Medien 01.10.2004, 18:33 Uhr

Das Buch löscht sich nach drei Wochen

VDI nachrichten, New York, 1. 10. 04 -Amerikaner und Japaner entdecken das elektronische Buch – mit jahrelanger Verspätung. Fünf Jahre nach dem Start der einst hoch gelobten E-Books scheinen sie sich jetzt langsam zu etablieren. Zumindest im englischen Sprachraum und in Japan. Mehr Bücher, mehr Service und neue Geräte sollen dort den Markt beleben.

Stephen King startete vor vier Jahren die immer noch sicherlich populärste E-Book-Kampagne, als er sein Buch „Riding the Bullet“ nur zum Download für einen E-Book-Reader erstellte. 2 $ kostete der Download. Schon in der ersten Woche gab es über 1 Mio. Downloads. Doch Verleger und Buchhandel konnten sich mit dem neuen Medium nicht anfreunden. Sie fürchteten ein ähnliches Schicksal wie das der Musikbranche mit Napster.
Dabei bieten E-Books viele Vorteile gegenüber der Papierausgabe, beispielsweise die interne und externe Verlinkung. Ein Klick im Inhaltsverzeichnis auf das gewünschte Kapitel, und schon erscheint die erste Seite davon.
Und wenn man beim Lesen online ist, kann man auch auf die externen Links zu weiteren Definitionen oder weiterführender Literatur klicken, ohne dass man lange im Internet suchen muss.
Das scheinen inzwischen auch immer mehr Verlage einzusehen. So berichtet der in New York ansässige Industrie-Verband „Open eBook Forum“ (OeBF), dass die weltweiten Umsätze mit E-Books im ersten Quartal 2004 3,23 Mio. $ betrugen. Das ist zwar bescheiden im Vergleich zum Milliardengeschäft der Papierbücher, aber es waren 28 % mehr als im Vorjahr, bei den Stückzahlen waren es gar +46 %.
„Wir haben endlich den Durchbruch erreicht“, freut sich Mike Violano, Chef des E-Book-Anbieters eReader.com. Er verweist dabei vor allem auf die breiter gewordene Leserschaft der elektronischen Bücher. „Immer mehr nicht technisch Vorgebildete und Frauen bestellen bei uns“, sagte er auf der US-Buchmesse über die aktuellen Trends.
Auch Amazon.com bietet eine breite Auswahl: Business, die Bibel und sogar Sex-Handbücher gibt es in einer Preiskategorie von 4 $ bis 10 $. Wem das noch zu viel ist, der kann sich ein Buch auch elektronisch ausleihen.
Wer beispielsweise eine Mitgliedskarte von der Park-Ridge-Library hat, kann unter 500 E-Book-Titeln wählen. Dafür muss er nicht in die Bücherei gehen, sondern nur einen Download starten. Danach kann er das Buch drei Wochen lang lesen. Die sonst beim Buchausleihen übliche Angst, dass man den Rückgabetermin verpassen könnte, entfällt: Das ausgeliehene Buch löscht sich nach drei Wochen automatisch.
Dieses erweiterte Angebot ergänzen neue mobile Handhelds, die weniger Strom benötigen und eine bessere Lesbarkeit bieten. Das Flaggschiff davon ist Sonys neuer E-Book-Reader „Sony Librié“, der aber bislang nur in Japan verkauft wird. Das 400 $ teure Gerät bietet 10 MByte Speicher, ist nicht schwerer als ein Taschenbuch und soll relativ Strom sparend sein. Japan ist neben den USA der zweitwichtigste E-Book-Markt und so rechnen die Anbieter mit Wachstum. „Wir werden in diesem Jahr weltweit die 15-Mio.-$-Umsatzmarke erreichen“, meint Steve Potash, Verbandschef von OeBF.
US-Analysten sind skeptischer. Jean Bedord von Shore Communications meint, dass „der Markt nur graduell zulegen wird“. Die Skepsis begründet sich vor allem in den nach wie vor uneinheitlichen Standards, unklaren Kopiermöglichkeiten und den vielen inkompatiblen Geräten und Lese-Programmen.
Außerdem gibt es trotz der gegenwärtigen Verbesserungen noch viele Nachteile bei den E-Books. Die größte Schwäche ist deren Immobilität. Zwar behaupten die Anbieter das Gegenteil und loben die globale Verfügbarkeit der Bücher. Doch das ist nur beim Kauf des Buches ein Vorteil. Danach schleppen sich die meisten mit schweren Laptops ab, die viel Strom und Platz brauchen und deren Displays bei Sonneneinstrahlung nicht mehr lesbar sind.
„Die universelle Portabilität des Taschenbuchs wird derzeit von keinem elektronischen Gerät erreicht“, meint Raymond Irons, Filialleiter beim größten US-Buchhändler, Barnes & Noble, der voriges Jahr sein E-Book-Angebot eingestellt hat.
Größtes Handikap bei den E-Books ist aber weiterhin das „Digital Rights Management“, DRM. „Der gegenwärtige Copyrightschutz ist ein Chaos, es ist ein Wunder, dass sich überhaupt Leser finden, die sich auf diesen Wirrwarr einlassen“, meint Jean Bedord.
Das von den Medien mit viel Lobbyarbeit durchgesetzte scharfe Copyrightgesetz DRM geht davon aus, dass man kein Buch mehr im Handel verkaufen kann, sobald es frei im Internet verfügbar ist. Doch soeben gab es dafür in den USA einen viel beachteten Gegenbeweis.
Der „9/11-Untersuchungsbericht“ kostet im Buchhandel 10 $, kann aber auf der Regierungswebseite kostenlos heruntergeladen werden. Trotzdem hat der Buchhandel über 600 000 Exemplare davon verkauft und das Werk war einige Wochen lang der Bestseller unter den Sachbüchern.HARALD WEISS

Von Weiss

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