15.12.2000, 17:27 Uhr

Das digitale Weihnachtspaket hat Tücken

Kann sie oder kann sie nicht? Diese Frage stellen sich derzeit viele potentielle Pay-TV-Kunden, wenn sie eine d-Box kaufen oder mieten wollen. Schließlich steht bereits der neue MHP-Standard (Multimedia-Home-Platform) vor der Tür.

Für Ferdinand Kayser, Geschäftsführer der Kirch-Tochter Premiere World, ist die Welt noch in Ordnung. Während einer Veranstaltung des Berliner „Projekt Zukunft“ versprach der Premiere-Chef: „Unsere d-Box ist zukunftssicher, sie kann auf den Multimedia-Home-Platform-Standard aufgerüstet werden.“ Gleiches war auch im November auf den Medientagen in München zu hören.
Doch ganz so einfach ist es nicht. Die Hardware des Massenprodukts ist nicht zu verändern, und auch softwaremäßig sind keine Quantensprünge mehr zu erwarten. Die aber wären nötig, denn der neue Standard „Multimedia-Home-Plattform“ (MHP) verlangt „den Austausch des größten Teils der heute im Markt befindlichen Settop-Boxen“. Und das ist nun nicht die Meinung eines „Anti-Kirchianers“, sondern ein Statement von Gabor Todth, dem technischen Geschäftsführer von BetaResearch und damit gewissermaßen Forschungs- und Entwicklungsminister im Kirch-Imperium.
Aber Todt wäre nicht Todt, würde er MHP nun als der Weisheit letzten Schluss hinstellen. „MHP bedeutet 2000 Seiten an Spezifikationen mit etwa 500 Mehrdeutigkeiten.“ Zudem sei mindestens ein 300-MHz-Pentium-Prozessor mit einem 64-MByte-RAM nötig, um MHP mit einigermaßen akzeptabler Performance auszuführen. Den Austausch der meisten im Markt befindlichen Boxen müsse „letztlich der Endkunde zahlen“. Trotzdem wird bei BetaResearch an der nächsten Generation mit Volldampf gearbeitet. „Wir werden erste MHP-kompatible Boxen auf der CeBIT 2001 vorstellen“, so Todt. MHP-ähnliche Funktionen seien bereits in der aktuellen d-Box vorhanden.
Es fällt dem Experten sichtlich schwer, sich den technischen Realitäten zu stellen. Realitäten, die jedoch im Moment noch längst nicht ausdefiniert sind. „Zur Zeit haben wir MHP in der Version 1.0 verabschiedet, 1.1 ist in Vorbereitung“, erklärt Georg Lütteke, Vorsitzender der MHP-Gruppe im europäischen DVB (Digital Video Broadcasting)-Projekt, die den Standard maßgeblich mit entwickelt hat. „Mit ersten Anwendungen und Geräten ist erst zur IFA 2001 zu rechnen“, sagt Lütteke, für den der Vorteil der neuen Software auf der Hand liegt: MHP benötige künftig nur eine Settop-Box für alle Anwendungen. Das Chaos an unterschiedlichen Systemen wäre endlich vorbei.
Doch die Angst des Digital-Pioniers Premiere World ist verständlich. Die Milliarden-Investitionen drücken, von den insgesamt 2,3 Mio. Abonnenten sind erst 1,8 Mio. digitalisiert, und ob Kayser noch in diesem Jahr die avisierten zwei Mio. erreicht, bleibt fraglich. Bis Ende nächsten Jahres sollen alle ans Kabel angeschlossenen analogen Premiere-Kunden ihre Programm-Bouquets digital empfangen. Premiere macht Dampf, möchte „weiterhin die treibende Kraft“ im digitalen Geschäft sein. Neue Interessenten bescheren derzeit die Exklusiv-Übertragungen der Fußballbundesliga-Spiele. An manchen Sonntagen kann sich Kirch über mehr als eine Mio. Pay-per-View-Buchungen freuen. Nicht ganz so erfolgreich ist der Movie-Bereich.
200 Mio. DM wurden nun für die Weihnachtskampagne spendiert. „Machen Sie Ihr Sofa zum Kinosessel“ lockt der neue Prospekt. Vor allem mit dem „Super Weihnachts-Paket“ für 555 DM und dem „Sport Weihnachts-Paket“ für 444 DM sollen neue Kunden gewonnen und Receiver unters Volk gebracht werden – ohne Rückgaberecht. Dafür sparen die Kunden 200 DM. Bundesweit stehen die Premiere-Produkte derzeit bei über 10 700 Handelspartnern, und viele haben professionelle Promotoren gebucht, um die Produkte zu erklären. Die halten es bei der Frage nach MHP wie der Chef: „Kein Problem“.
Noch im ersten Quartal 2001 soll der bislang brach liegende Rückkanal in der d-Box aktiviert werden, der z. B. E-Mails auf den Fernseher möglich machen soll. Ebenfalls bessere Geschäfte werden mit Impuls-Pay-per-View versprochen, wobei das Anrufen bei einer Service-Nummer entfällt. Auch einen auf den Nutzer abgestimmten Wetterbericht soll es geben oder den Abruf von Sportnews. Außerdem sind Spiele und E-Commerce-Angebote auf der d-Box geplant. Dann könnte auch ein großer Teil der über 1800 Mitarbeiter im Servicebereich eingespart werden, die derzeit noch die telefonischen Bestellungen von Filmen umsetzen müssen. RAINER BÜCKEN

Digitales Fernsehen

Was ist was?

Settop-Box: Sammelbegriff für Geräte zum Empfang digitaler Programme und zur Verarbeitung von Zuschauereingaben bei interaktivem Fernsehen.
Multimedia Home Platform (MHP): Das neue Betriebssystem für Settop-Boxen soll die noch getrennten Welten von Fernsehen und Internet vereinen. MHP ist eine standardisierte Schnittstelle, die eine einheitliche Darstellung multimedialer Inhalte und Anwendungen erlaubt. Damit sollen alle Anbieter einen gleichberechtigten Zugang zum Zukunftsmarkt Digital-TV erhalten. Die Umsetzung des Standards in funktionsfähige Endgeräten wird erst zur IFA 2001 erwartet.
d-Box: Von BetaResearch entwickelte und von Nokia gebaute Box, die u. a. den Empfang der Pay-TV-Angebote von Premiere und Premiere World ermöglicht. In der seit einem Jahr im Handel erhältlichen neuen d-Box finden sich bereits Merkmale des MHP-Standards, die Box ist jedoch noch nicht kompatibel. Regelmäßig wird ein Software-Update ausgeliefert. zel

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

heristo aktiengesellschaft-Firmenlogo
heristo aktiengesellschaft Projektleitung Bereich Technik (m/w/d) Siegen
BRUNATA-METRONA GmbH & Co. KG-Firmenlogo
BRUNATA-METRONA GmbH & Co. KG Anlagentechniker Gewerbeimmobilien (m/w/d) Berlin
heristo aktiengesellschaft-Firmenlogo
heristo aktiengesellschaft Projektleitung Bereich Technik (m/w/d) Siegen
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Amtlich anerkannter Sachverständiger (m/w/d) für den Kraftfahrzeugverkehr mit Teilbefugnissen (aaSmT) bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Diplomingenieure (m/w/d) zur Verwendung als Sachbearbeiter im polizeitechnischen Bereich bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Schießstandsachverständiger der Bundespolizei (m/w/d) verschiedene Einsatzorte
HLB Hessenbahn GmbH-Firmenlogo
HLB Hessenbahn GmbH Projektleiter (w/m/d) Wiesbaden
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM-Firmenlogo
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM Projektmanager*in Wirtschaftsingenieurwesen / Produktionstechnik / Maschinenbau / Elektrotechnik Wolfsburg
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Fachreferent Werkstofftechnik (m/w/d) Biberach
Progressive-Firmenlogo
Progressive Software-Entwickler SPS Schwerpunkt Antriebstechnik (m/w/d) Rems-Murr-Kreis

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.