die Industrie nach HD-Inhalten, um mehr HD-fähige Empfänger in die Haushalte zu bringen.

Das wird auch nötig, denn langsam nimmt der HDTV-Zug erkennbar Fahrt auf. Nachdem Arte bereits seit dem 1. Juli testweise HD überträgt, soll ab 1. Januar nächsten Jahres der Regelbetrieb starten. Auch ARD und ZDF werden noch zu Weihnachten und dann 2009 zur Leichtathletik-WM (15. bis 23. August Berlin) sowie zur IFA (4. bis 9. September) weitere HDTV-Showcases durchführen.

Für das kommende sportliche Großereignis ist das ZDF der Host-Broadcaster, der die HD-Bilder produziert und weltweit bereitstellt. Wie ZDF-Intendant Markus Schächter andeutete, würde der Leichtathletik-Showcase bereits in einen Testbetrieb übergehen, ehe voraussichtlich am 12. Februar 2010 der Regelbetrieb beginnt. Ab 2012 solle nur noch in HDTV produziert und übertragen werden, simulcast als SD in digital und analog, versteht sich. Im Gegensatz zur ARD zeigte sich das ZDF bisher HD-abstinent. „Ein Glück, dass wir besonnen geblieben sind, wir mussten nicht, wie private Anbieter, abschalten“, so der ZDF-Intendant während eines Mediendialogs. Denn in Deutschland gebe es erst 550 000 HDTV-fähige Empfangsgeräte, das sind etwa 1,5 % der Haushalte.

Bereits im Vorfeld der IFA forderte daher der Bundesverband Technik des Einzelhandels (BVT) von den Sendergruppen ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat1 „die umgehende Ausstrahlung von HDTV“. Alle wesentlichen Handelsgruppierungen der Branche wie ElectronicPartner, Euronics, Expert, Media Markt, REWE UE/ProMarkt, Saturn und Telering würden den Appell unterstützen. Selbst die Medienpolitik sei gefordert, „den Versorgungsauftrag der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten zu überprüfen“, stellte BVT-Vorsitzender Willi Klöcker fest.

Umstritten ist noch immer der Ausstrahlungsstandard. „Während andere Industrienationen mit Hochdruck am HDTV-Nachfolger arbeiten, planen die öffentlich-rechtlichen Anstalten, erst in 2 Jahren mit der Einführung einer heute schon veralteten Technologie zu beginnen. 720 Zeilen sind nicht Stand der Technik, sondern im wahrsten Wortsinn von gestern. Hier werden unsere Rundfunkgebühren in den Sand gesetzt“, heißt es in der BVT-Erklärung.

„Totaler Blödsinn“, argumentierten Industrievertreter während einer Veranstaltung der Deutschen TV-Plattform. In der Tat ist der Unterschied zwischen den beiden Formaten nur unter besonderen Bedingungen zu sehen. Bei schnellen Bewegungen hat das 720er-Format die Nase vorn, während bei ruhigen Bildern 1080i Vorteile zeigt.

Andererseits sind die Kodier- und Kompressionsprozesse mit einem progressiven Format einfacher als mit einem „Interlaced-Format“, also mit Beibehaltung der etwa 80 Jahre alten Halbbildtechnik, die freilich noch immer in der Mehrzahl der HDTV-Sender zu finden ist. Andererseits befürwortet Hiroshi Sakamoto, Vize President Business & Product Strategy von Sony UK, das 1080i-Format. „Vor zwei, drei Jahren war 720p in der Tat besser – heute ist interlaced kein Problem mehr.“

Den Streit könnte man schlichten, würden Sportaufnahmen progressiv und kulturelle Dokumentationen im Halbbildverfahren übertragen, was für die öffentlich-rechtlichen Broadcaster allein aus technisch-personellen Gründen nicht in Frage kommt. Den Geräten jedenfalls ist es egal – sie können beides. Und auch das Hochkonvertieren von 720p auf 1280 x 768 bzw. 1920 x 1080 ist artefaktfrei möglich. Die Übertragung eines progressiven 1080-Zeilen-Signals ist dagegen auf absehbare Zeit nicht praktikabel.

Beim „Druck-Machen“ steht die Industrie dem Handel indes nicht nach. „Wir liegen noch hinter Albanien“, so Gerhard Schaas, Vorsitzender der TV-Plattform. Gerade anfangs werden echte HDTV-Programme noch recht spärlich sein. Damit Zuschauern und Handel das permanente Suchen erspart bleibt, haben Hessischer Rundfunk, das Institut für Rundfunktechnik (IRT) sowie Kathrein und Loewe ein HD-simulcast-Verfahren entwickelt, bei dem vereinzelt vorliegende HD-Programme automatisch in einem gemeinsamen Kanal gebündelt und abgespielt werden.

„Damit brauchen in der Anfangsphase nicht drei HDTV-Kanäle betrieben zu werden, sondern nur einer“, so Rainer Schäfer vom IRT. Ein ähnliches Verfahren gab es in Japan. Da teilten sich alle großen Broadcaster einen HDTV-Kanal, der täglich von einem anderen Anbieter bespielt wurde. So weit wird HD simulcast nicht gehen können, medienpolitische Rahmenbedingungen dürften das nicht zulassen.

Für die Industrie wird HDTV jedenfalls die Regel. Loewe z. B. wird ab Oktober alle seine Fernseher ab 32 Zoll mit HDTV-Tunern ausstatten.

RAINER BÜCKEN

Mit der Leichtathlethik-WM beginnt das HDTV-Zeitalter

Von Rainer Bücken

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