Medien 30.04.2004, 18:30 Uhr

Brückenschlag vom Handy zum TV-Empfang

Im Mai sollen technische Anforderungen spezifiziert werden, um bunte Live-TV- Bilder auf kleine Bildschirme zu bringen. Im Juni beginnen die ersten Tests.

Umstrittene Schiedsrichterentscheidungen beim Fußball sind keine Seltenheit. Doch während der Fernsehzuschauer jede Szene in Zeitlupe zu sehen bekommt, bleibt dem Mann im Stadion diese Möglichkeit bis jetzt verwehrt. Gut dran ist dann womöglich der Besitzer eines Smartphones, auf dem das Logo DVB-H eingeprägt ist. Denn damit kann man sich das Geschehen in Zeitlupe vorspielen lassen. Immer wieder.
Noch ist dieses DVB-H-Szenario Zukunftsmusik. Der letzte Buchstabe des Kürzels steht für Handheld, die übrigen für Digital Video Broadcasting. Eigentlich müsste auch noch ein T dazwischen geklemmt sein, denn ohne DVB-T kein DVB-H.
Das terrestrische Digitalfernsehen (DVB-T) ist bereits in in Berlin/Potsdam eingeführt worden. Am 24. Mai startet es in den Räumen Köln-Bonn, Hannover/Braunschweig und Bremen/Unterweser. Im November werden auch Düsseldorf/Ruhrgebiet, Hamburg/Lübeck und Kiel versorgt.
Doch DVB-T ist vor allem eine neue Verbreitungsform für Fernsehsender und das auf PCs und TV-Geräten. Das Anwendungsspektrum bei DVB-H reicht darüber hinaus von mobilen Internet- und anderen Datendiensten bis hin zum klassischen Fernsehen – auf der Basis von DVB-T natürlich. Nur aus der Verbindung von Broadcast- und Mobilfunktechnik kann sich DVB-H entwickeln, vor allem wegen des Rückkanals.
Die Medienkonvergenz wird hauptsächlich durch den Einsatz des universellen Datenformats XML erreicht – einmal erstellter Content kann auf verschiedenen Endgeräten wiedergegeben werden. Für DVB-H müssen die vor allem eines sein – klein.
Und gerade damit erschließen sich neue Anwendungen. „Wer sich im Stadion die Bilder von kritischen Situationen wie daheim vor dem Fernseher ansehen will, wird dazu künftig DVB-H nutzen können – nicht aber UMTS“, so Professor Ulrich Reimers von der Universität Braunschweig vorige Woche während des 13. Symposiums der Deutschen TV-Plattform in Düsseldorf.
Ein ganzes Fußballspiel auf einem dieser Mini-Bildschirme anschauen zu wollen, grenzt indes schon ein klein wenig an Masochismus – der Ball dürfte kaum zu sehen sein. Zumindest jetzt noch. Doch mit neuen Displays und besseren Kodiertechniken soll künftig alles besser werden. „DVB hat die Beschreibung für die Einführung des Standards H.264 fertig gestellt, doch die Lizenzgespräche sind noch nicht abgeschlossen“, so Reimers. Auch mit Microsoft werde verhandelt, denn deren Windows Media 9 ist für die Komprimierung recht viel versprechend. Immerhin – mit 384 kbit/s dürften akzeptable Bilder möglich werden – zumindest ausreichend für kleine Bildschirme mit 360 x 288 Bildpunkten. 20 Videostreams können so in einem DVB-H-Kanal übertragen werden das entspricht fast dem kompletten DVB-T-Spektrum, das in versorgten Gebieten in der Luft liegt.
Auch für Audio ist DVB-H geeignet und für zahllose Datendienste, die via Internet „gepusht“ werden. Das geht natürlich nur mit einer weiteren Technik, nämlich internetbasierten Datendiensten, im Fachjargon IP Datacast genannt. Damit ist nicht nur eine Adressierung möglich, sondern auch eine Abrechnung.
Wer im Stadion die Zeitlupe vom Elfmeter sehen möchte, wird später zur Kasse gebeten. Doch damit können sich Internetservice- und Broadcast-Content-Provider noch Zeit lassen – die DVB-Arbeitsgruppe CBMS (Convergence of Broadcast and Mobile Services) wird die technischen Anforderungen erst nächsten Monat vorlegen.
Parallel dazu laufen die ersten Testversuche an. Mit Geräten von Nokia und Philips sollen schon ab Juni in Berlin technische Tests beginnen. So arbeiten die beiden Unternehmen mit Vodafone und Universal Studios Networks im Projekt bmco zusammen, was für Broadcast-Mobile-Convergence steht. Unterstützt werden die Arbeiten vor allem vom Berliner Senat – Projekt Zukunft. Der DVB-T-Kanal wird von der Medienanstalt Berlin-Brandenburg zur Verfügung gestellt, ab Herbst soll“s einen weiteren geben. Als „Application Partners“ sind gosub communications, Touch_Mobile und contcast ebenso im Boot wie diverse Inhaltelieferanten.
Vor allem bundesweit aufgestellt ist hingegen das Projekt Mobile Media Distribution (MMD), das von T-Systems geleitet wird. Hier sollen alle am Markt befindlichen portablen PCs wie Laptops, PDAs oder Tablett-PCs zu MMD-Terminals werden.
Die bereits durch SCM entwickelte DVB-T-PC-Card ist dabei das Rückgrat – ebenso wie eine Bluetooth-Verbindung zum Handy. An voll integrierten Geräten wird bereits gearbeitet, auch wenn die Spezifikationen noch nicht in allen Details abgesegnet sind. Projektpartner wie Navigon, InfoRoad, eHotel, ZDF, T-Mobile, SCM Microsystems sowie über 20 Content- und Serviceanbieter aus Berlin, Niedersachsen und Bremen sind auf mehreren Ebenen eingebunden.
International gibt es ebenfalls eine intensive Zusammenarbeit, so vor allem durch das von der EU-geförderte Projekt DICE (Digital Innovation through Cooperation in Europe). In Vorbereitung sind Testbetriebe in Österreich, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Litauen, Polen und Ungarn. Kein Wunder, dass Motorola Ventures für das Jahr 2007 weltweit etwa 100 Mio. DVB-H-Smartphones vorhersagt – und für 2009 gar 300 Mio. Nokia geht indes von einem längeren Zeitraum aus.
Viele Fragen sind noch ungelöst, vor allem die der Flächendeckung. Für DVB-H müssen jedenfalls mehr Sender betrieben werden als mit DVB-T – aber immerhin weniger als für UMTS. Und daher wird man idealerweise dessen Masten gleich mitnutzen können.
 RAINER BÜCKEN

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