Medien 09.04.1999, 17:21 Uhr

Dank TV-Spot eine neue Stelle

Das Arbeitsamt Stuttgart nutzt die Neuen Medien zur Arbeitsvermittlung. Arbeitslose können sich seit vergangenem Oktober via Bildschirm in Szene setzen.

Das Kamera-Auge macht Valentin nervös. „Ich heiße Valentin, bin 45 Jahre alt und suche …“ – doch dann versandet der Redefluß. Nach 15 Minuten ist der Bewerbungsfilm dennoch im Kasten. Und der nächste Bewerber steht schon vor der Tür des improvisierten Studios im Arbeitsamt Stuttgart. In drei Blöcken zu etwa je einer Minute kann jeder Arbeitsuchende seine Person, seine Qualifikationen und charakterlichen Stärken herausstellen.
Seit Herbst vergangenen Jahres haben über 1000 Arbeitslose, vom Kraftfahrer über den Bratschisten bis hin zum Ingenieur die Möglichkeit genutzt, sich ins rechte Licht zu rücken. Die Media Group, eine Agentur für Neue Medien in Stuttgart, produziert die Filme in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt. Gesendet wird mehrmals in den frühen Abendstunden im Kabelkanal S 19, der nur im Großraum Stuttgart zu empfangen ist. „Das Konzept der Sendung paßt in die Zeit“, ist Michael Handrick von der Media Group überzeugt. Denn Sympathie spiele im täglichen Miteinander eine immer wichtigere Rolle. Deshalb nehme die Bedeutung visueller Kontaktaufnahme zu.
Das Medium Fernsehen wird auch vom Arbeitsamt als perfekte Ergänzung zur bisherigen Vermittlungsarbeit gesehen. „Damit soll die “Chemie“ eines Menschen sichtbar werden, jenseits seiner Papierform“, sagt Werner Pohl vom Arbeitsamt Stuttgart.
Die Arbeitgeber sind seine Kunden. Das Fernsehen biete dem Arbeitsamt als Service-Unternehmen eine neue Plattform, die Personalchefs und Arbeitgeber gerne in Anspruch nehmen. Sie können sich abends die Kurzprofile der Arbeitsuchenden ansehen oder sich Videokassetten von Bewerbern mit passenden Profilen zuschicken lassen. Außerdem sei jeder Arbeitsuchende mit Wort und Bild im Internet abrufbar. Alles weitere sei Sache von Arbeitgeber und Bewerber.
Natürlich nutzen auch Ingenieure das neue Angebot. „Vor allem Ausländern bietet sich eine günstige Alternative“, weiß Werner Geier, Pressesprecher des Arbeitsamtes. Ihre schriftlichen Bewerbungen landen schneller im Papierkorb als die von deutschen Kandidaten, so Geier. Via Bildschirm sei die Chance individueller Präsentation – jenseits störender Vorurteile – größer. „Visuelle Bewerbungen vermitteln einen intensiveren Eindruck von der Persönlichkeit. So hat mit ein peruanischer Maschinenbau-Ingenieur erzählt, nach 1000 mißglückten Versuchen auf dem klassischen Wege habe er durch seinen TV-Spot einen Job bekommen.“

Für Bewerbungen bleibt nicht viel Zeit

Bisher kann sich auf diese Weise jeder im TV präsentieren. Doch in Zukunft werden Schwerpunkte gesetzt. Studienabgänger und Umschulende sind zwei wichtige Zielgruppen der künftigen Arbeit. „Hier kommt es auf Schnelligkeit an“, so Werner Pohl. Seien Studium oder Umschulung einmal sechs Monate vorbei, werde es zunehmend schwieriger, einen Kandidaten zu vermitteln. Es müsse deshalb schnell gehandelt werden, um die Arbeitswilligen auf dem Markt zu plazieren. Dritte wichtige Zielgruppe werden Frauen, die in das Erwerbsleben zurückkehren möchten.
Bislang war es für einen Personalchef schwierig, schnell einen kompetenten Gesprächspartner im Arbeitsamt ans Telefon zu bekommen. Das werde sich gewaltig ändern, ist Werner Pohl sicher. Ein Callcenter soll professionelleres und rationelleres Arbeiten möglich machen.
Das Arbeitsamt wird künftig offensiver auftreten. Die Arbeitslosen sollen besser vermarktet, die Arbeitgeber intensiver einbezogen werden. Und wenn das nicht hilft, werden die Arbeitgeber regelrecht akquiriert, um sie auf die vielfältigen Angebote des Arbeitsamtes aufmerksam zu machen. Auch die Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsämtern und den Unternehmen der Region wird kontinuierlich ausgebaut.

Die Frage bleibt: Nehmen die Arbeitgeber das Angebot an?

Diese plötzliche Aktivität ist kein Wunder des Beamtenstaates, sondern schlicht Folge neuer Gesetzeslage. Denn seit 1998 kann jedes Arbeitsamt einen Teil des Budgets für eigene Ideen verwenden. Wurden zum Start im letzten Jahr 3 Mio. DM für die TV-Plattform ausgegeben, sollen nun 2 Mio. DM pro Jahr ausreichen. Viel Geld wird weiterhin in die Arbeitgeberwerbung fließen.
Die TV-Kampagne startete im Oktober 1998. Ob sie ein voller Erfolg wird, ist heute noch nicht zu erkennen. Es gibt bisher keine aussagekräftige Statistik über die Vermittlungen. Von den ersten 600 gesendeten Spots sollen nach inoffizieller Schätzung inzwischen mindestens 30 Bewerber eine Stelle angetreten haben. Gemessen an den 6000 offenen Stellen und 22 000 Arbeitslosen in der Stadt erscheint das nicht viel. Entscheidend wird sein, wie die Arbeitgeber künftig auf das neue Angebot reagieren.
Eindeutig positiv wirkt sich die Kampagne bei den Teilnehmern aus. „Haben sie den Aufnahmedreh einmal gemeistert, erleben wir einen spürbaren Motivationsschub bei den Bewerbern.“ Christiane Beyer von der Media Group erlebt ihre „Hauptdarsteller“ täglich hautnah. „Die Jungen sind mutiger, aber nicht optimistischer, die Älteren richten ihr angeschlagenes Selbstbewußtsein wieder auf.“
Inzwischen sind auch andere Arbeitsämter hellhörig geworden. „In Dresden z. B. wird unsere Idee in modifizierter Form aufgegriffen. Ebenfalls Interesse bekunden Berlin-Brandenburg sowie einige Großstädte in Nordrhein-Westfalen“, berichtet Werner Geier. Ein Beispiel also, das Schule macht.
UWE SCHULTE/WOLFGANG SCHMITZ
Unter der Rufnummer 0711/9202222 können Informationen über das Projekt „Arbeitsamt TV“ eingeholt werden.
Im Großraum Stuttgart lohnt sich ein Blick über die Tageszeitung hinaus. Im lokalen Fernsehen können sich Arbeitgeber ihre Angestellten von morgen genau betrachten.

Von Uwe Schulte/Wolfgang Schmitz

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