Medien 11.10.2002, 18:22 Uhr

„Das interaktive Fernsehen zum Mannschaftssport machen“

Spätestens zum Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr sollten sie für die Kunden propagiert werden, die Themen Interaktives digitales Fernsehen und MHP. Doch bisher bekommen die Konsumenten nur wenige und manchmal sogar verwirrende Fakten über den Markt und neue Geräte serviert. Das muss sich schnellstens ändern, fordert Lutz Mahnke, Vorsitzender der Brancheninitiative FUN.

Vor wenigen Tagen besuchte ich ein Symposium zum Thema interactive TV, kurz iTV. Es trafen sich die unterschiedlichsten Experten, um über die Zukunft des interaktiven Fernsehens zu diskutieren. Spannend war: Es wurde über Technologie diskutiert, darüber wie die Spezifikationen aussehen, wann Endgeräte zu erwarten sind, ob Bandbreite vorhanden ist, wie Rückkanäle zu bedienen sind – kurzum: Es war toll! Es war ein Expertentreffen!
Ich selbst habe Anfang des Jahres erklärt, dass nun Schluss sein muss mit der Technologiediskussion und dass es Zeit ist für Taten.
Die Mainzer Erklärung, in der sich im September vergangenen Jahres die großen Rundfunkanstalten (ARD, ZDF, RTL) und Programmanbieter (Kirch- Gruppe) zusammen mit der Direktorenkonferenz der Landesrundfunkanstalten (DLM) zur uneingeschränkten Unterstützung der MHP (Multimedia-Home-Plattform) bekannten sowie die Resolution des Europäischen Parlaments vom 26. September 2002, die sich ebenfalls deutlich für den Standard MHP ausspricht, sind eine deutliche Ansage für die Zukunft.
Die Technologie ist definiert, selbst die Politik zieht mit. Es fehlt mal wieder der Konsument. Wenn er denn überhaupt schon etwas über das Thema weiß, reibt er sich verdutzt die Augen, beschäftigt sich eventuell damit, geht zu seinem Fachhändler, erkundigt sich und erfährt im besten Falle: „Tut mir leid, Herr/Frau Kunde, haben wir noch nicht. Aber wir können Ihnen Zapping-Boxen mit Common Interface anbieten, damit Sie Premiere empfangen können.“ Das so genannte Common Interface bietet als Schnittstelle und Einsteckschlitz für die Smartcards verschiedener Anbieter dem Kunden zwar die Möglichkeit selbst zu wählen, welches Abonnement er bei wem abschließen möchte – mit interaktiv hat das aber deshalb noch lange nichts zu tun.
Eine Journalistin stellte nicht ganz unberechtigt die Frage „Ist MHP ein Wolkenkuckucksheim?“ Ich zucke immer noch bei der Frage, allerdings mittlerweile eher resigniert. „Stell dir vor, das interaktive Fernsehen kommt und keiner schaut hin.“
Und warum schaut niemand hin? Weil der geneigte Zuschauer, den ja die Programm-Macher und andere Inhalteanbieter abholen wollen, an einer Bushaltestelle steht, die eingerichtet ist. Es sind aber weder Fahrpläne zu finden, noch halten Busse. Sprich: Wann welche wunderbaren interaktiven Dienste verfügbar sind, für die man die ganze Technik schließlich geschaffen hat, ist über die Technikdiskussion kurioserweise vergessen worden.
Was mir fehlt ist das Verständnis aller Beteiligten, interaktives digitales Fernsehen endlich als Mannschaftssportart zu begreifen.
Gerade vor dem Hintergrund, dass einer der letzten Beschlüsse der Kohl-Regierung war, das analoge Fernsehen bis 2010 komplett durch digitales zu ersetzen, sollten alle Beteiligten daran interessiert sein, dem Konsumenten wirklich zu erklären, was das bedeuten kann.
Ich will damit sagen, dass es bis zum heutigen Zeitpunkt keine Aufklärung für den Zuschauer (und somit für die Käufer der Settop-Boxen) gibt, was interaktives digitales Fernsehen ist, und was er eigentlich davon hat. Es kann nicht sein, dass unterschiedliche Marktplayer zwar erklären, dass es Applikationen demnächst geben wird, dass es Endgeräte zum Weihnachtsgeschäft geben wird und der Kunde nicht weiß, was er damit anfangen soll.
Hier und dort tagen kleine Gruppen und geben mehr oder weniger sinnvolle Erklärungen ab. Was aber noch immer fehlt, ist das Gesamtbild.
Daraus folgt eine simple Überlegung: Der Standard MHP, auf den man sich geeinigt hat, ist nur ein Werkzeug, das genutzt werden soll, um den horizontalen Markt zu bedienen.
Auf der Branchenmesse IBC (International Broadcasting Convention, Amsterdam) gab es erste Inhalte und auch einige Endgeräte zu sehen. Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, um eine gemeinsame Anstrengung aller Marktbeteiligten zu unternehmen und mit Hilfe einer ausgeklügelten gemeinsamen Marketing- und Kommunikationsstrategie und einer damit verbundenen Kampagne den an der Haltestelle Wartenden nicht weiter zu verwirren oder gar zu frustrieren, sondern ihn abzuholen. Es genügt nicht, dass der Konsument erfährt, wo der Nutzen für die Settop-Boxen Hersteller oder auch für die Wohnungswirtschaft oder die Kabelnetzbetreiber liegt. Die Diskussion über Wertschöpfungsketten ist vollkommen irrelevant und sehr verwirrend.
Es genügt auch nicht, den Fachjournalisten dürre Pressemitteilungen zu schicken über erste Formate, die demnächst in MHP interaktiv ausgestrahlt werden. Warum wird dem Konsumenten nicht statt dessen erklärt, dass er mit Hilfe des interaktiven Fernsehens weitere Erklärungen, Informationen bekommen kann, dass im interaktiven Fernsehen auch sein Spieltrieb im besten Sinne des Wortes bedient wird, er sogar Geld ausgeben kann für Spontankäufe, ohne vorher noch zum PC zu rennen und die große weite Internetwelt befragen zu müssen.
Es gibt Menschen, die beklagen das mangelnde Verständnis in den Programmredaktionen. Die Kommunikationsexperten sind gefordert, den Kreativen und dem Konsumenten das interaktive Fernsehen und seine Vorzüge so simpel wie möglich transparent zu machen. Übrigens, auch ein Kreativer ist Konsument. Vielleicht ist das ein hilfreicher Hinweis.
Ein wichtiger Faktor muss sich in diesem Zusammenspiel ebenfalls aktiv beteiligen, und das sind die Kabelnetzbetreiber. Hier sind nicht die berühmten Betreiber der Netzebenen 3 und 4 gemeint, sondern dies ist deutlich adressiert an Ish, Iesy und die Kabel Deutschland sowie an die neuen Investoren, die die Deutsche Telekom für die verbliebenen Kabelregionalgesellschaften sucht. Es ist marktfördernd, wenn diese Gruppen sich auch endlich positiv zu MHP äußern und damit ein immer noch virulenter Unsicherheitsfaktor aus dem Wege geräumt ist.
In diesem Sinne möchte ich Politik, Regulierer, Inhalteanbieter, Programmveranstalter und Endgerätehersteller auffordern, endlich gemeinsam in den Dialog mit den Konsumenten einzutreten und auch auf diesem Wege den Markt auf die kommenden, spannenden, interaktiven Zeiten einzuschwören. LUTZ MAHNKE

Free Universe Network
Offene Standards, freier Marktzutritt
Gegründet wurde der Branchenverband Free Universe Network (FUN) im Jahr 1999 als unabhängige Medienallianz und technische Plattform. Zu FUN gehören mehr als 30 Mitglieder aus den unterschiedlichsten Bereichen des digitalen Fernsehens, beispielsweise Hardwarehersteller, Programmveranstalter, Applikationsentwickler und Hersteller von Verschlüsselungssystemen. Ziel ist es, einen offenen, diskriminierungsfreien Zugang zum Markt zu erreichen und sämtlichen Marktteilnehmern zu ermöglichen, ihre Geschäftsmodelle erfolgreich zu vermarkten. FUN setzt sich seit der Gründung für MHP und Common Interface als Standard ein. Lutz Mahnke ist Mitinitiator und von Beginn an Vorsitzender von FUN. Das Fachmagazin „Cable and Satellite Europe“ wählte den Medienberater nun unter die „50 Leaders in Broadband & Pay TV“. zel

Von Lutz Mahnke

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