MEDIEN 17.12.2010, 19:50 Uhr

Der 1000-Mbit-Mann sorgt für Speed im TV-Kabelnetz

Mit Internet, Telefonie und neuen Diensten rund um das digitale Fernsehen will der größte deutsche Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland bei seinen Kunden punkten. Doch bei denen ist auch das analoge Kabel-TV noch immer beliebt. Cheftechnologe (CTO) Lorenz Glatz setzt deshalb auf Innovationen, die leicht bedienbar und für die Kunden verständlich sind.

Ob neue Produkte oder verzwickte Abkürzungen – Lorenz Glatz gelingt es, auch komplizierte Zusammenhänge in seinem Unternehmensbereich verständlich darzustellen. „Ich versuche, die technischen Möglichkeiten in eine Sprache zu übersetzen, die auch von unseren Shareholdern und den Mitarbeitern verstanden wird“, sagt der CTO von Kabel Deutschland, kurz KD.

Allein mit dieser Aufgabe hätte der Österreicher eigentlich schon genug zu tun. Denn Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber hat nicht erst seit dem Amtsantritt von Lorenz Glatz 2006 so manche Innovation auf den Weg gebracht – von PVR über HD-TV und CIPlus bis hin zu Video on Demand und DVB-C2 oder Eurodocsis 3.0 reicht die Bandbreite der neuen Dienste und Standards. Glatz möchte „das Interface sein zwischen der technischen und der Unternehmenswelt“, und glaubt man Mitarbeitern in seinem Umfeld, gelingt ihm das auch.

Diese Qualität haben offenbar auch die Mitglieder der Cable Labs Europe erkannt, die ihn in diesem Jahr zu ihrem Chairman gewählt haben. Der Mann mit dem festen Händedruck, der bei der Kabel Deutschland für Strategie, Design, Lieferantenauswahl und Implementierung im Bereich der technischen Infrastruktur zuständig ist, verfügt über ein gesundes Selbstbewusstsein. „Ich vermute, dass meine Karriere auch darauf beruht, in ganzen Sätzen sprechen zu können“, sagt der 41-Jährige mit einem leichten Augenzwinkern. Ein Blick auf die Vita scheint ihm recht zu geben.

Während seines Studiums für computerorientierte Physik packte ihn die Faszination für das Internet. „Klassische Mechanik für Maschinenbauer an der Universität zu unterrichten war letztlich nicht mein Fall“, erklärt Glatz. Lieber nahm er da zunächst das Angebot eines österreichischen Internetproviders an. Später kletterte er die Karriereleiter beim Kabelnetzbetreiber UPC nach oben und hatte maßgeblichen Anteil beim Aufbau des internationalen Breitbandnetzes, bevor er die technische Leitung beim größten deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland übernahm.

Hier sieht er sich und sein 80-köpfiges Team als „Teil des Innovationsmotors“ im gesamten Unternehmen. Denn die Impulse für neue Entwicklungen kommen auch aus anderen Abteilungen. Doch bei aller Begeisterung für die neue digitale Welt: „Wir können es uns nicht leisten, Technik um der Technik willen zu entwickeln – hier braucht jede Anwendung auch ein Business-Modell.“ Das gilt nicht zuletzt, seitdem das Unternehmen in diesem Jahr den Sprung an die Börse wagte und im MDax notiert ist.

 

Neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und beispielsweise die alte TV-Kabelinfrastruktur für schnelles Internet und digitales Fernsehen aufzurüsten, damit hat Kabel Deutschland erst später begonnen als etwa die europäische Konkurrenz. Zu lange hatte der Verkaufsprozess um die begehrte Kabelinfrastruktur gedauert, die zuvor der damalige Monopolist Deutsche Telekom aus wettbewerbsrechtlichen Gründen abgeben musste.

Schließlich wurden im Jahr 2003 sechs der so entstandenen neun regionalen Kabelgesellschaften von einem Investorenkonsortium aus Apax Partners, Goldman Sachs Capital Partners und Providence Equity Partners gekauft und in der Kabel Deutschland Gruppe gebündelt. Dass KD aufgrund seiner Historie seitdem immer mehrere Schritte gleichzeitig machen muss, sieht Glatz gelassen: „Zum einen liegt dadurch natürlich eine große Last auf unserer Organisation. Zum anderen gibt es uns aber die Chance, aus den Erfahrungen anderer Netzbetreiber zu lernen.“

Inzwischen sind nach Unternehmensangaben 265 000 km Fernsehkabel digitalisiert, 1,2 Mio. Kunden haben sich neben ihrem Kabelanschluss auch für Internet und Telefonie über KD entschieden. Zudem setzen sich neue Dienste wie Personal Video Rekorder (PVR) oder hochauflösendes Fernsehen (HD-TV) nach und nach bei den Kunden durch. „Wir wollen über unsere Plattform ein Gesamt-Medienerlebnis beim Kunden schaffen“, so das Credo von Glatz.

Doch viele Kunden in den mehr als 8 Mio. versorgten Haushalten schwören noch immer auf das gute alte analoge TV-Kabel. Ist das für einen innovationsfreudigen CTO nicht sehr frustrierend? „Ich finde das eher lehrreich“, betont Glatz. „Das zeigt uns, dass jeder neue Dienst so einfach sein muss, dass ihn auch meine Mutter leicht bedienen kann.“ Ein Beispiel dafür sei etwa das CIplus-Modul, mit dem verschiedene verschlüsselte Sender empfangen werden können.

Den größten Vorteil habe KD, wenn ein Kunde seinen gewohnten Internet- oder Telefonanbieter wechselt. „Wir befinden uns gerade in einem ,Window of Opportunity“, das sogar noch eine Dekade geöffnet sein wird. In diesem Zeitfenster sind wir im Bereich der Bandbreite Platzhirsch – da gibt es in puncto Preis-Leistung eigentlich keine Alternative.“

Und noch einen Vorteil sieht Glatz gegenüber der Konkurrenz: „Im Kabel können wir grundsätzlich jeden neuen Dienst sofort zentral anbieten – der Netzeingriff erfolgt dann erst beim Skalieren mit dem Kundenwachstum.“ Mit bis zu 100 Mbit/s und 200 Mbit/s können KD-Kunden in einigen Gebieten bereits durch das Breitbandnetz surfen. Und sogar einen 1000 Mbit/s-Versuch haben Glatz und seine Leute jüngst in Zusammenarbeit mit Cisco realisiert. Doch in den Erfolg des geglückten Testlaufs mischte sich auch Ernüchterung. „Wir haben uns, ehrlich gesagt, schwer damit getan, das Gigabit tatsächlich mit Inhalten aus dem Netz zu füllen“, gibt der Stratege offen zu.

Da wendet sich der Mann aus Wien lieber erstmal anderen technischen Neuerungen zu, etwa der Einführung des neuen Kabel-TV-Standards DVB-C2, mit dem z. B. eine höhere Datenrate bei der Übertragung erzielt werden kann. Der Standard soll nach Aussage von Glatz ab Mitte 2011 nach und nach in neuen Receivern eingesetzt werden. „DVB-C2 haben wir maßgeblich für die europäische Kabelindustrie vorangetrieben“, erklärt Glatz, der KD klar als Bandbreiten- und Technologieführer im deutschen Breitbandmarkt sieht. „Nicht zuletzt aufgrund unserer Größe haben wir Einfluss auf die gesamte europäische Kabelbranche.“ Da war es wieder, das gesunde Selbstbewusstsein.  SIMONE FASSE

Von Simone Fasse

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