Medien 08.12.2006, 19:25 Uhr

Big Business gegen freien Informationsfluss  

Vor allem die geplante Satellitenplattform entavio entzweit die Gemüter. Bisher frei empfangbare Sender sollen „grundverschlüsselt“ und damit quasi Pay-TV werden. Diskussionsstoff in Leipzig auf dem 9. Kabelkongress des FRK Fachverband für Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen.

Links zum Artikel:www.kabelverband-frk.de

www.entavio.de

www.anga.de

www.astra.de

www.eutelsat.de

www.KabelDeutschland.de

Die Sender RTL, ProSieben und Sat.1 wollten neue Einnahmequellen über digitale Verbreitungswege erschließen: Digitale Programme sollen den Zuschauer zusätzlich Geld kosten.

So wurde die Astra-Tochterfirma entavio gegründet, um bisher frei empfangbare private Analogprogramme kostenpflichtig in die digitale Welt zu transportieren. Hierzu hatten sich SES Astra, ProSiebenSat.1, RTL und Nagravision verabredet. ProSiebenSat.1 hat die Pläne allerdings diese Woche erst einmal auf Eis gelegt. RTL allerdings hält an der Grundverschlüsselung auch via Satellit fest.

Das zeigt: Der Einstieg ins digitale Fernsehen ist reich an Konflikten. So stießen erst kürzlich in Leipzig auf dem 9. Kabelkongress des FRK Fachverband für Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen die Meinungen von Kabelnetz- und Satellitenbetreibern, Wohnungsunternehmen, Programm- und Mediendienstveranstaltern munter aufeinander – Politik und Medienanstalten spielen da nur noch Nebenrollen.

Der für innovative Marktentwicklungen und Multimedia zuständige Referent Claus Wedemeier vom Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) machte deutlich, dass durch entavio „bislang selbstverständliche Leistungen nicht mehr selbstverständlich sein werden.“ Was im analogen noch „free“ ist, mutiere im Digitalen zu „pay“, für zunächst angedachte 3,50 €.

FRK-Geschäftsführer Heinz-Peter Labonte wies auf die Parallelen zur Kabellandschaft hin: „Was wir jetzt bei entavio kritisieren, bietet Kabel Deutschland (KDG) schon lange für 4,90 € an – und damit um 1/3 teurer.“

Schützenhilfe erhielten die zahlreichen entavio-Kritiker von Thomas Jurk, dem sächsischen Staatsminister für Wirtschaft und Arbeit mit der Landeszuständigkeit für Medien. Er selbst bezieht Programme über sieben Antennen und verfügt damit über einschlägige Erfahrungen mit dem vielgerühmten „Free Flow of Information“. „Es ist wichtig für das Zusammenwachsen der Völker in Europa, dass man sich medial austauschen kann.“ Die ganze Verschlüsselungsdiskussion bezeichnete er als „einem europäischen Zusammenwachsen abträglich“ und erntete dafür von Vertretern vieler Wohnungsgesellschaften sowie von Netzbetreibern starken Beifall.

Kein Hehl aus seiner Ablehnung der Verschlüsselung machte dann auch ZDF-Justitiar Carl Eugen Eberle. „Die Grundverschlüsselung ist nicht der Motor der Digitalisierung, sondern seine Bremse. Die Digital-Maut wirkt abschreckend und wird nicht dazu beitragen, dass die Digitalisierung vorankommt.“

Dass Rechteinhaber die Grundverschlüsselung fordern würden, sei kein Argument. Den Protagonisten ginge es vielmehr um die Adressierbarkeit der Endkunden, um sie ansprechen und mit einem Entgelt belegen zu können.

Eberle bezweifelt auch die Notwendigkeit neuer Einnahmen für die Programmanbieter. „Wir haben inzwischen ein Werbeniveau im Fernsehen wie im Jahr 2001, und Unternehmen wie RTL und ProSiebenSat.1 weisen die besten Ergebnisse seit Jahren vor.“

Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), wollte das alles so nicht akzeptieren und nahm „jede Wette an, dass in fünf Jahren das Thema Verschlüsselung auch für die öffentlich-rechtlichen Anstalten kein Kampfbegriff mehr ist.“ Schon jetzt würden viele Rechteinhaber eine Verschlüsselung verlangen.

Er verteidigte die mit der Adressierbarkeit möglichen zusätzlichen Erlöse. Heute könnten die Privaten mit Werbeerlösen zwischen 4 Mrd. € und 5 Mrd. € rechnen, im Jahr 2000 waren es laut Doetz 1 Mrd. € mehr. Die öffentlich-rechtlichen Anstalten hätten hingegen pro Jahr über 7 Mrd. € Gebührenerlöse zur Verfügung. Der darin enthaltene Hörfunkanteil blieb unerwähnt. Auch würde der Signalschutz gegen Piraterie heute ebenso von den Inhalteanbietern gefordert, wie der Gebietsschutz, und dem hätten sich auch ARD und ZDF unterzuordnen.

Probleme mit der Verschlüsselung haben indes die so genannten Mediendienste, die Teleshopping-Programme. Für Rainer Sura, Direktor Broadcasting & Marketing bei QVC, ist eines klar: „Jeder Fernseher im Wohnzimmer ist für uns Schaufenster, damit wir unsere Waren anbieten und verkaufen können. Eine Grundverschlüsselung auf dem Satellit wird schwierig, wenn damit auch ein Reichweitenverlust einhergehen würde.“ Denkbar wäre ein Simulcast-Betrieb, also die parallele Ausstrahlung verschlüsselter und unverschlüsselter Sendungen.

Christian Schurig, Direktor der Medienanstalt Sachsen-Anhalt, stellte sich indes ganz offen hinter Jürgen Doetz. „Es wird bei der Digitalisierung ohne eine Adressierbarkeit gar nicht gehen!“ Schließlich müssten auch die Kabelnetzbetreiber unterscheiden können, ob jemand das Grund-, Super- oder Komfortpaket bekommt. Auch die Öffentlich-rechtlichen seien gut beraten, möglichst kurzfristig ihre Haltung zu ändern. Provozierend dann noch der Vorschlag, mit der Adressierbarkeit der ARD- und ZDF-Programme die 3000 hauptamtlichen Mitarbeiter der GEZ sofort einsparen zu können. 350 Mio. € könnten anders eingesetzt werden und Schwarzseher gäbe es dann auch nicht mehr.

Doch der eigentliche Paradigmenwechsel ist ein anderer. Bislang hätten die Programmanbieter selbst die Transportkosten übernommen, im Rahmen der Digitalisierung müssten die Endkunden faktisch die Transportkosten zahlen. Und – wer mehr bezahlen solle, müsse auch mehr erhalten.

Das Thema Geld war dann auch für Wolfgang Elsäßer, Geschäftsführer von Astra Deutschland, ein höchst wichtiges. „Die Gebühr ist eine reine Technikpauschale. Es ist nicht so, dass Endkunden zukünftig für den Content von Pro7, von MTV, von RTL von wem auch immer Geld bezahlen müssen, sondern es sind die Kosten für die digitale Infrastruktur.“

Dem aber konnte Labonte nur widersprechen. In den bisherigen Verhandlungen sei immer von je 80 Cent für ProSiebenSat.1 und RTL sowie 40 Cent für kleinere Anbieter die Rede gewesen – die Technikgebühr würde sich dann auf 1,50 € reduzieren.

Elsäßer musste die Kurve kriegen und gab beschwichtigend zu, dass man nach dem heutigen Modell einen „Teil dieser Beträge wieder ausschütten würde an die entsprechenden Fernsehsender für Werbe- und Marketingleistungen sowie für Rechte.“ Mit der entavio-Plattform solle eine homogene Infrastruktur an Endgeräten aufgebaut werden, die es eben verhindert, dass zukünftig für jeden Sender und für jedes Programm eine eigene neue Set-Top-Box gekauft werden müsse.

Kommerziell gibt es für die Weiterleitung der Satellitensignale zwei Varianten, nämlich das Durchleitungs- und das Wiederverkäufermodell. Kabelnetzbetreiber sind naturgemäß eher an Letzterem interessiert.

Um den Aufwand beim Kunden zu reduzieren, haben die 154 FRK-Mitgliedsfirmen beschlossen, eine zentrale Entschlüsselung in ihren Kopfstellen anzubieten. Die Adressierbarkeit der 2,1 Mio. angeschlossenen Haushalte sei so ebenfalls möglich und die Kosten würden sinken. RAINER BÜCKEN

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