Frauen im Ingenieurberuf 17.09.2010, 19:48 Uhr

Bond hat ausgedient – Bildschirm frei für eine Technik-Heldin

In Fernsehprogrammen sollte mehr als pure Unterhaltung stecken. Aber können Daily Soaps junge Frauen dazu bringen, sich für einen Ingenieurberuf zu entscheiden? Veranstalter und Gäste einer Konferenz zum Thema naturwissenschaftlicher Berufe in fiktionalen TV-Formaten glauben fest daran.

Schon mal was vom „CSI-Effekt“ gehört? In den USA macht er sich deutlich bemerkbar. Hinter dem Begriff, der wie Fachchinesisch für Börsenmakler klingt, steckt gute Unterhaltung: nämlich die gleichnamige US-TV-Serie „CSI“ (Crime Scene Investigation), die in Deutschland bei RTL zu sehen ist.

Die wöchentlichen Geschichten um ein Kriminaltechnologen-Team in Las Vegas sind schuld daran, dass immer mehr junge Amerikanerinnen an der Uni ein Forensik-Fach belegen wollen. In den letzten zehn Jahren ist ihre Zahl um satte 64 % gestiegen. Das berichtete Corinne Marrinan, Autorin und Produzentin der Serie, jüngst auf der Konferenz „Don’t think it’s only entertainment – MINT und Chancengleichheit in fiktionalen Fernsehformaten“ in Berlin.

TV-Formate, so die These Marrinans und der Veranstalter, können als so genanntes „Edutainment“ (Education und Entertainment) viel zur Imageverbesserung von Berufen in Technik und Naturwissenschaften beitragen – wenn man sie geschickt konzipiert. Denn laut einer Erhebung des Konferenz-Veranstalters MINTiFF lassen sich 23 % der Mädchen bei ihrer Berufsorientierung vom Fernsehen beeinflussen.

Es ist zwar nicht bekannt, wie viele der begeisterten Studienanfängerinnen später ihr Studium abbrechen, weil die Stories von der toughen „CSI“-Forensikerin Catherine Willows rasch von der Realität an der Universität entzaubert werden. Doch sei das Interesse an dem technisch-naturwissenschaftlichen Beruf nachhaltig geweckt worden, so Corinne Marrinan. Gerade bei jungen Frauen.

Und um die geht es der vom Bundesbildungsministerium und der Europäischen Union geförderten Initiative MINTiFF, die bei der Konferenz Wissenschaftler mit Film- und Medienschaffenden aus aller Welt zusammenbrachte. Das Projekt startete 2007 an der TU Berlin mit dem Ziel, Mädchen mit Rollenvorbildern in Filmen und Serien dazu zu motivieren, MINT-Berufe zu ergreifen.

Projektleiterin Marion Esch und ihr Team haben einige Befragungen durchgeführt. Demnach sind nur 6 % der Mädchen hierzulande fest entschlossen, ein MINT-Fach zu studieren oder einen technischen Beruf zu erlernen. Und während es der Ingenieur bei den Jungen immerhin auf Platz vier unter den Traumberufen geschafft hat, belegt der Beruf Ingenieurin bei den Mädchen Platz eins auf der Rangliste der Berufe, die sie auf keinen Fall ergreifen wollen. Warum? „Weil Mädchen positive Rollenvorbilder fehlen“, so Esch. „Sie finden sie selten im realen Leben, und in Fernsehserien spielen Frauen in MINT-Berufen in Deutschland praktisch keine Rolle.“

„Was wir erreichen wollen, ist, dass die Arbeit in der Wissenschaft auf ebenso selbstverständliche wie seriöse Art in TV-Filmen und Serien thematisiert wird wie andere Berufe auch“, erläutert Esch, die auch Professorin für Chancengleichheit in der Ingenieurausbildung ist.

Es nun verstärkt durchs bunt angestrichene Hintertürchen unterhaltsamer Fernsehformate zu versuchen, ist gar nicht abwegig. Denn Umfragen der MINTiFF-Mitarbeiter haben ergeben, dass Mädchen aller Bildungsstufen Privatsender wie Pro 7 und RTL, die Serien im „CSI“-Format ausstrahlen, zu ihren absoluten Lieblingssendern zählen.

Wissenschaft als Product-Placement? „Ganz und gar nicht“, sagt Marion Esch. „Wir wollen keine platte Werbung. Es geht darum, realistisch zu zeigen, wie Wissenschaftler arbeiten.“ Denn meistens kommen sie nur mit etwas skurrilen Zügen daher, wie der Gerichtsmediziner Carl-Friedrich Börne alias Jan-Josef Liefers im WDR-„Tatort“ aus Münster.

Im nächsten Frühjahr wird mit einem „Tatort“ aus Köln („Auskreuzung“) der erste Film im Fernsehen ausgestrahlt, dessen Drehbuch mit MINTiFF-Unterstützung geschrieben wurde. Die Kommissare Ballauf und Schenk müssen darin den Mord an einer Labortechnikerin in einem Forschungsinstitut aufklären. Es geht um Gentechnik und Konkurrenz unter Wissenschaftlern – die Kommissare müssen sich in der fremden Welt der Wissenschaft zurechtfinden.

Eine ebenfalls geeignete TV-Plattform für das Edutainment seien Telenovelas wie „Verliebt in Berlin“ und die Daily Soaps wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, sagt Maya Götz, Leiterin des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen in München, die auf der Konferenz über das Thema referierte. „Gerade, weil dort fast immer Frauen die tragenden Rollen spielen, bietet sich die große Chance, die üblichen Rollenklischees zu unterlaufen“, erklärt Götz. So könnte die Heldin etwa in einem Handwerksbetrieb arbeiten. „Hauptsache, sie bietet sich den Zuschauerinnen als Projektionsfläche für deren Träume an.“

Sprich: Es muss cool und sexy daherkommen. Götz glaubt, dass die Figur der Lisa Plenske aus „Verliebt in Berlin“ ebenso gut funktioniert hätte, wenn sie in einer Pharmafirma gearbeitet hätte statt in einem Modeunternehmen.

MINTiFF hat hier noch einiges zu tun, um auch die Telenovela- und Soap-Produzenten davon zu überzeugen. Und: Die Konkurrenz in Sachen Rollenbilder ist mächtig und tritt in Form von „Germany’s Next Top Model“ auf. „Bereits bei den neun- bis elfjährigen Mädchen sagen 63 %, sie wollen später Model werden“, hat Götz herausgefunden.

Dass gerade die vordergründig-seichten Formate der Telenovelas tatsächlich großen Einfluss auf junge Frauen haben und „ein Motor für sozialen Wandel“ sein können, bekräftigte auf der Konferenz der mexikanische Telenovela-Experte Miguel Sabido: Nachdem vor Jahren eine Telenovela das Thema Geburtenkontrolle und Empfängnisverhütung thematisierte, seien wenig später in Mexiko nachweislich die Geburtenzahlen zurückgegangen, berichtete Sabido.

MAREIKE KNOKE

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