Die Vorstellung ist grotesk 13.04.2001, 17:29 Uhr

Der Datenautobahn fehlen noch die Anschluss-Stellen

Ein leistungsfähiges Autobahnnetz durchzieht Deutschland – nur wurde aus Kostengründen auf die Anschluss-Stellen verzichtet. Dass der Ausbau des TV-Kabelnetzes noch mehrere Jahre dauern und viele weitere Milliarden kosten wird, war eines der Hauptthemen auf der ANGA Cable in Köln.

Thomas Braun, Präsident des Verbandes Privater Kabelnetzbetreiber, kurz ANGA genannt, wird langsam ungeduldig. „Den vielen Worten müssen endlich Taten folgen“, forderte er. „Die ANGA sieht dringenden Handlungsbedarf, um das Potential der Kabelnetze im Sinne der Kunden erschließen zu können.“
Dabei verkennt auch er nicht die Schwierigkeiten, jahrelange Versäumnisse beim Ausbau und der Entwicklung von investitionsfreudigen Rahmenbedingungen kurzfristig wettzumachen. Und bis Highspeed-Internet, digitales Fernsehen und vielleicht sogar Telefonie über das TV-Kabelnetz funktionieren, wird es wohl noch ein paar Jahre dauern. Und die Deutsche Telekom hat mit ihrer Verzögerungspolitik beim Netzausbau alles getan, damit das Kabel auch im Jahre 2001 das bleibt, als was es 20 Jahre zuvor konzipiert wurde – eine Oneway-Strecke zur Versorgung der Teilnehmer mit Hörfunk und Fernsehen. Die war zuerst nur für 300 MHz ausgelegt, wurde dann auf 450 MHz erweitert, um Platz für weitere analoge und – zunächst – D2-MAC-TV-Programme zu schaffen. Auch an HDTV-Übertragungen war zeitweilig gedacht.
Während Industrie, Programmanbieter und private Kabelbetreiber schon längst einen Ausbau auf 606 Mhz oder gar 862 Mhz forderten, wurde der Ausbau blockiert – vor allem der Rückkanal wurde nicht geschaltet, und in den Häusern kam mit der Baumstruktur eine leicht zu installierende, aber nicht zukunftsträchtige Verkabelungstechnik zum Einsatz. Eine echte Sternstruktur wäre zwar aufwändiger, aber langfristig effektiver gewesen. Jetzt müssten in der Mehrzahl aller Häuser die Kabel neu verlegt werden, denn die bisherigen Ausbaumaßnahmen enden fast alle unterhalb der Wohnungen – und ermöglichen dort bestenfalls interaktives Kellerfernsehen.
Dabei wollen es die Kabelstrategen nicht belassen und suchen händeringend nach Lösungsmöglichkeiten, die zudem auch mach- und bezahlbar sind. So informierten sich 2800 Besucher aus der Wohnungswirtschaft, der Industrie, Behörden und Verbänden auf der zum dritten Mal durchgeführten ANGA Cable in Kongress und Ausstellung über die aktuellen Markttrends.
Die neuen Standards sind dabei nicht immer beliebt, schon gar nicht bei den ausländischen Investoren, die um eine rasche Aufrüstung des Netzes nicht herum kommen. Hinter den Kulissen war zu hören, dass die Unternehmen Callahan, Klesch und Liberty Media um „typisch europäische“ Entwicklungen einen Bogen machen und dafür amerikanische Technik installieren würden. Leidtragende dürften im Kabelmodem-Bereich die DVB/Davic-Modems sein, die das Rennen gegen die in den USA entwickelten „EuroDOCSIS“-Modems bislang nicht mithalten konnten. Während in den USA schon Hunderttausende von DOCSIS-Kabelmodems installiert sein sollen, gibt es in Europa nur wenige Hundert so genannter DVB/Davic-Modems – aber eine enorm wachsende Zahl von EuroDOCSIS-Geräten. Und das steht für „European Data Over Cable Service Interface Specification“ und beschreibt ein Verfahren, mit dem das Breitbandkabel auch für Internet, Rückkanal und sonstige Multimediatechniken beladen werden kann. Dazu enthalten die beim Teilnehmer zu installierenden Geräte sowohl einen Modulator als auch einen Demodulator, um die zusätzlichen Daten ins Kabel zu schaufeln oder wieder herauslassen. Experten halten die EuroDOCSIS-Technik für deutlich weiterentwickelter als die des europäischen DVB-Pendants.
Aber auch die europäische Settop-Boxen könnten aus dem Kabel verschwinden. „Wir sind in intensiven Gesprächen mit den neuen Kabelnetzbetreibern und rechnen uns für unsere Box und unser Conditional Access-System sehr gute Chancen aus“, freut sich Klaus Lohse, Director Business Development von Motorola Broadband Communications sowie Leiter der Arbeitsgruppe „Netzausbau“ im Forum ANGA-ZVEI.
Dass damit auch das Thema „MHP – Multimedia-Home-Platform“ in den „amerikanisierten“ Kabelnetzen nicht mehr vorkomme, will Lohse nicht gelten lassen. „Unsere Hardware-Plattform ist offen, jeder Anbieter kann seine Software darauf laufen lassen, egal ob OpenTV, Microsoft oder Liberate – der Kunde muss entscheiden. Doch da bleibt den neuen Kabelbesitzern nur ein gewisser Handlungsspielraum, haben die Hausjuristen der Telekom doch die bisherigen Verträge weiterhin festgeschrieben. Problematisch ist dabei der weitere Einsatz der d-Box. Kaum ein Netzbetreiber will sie, und auch die Kunden reißen sich nicht darum. Das wiederum schweißt zusammen, und so wurde auf der ANGA-Cable durch Vertreter von BetaResearch mitgeteilt, dass nun das Verschlüsselungssystem Betacrypt und das so genannte Middleware-System „Java Virtual Machine“ frei verfügbar sein sollen. Ein erster Schritt von Seiten Kirchs, die d-Box zu öffnen. Als erster Kooperationspartner trat dann das Kieler Unternehmen Galaxis mit dem Prototyp eines Dekoders an, bei dem das Verschlüsselungssystem in einem „Singlechip“ integriert ist.
Die derzeit laufenden Ausschreibungen für Settop-Boxen, die von Callahan in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen initiiert wurden, dürften somit bald in eine neue Runde gehen. RAINER BÜCKEN

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