Medien 23.04.2010, 19:46 Uhr

Bildstörungen durch Mobilfunk – erkannt, aber nicht gebannt

Wenn das TV-Bild plötzlich einfriert, Klötzchen oder andere starke Störungen den Fernsehabend vermiesen, dann könnte das daran liegen, dass einer der Mitbewohner oder Nachbarn sich per Mobilfunk im Internet tummelt. Das zumindest befürchten Kabelnetzbetreiber und Fernsehexperten. Um die Zuteilung der Funkfrequenzen für die kommende Generation LTE wird derzeit ebenso gerungen wie um störungsfreien TV-Empfang rund um die 800 MHz.

Dramatischer könnten die Warnungen kaum ausfallen: „Die Messungen zeigen eindeutig, dass mit massiven Störungen gerechnet werden muss“, heißt es beispielsweise in einem gemeinsamen Abschlussbericht vom Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber Anga und dem Institut für Rundfunktechnik (IRT). So hätten die Ergebnisse gemeinsamer Untersuchungen gezeigt, dass die Kabel selbst unempfindlich gegenüber Einstrahlungen im Downlink/Uplink seien, während die Fernsehgeräte und Settop-Boxen zum Teil massiv beeinflusst würden.

Es geht um die kommende Mobilfunkgeneration LTE (Long Term Evolution) und hier speziell um die Variante, die um 800 MHz funken soll. „Als Hauptstörer wurden die mobilen Endgeräte im Uplink-Betrieb, d. h. vom Nutzer aus der Wohnung zurück zur Basisstation, identifiziert“, heißt es von Anga und IRT. Ob der Sender sich im selben oder einem benachbarten Raum wie das TV-Empfangsgerät befindet, spielt wohl keine Rolle. Zudem sei zu vermuten, „dass nicht nur TV-Geräte und Settop-Boxen gestört werden, sondern auch Videorecorder, Personal Video Recorder, die einen eigenen Tuner besitzen, und andere Geräte“.

Verständlich, dass Volker Blume, Technischer Produkt Manager Television bei Philips, verhindern möchte, dass deutsche Haushalte zum Experimentierfeld für Mobilfunker werden. „Aus heutiger Sicht könnte es bei der Einführung der neuen Mobilfunktechnologie LTE zu Bild- und Tonstörungen bei Fernsehgeräten in etwa 24 Mio. Fernsehhaushalten kommen.“ Und weiter: „Ein Handy kann das Fernsehbild stören, wenn es in unmittelbarer Nähe auf dem Wohnzimmertisch liegt. Und durch die wesentlich stärkere LTE-Technik könnte sich das Problem verschärfen.“

Auch die Landesanstalt für Kommunikation in Baden-Württemberg hat mit diversen Partnern in Baldern im Ostalbkreis einen umfangreichen Funkversuch durchgeführt, wobei da die Bewertungen weit auseinandergehen. „Die LTE-Technik wird Breitbandkabelnetze sowie TV-Geräte stören“, ist sich Uwe Bärmann, CTO Kabel BW, sicher, während Michael Feistel von Vodafone auf der gleichen Veranstaltung verspricht: „Störungen sind nahezu ausgeschlossen.“

Übrigens hat das Verwaltungsgericht Köln am 8. März einen Eilantrag von Kabel BW gegen die Frequenzversteigerung abgelehnt. Auftretenden Störungen, so das Gericht, könnte auch noch mit späteren Maßnahmen begegnet werden. Dabei ist selbst der Bundesrat von einer Lösung der Störproblematik vor der Versteigerung ausgegangen. Und noch sind die Klagen von NDR, WDR und SWR gegen das Versteigerungsverfahren nicht entschieden.

Für die Bundesnetzagentur ist die Sache relativ einfach – zumindest was das Kabel angeht. Leitungsanwendungen stellen keine Frequenznutzung dar und unterliegen nicht dem Telekommunikationsgesetz, sondern die betroffenen Geräte müssen Standards einhalten. Und wenn es zu Störungen kommen sollte, müssen die künftigen Netzbetreiber – falls erforderlich – geeignete Maßnahmen ergreifen, die eine Störung minimieren. So zumindest heißt es in der Entscheidung der Präsidentenkammer.

„Überhaupt sind da die Stellungnahmen aller relevanten Gruppen, also von Netzbetreibern, Programmveranstaltern, wissenschaftlichen Einrichtungen, Geräteindustrie usw., eingeflossen“, erklärt Cord Lüdemann, Sprecher der Bundesnetzagentur.

Die Deutsche Telekom hält das Problem zumindest langfristig für gelöst: „Die Verlagerung der derzeitigen Frequenznutzer (DVB-T-Rundfunk, drahtlose Mikrophone) in andere Frequenzbereiche wird von der Bundesregierung bezahlt“, lässt Pressesprecher Dirk Wende wissen. Auch seien die von den Kabelnetzbetreibern genannten Störrisiken grob überzeichnet. Die Netze seien dicht. „Nur wenige DVB-C-Empfänger weisen eine zu geringe Störfestigkeit auf, so dass nur ein geringes Störrisiko besteht.“

Professor Michael Silverberg von der Fachhochschule Köln sieht das anders – er hält die mangelnden Einstrahlstörfestigkeiten der Kabelempfänger sowie vieler Antennenleitungen für extrem kritisch. „Bei DVB-T wurde der portable und mobile Empfang nicht oder nur unzureichend berücksichtigt, daher muss ein Schutzabstand von 10 MHz zwischen Rundfunk und LTE eingeführt werden.“ Auch sei es nötig, die Sendeleistung der LTE-Terminals zu reduzieren. Silverberg weiß aber auch, dass „Lösungen, die zulasten von nur einer Partei gehen, ineffizient und nicht akzeptabel sind, gehen sie doch auf Kosten der Verbraucher“.

Jochen Mezger, Geschäftsfeldleiter Programmverbreitung beim IRT, sieht die Konsumelektronikindustrie in der Pflicht, „Tuner weiter zu verbessern, Tiefpassfilter für DVB-T am Antenneneingang einzubauen und die Kabel-Empfänger einstrahlungsfester zu machen“. Ansonsten würden die Verbreitungswege an Akzeptanz verlieren.

Wenn in einigen Jahren einige Tausend LTE-Basisstationen und hundertausende LTE-Terminals unterwegs sind, wird es vor allem in den Stadtstaaten spannend – da dürfte der Ausbau am schnellsten, das Störpotenzial am größten sein. Schließlich gibt es keine gemeldeten weißen Flecken, die zunächst versorgt werden müssen. Allerdings sollten die Netzbetreiber selbst im schlimmsten Fall nicht mit einer Frequenzrückgabe und Erstattung der Lizenzkosten rechnen. „Dazu wird es auf keinen Fall kommen“, glaubt Lüdemann. R. BÜCKEN

Stellenangebote im Bereich Maschinenbau, Anlagenbau

heristo aktiengesellschaft-Firmenlogo
heristo aktiengesellschaft Projektleitung Bereich Technik (m/w/d) Siegen
BRUNATA-METRONA GmbH & Co. KG-Firmenlogo
BRUNATA-METRONA GmbH & Co. KG Anlagentechniker Gewerbeimmobilien (m/w/d) Berlin
heristo aktiengesellschaft-Firmenlogo
heristo aktiengesellschaft Projektleitung Bereich Technik (m/w/d) Siegen
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Amtlich anerkannter Sachverständiger (m/w/d) für den Kraftfahrzeugverkehr mit Teilbefugnissen (aaSmT) bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Diplomingenieure (m/w/d) zur Verwendung als Sachbearbeiter im polizeitechnischen Bereich bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Schießstandsachverständiger der Bundespolizei (m/w/d) verschiedene Einsatzorte
HLB Hessenbahn GmbH-Firmenlogo
HLB Hessenbahn GmbH Projektleiter (w/m/d) Wiesbaden
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM-Firmenlogo
FRAUNHOFER-INSTITUT FÜR FERTIGUNGSTECHNIK UND ANGEWANDTE MATERIALFORSCHUNG IFAM Projektmanager*in Wirtschaftsingenieurwesen / Produktionstechnik / Maschinenbau / Elektrotechnik Wolfsburg
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG-Firmenlogo
Albert Handtmann Metallgusswerk GmbH & Co. KG Fachreferent Werkstofftechnik (m/w/d) Biberach
Progressive-Firmenlogo
Progressive Software-Entwickler SPS Schwerpunkt Antriebstechnik (m/w/d) Rems-Murr-Kreis

Alle Maschinenbau, Anlagenbau Jobs

Top 5 Medien

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.