Medien 01.06.2001, 17:29 Uhr

Caroline Online seift Robert T-Online ein

Mit Internet-Soaps, Auto-Einkauf und einem dicken Strauß aus Unterhaltung und Information will T-Online Internetsurfer anlocken. Die Bedeutung des Stammgeschäfts „Internet-Zugang“ nimmt ab, der neue Fokus liegt auf den Inhalten. Medien- Kooperationen mit Bild.de und dem ZDF sollen Erfolg bringen.

Beliebt hat T-Online sich bei den Stammkunden nicht gemacht, als es kürzlich die Kooperation mit der Bild-Zeitung ruchbar wurde. „Wir haben nach der Bekanntgabe einige kritische E-Mails bekommen“, gibt T-Online- Sprecher Michael Schlechtriem zu. „Wie könnt ihr euch nur auf dieses Niveau begeben?“, fragten die Fans des elektronischen Robert T-Online wenig begeistert. Doch das Flaggschiff unter den deutschen Websites kann auf Feingeister wenig Rücksicht nehmen: Wer die Massen erreichen will, muss die Sprache der Massen sprechen.
8,4 Mio. Besucher verzeichneten die Marktforscher von Jupiter MMXI im April 2001 auf den Internetseiten von T-Online. Relativ weit abgeschlagen folgen die Seiten Yahoo (5,4 Mio. Besucher), Microsoft (5 Mio), MSN (4,7 Mio.) und AOL (4,5 Mio.). Und damit das so bleibt, muss T-Online noch mehr Leute ansprechen und baut die Breite seiner Angebote aus. „Content is King“, sagt Schlechtriem. Die Internet-Tochter der Deutschen Telekom AG will sich als Internet-Medienhaus etablieren und so unabhängiger werden vom klassischen Geschäft als Internet-Provider.
Diese Zielrichtung hat der Vorstandsvorsitzende Thomas Holtrop vorgegeben. Das immer noch defizitäre Unternehmen soll sich zu 30 % über E-Commerce finanzieren. Bisher liegt dieser Einnahmenanteil bei 15 % und machte damit vergangenes Jahr rund 120 Mio Euro aus. Genauso hoch sind bisher die Verluste des Konzerns.
Praktisch bedeutet die Vorgabe von Thomas Holtrop: T-Online sucht Partnerschaften mit der etablierten Presse. Dazu hat das Unternehmen zunächst eine Beteiligung von 37 % an der Axel-Springer-Tochter Bild.de erworben. Die Zielgruppe der Boulevardpresse bekommt auf den Seiten von T-Online demnächst ein buntes Angebot aus der bereits existierenden Bild-Online-Redaktion. Das Geschäft nützt beiden: Die 4,3 Mio. Bild-Leser finden im Internet eine Heimat und die über 8 Mio. T-Online-Besucher werden auf die Bild-Zeitung aufmerksam.
Dass T-Online gleichzeitig eine Kooperation mit mit dem ZDF eingeht, ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Ab August werden unter www.heute.t-online.de und über einen Link auf der T-Online-Seite Nachrichten für den anspruchsvolleren Nutzer zu finden sein. Doch für T-Online gilt nicht „entweder Boulevard oder seriös“, sondern „sowohl als auch“. Gleichzeitig werden darum selbst die produzierten und von Nachrichtenagenturen zugekauften Angebote in den Rubriken wie Finanzen, Computer, Bildung und Beruf, Reise oder Sport weiter ausgebaut. Dazu beschäftigt T-Online schon heute 70 Mitarbeiter.
Um weitere Inhalte zu bieten, geht T-Online Kooperationen mit Großunternehmen ein. Auf einer gemeinsamen Seite mit DaimlerChrysler wird man neben den Mercedes-Fahrzeugen Informationen rund ums Auto von Pannentipps bis Reiseplanung finden. Und in einem gemeinsamen Projekt mit der Viktoria Versicherung gibt es unter www.foerderrente.de bereits Informationen zur privaten Altersversorgung. Der Vorteil für die Old Economy: Nirgendwo im deutschen Internet finden sie eine Plattform, auf der sie ihre Produkte so vielen Menschen präsentieren können. T-Online profitiert von den hier getätigten Umsätzen.
Zu dem Nachrichten- und Service-Angebot sollen in Zukunft bewegte Bilder kommen: T-Online wird zum Internet-TV. Bereits im Netz stehen 36 Folgen der Internet-Soap „90-Sechzig-90“. Der Anspruch der Filmchen um eine Model-Agentur ist eher gering. Ähnliche Soaps bieten inzwischen auch die öffentlichen und privaten Fernsehsender im Netz.
Innovativer ist das, was T-Online sich in Großbritannien abgeschaut hat: Teenager-Stars werden für einige Stunden unter Dauerbeobachtung genommen, z. B. Mädchen-Schwarm Sasha. Ein zweites britisches Format für Internet-TV will T-Online dann in der zweiten Jahreshälfte vorstellen: Bei www.Online-Caroline.com beobachten Web-Kameras täglich eine Schauspielerin namens Caroline. Interaktivität heißt das Zauberwort: Die Surfer können per E-Mail abstimmen, was Caroline tragen soll und in welcher Stimmung sie ist.
Dabei dürfen sich die User nicht daran stören, dass „Online Caroline“ eine Dauerwerbesendung ist. Wenn Online Caroline ihr neues blaues Kleid anzieht, dann sollen die Surfer vor ihrer Internet-Diashow dieses Modell gleich über einen Link bestellen. Und T-Online kann sich ein Stück von diesem Umsatzkuchen abschneiden. Ob das Konzept aufgeht, weiß im Moment niemand. Beim britischen Vorbild wirkt das Ganze allerdings alles noch unausgereift. Es gibt kaum unterhaltsame Links und die Kamera zeigt für Stunden Carolines Wellensittich „Budgie“. Budgie erinnert Caroline an Australien – warum, ist nicht herauszufinden. Und auch wann Caroline ihren nächsten Online-Auftritt hat, verrät die Site nicht. MARCUS FRANKEN

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